Landes-Auszeichnungen für Kunst und Kultur überreicht

Festakt zur Würdigung der Kultur-Preisträger in der Residenz / Raus würdigte großartige künstlerische und kulturelle Leistungen
Salzburger Landeskorrespondenz, 21. November 2007

(LK)  Heute, Mittwoch, 21. November, fand im Carabinierisaal der Alten Residenz eine Festveranstaltung statt, bei der Kulturreferent Landeshauptmann-Stellvertreter Dr. Othmar Raus Landespreisträger aus den Bereichen Musik, Bildende Kunst, Literatur, Film, Kulturarbeit und Neue Medien auszeichnete (Siehe auch Meldung 6 "Über das Spannungsfeld Kulturförderung" der heutigen Landeskorrespondenz/I!).

So wie im Vorjahr wurde auch heuer anstelle vieler kleinerer Ehrungen ein gemeinsamer großer Abend, an dem die Preise und Stipendien überreicht werden, veranstaltet. "Alle ausgezeichneten Künstlerinnen und Künstler sollen damit gleichermaßen gewürdigt werden. Wir hoffen, damit auch für die Öffentlichkeit noch transparenter zu machen, welche großartigen künstlerischen Leistungen hier zu Lande vollbracht werden", so Dr. Raus.

Musikalisch umrahmt wurde der Abend vom Österreichischen Ensemble für Neue Musik und Ángela Tröndle/Siegmar Brecher.

Folgende Preise und Stipendien wurden vergeben:

Der Große Kunstpreis für Musik (15.000 Euro) geht an den gebürtigen Polen Boguslaw Schaeffer. Schaeffer, der als Vater der Neuen Musik in Polen gilt, lebt seit den 1980er Jahren in Salzburg und hat hier als Lehrer am Mozarteum viele junge Musikerinnen und Musiker inspiriert, ihre eigenen musikalischen Wege zu finden. Seine eigenen Werke sind "oft Meisterwerke an Klangraffinesse und haben hohen Gehalt an Atmosphäre", so die Begründung der Jury (Johannes Kalitzke, Heinz Rögl, Stefan Rosu).

Bildende Kunst

Das Jahresstipendium für Bildende Kunst (10.000 Euro) geht an die 1979 in Graz geborene Marianne Lang. Die junge Künstlerin lebt und arbeitet seit 1999 in Salzburg und hat hier an der Universität Mozarteum bei Prof. Dieter Kleinpeter studiert. Nach ihrem Studium der Malerei hat sich Marianne Lang intensiv mit anderen Medien auseinandergesetzt und zuletzt unter anderem Rauminstallationen und Videoarbeiten präsentiert. "Marianne Lang präsentiert interessante Ideen und Projekte, deren Realisierung mit dem Stipendium konzentriert vorangetrieben werden sollen."

Der Keramikpreis (5.000 Euro) geht an Kristiane Petersmann. Die Jury, bestehend aus Katja Miksovsky, Gerold Tusch und Peter Weiermair begründet ihre Entscheidung folgendermaßen: "Kristiane Petersmann gelingt es, in ihrer raumgreifenden Arbeit auf keramische Traditionen (wie barocke Tafelaufsätze, italienische Majoliken und die expressiven Keramiken der Wiener Werkstätte) ironisch  Bezug zu nehmen und somit eine formale wie inhaltliche Metaposition zu beziehen. Jenseits der Funktionalität der Vorbilder aus dem höfischen und bürgerlichen Bereich gelangt sie zu einer spielerischen Inszenierung."

Den Slavi-Soucek-Preis für Graphik (4.000 Euro) erhält für 2007 Marianne Manda. Die Jury (Wolfgang Eibl, Barbara Wally und Konrad Winter) würdigte die 1943 in Kempten/Allgäu geborene Marianna Manda für ihre vor allem vom arabischen Kulturkreis beeinflussten Arbeiten. Manda betreibt eine Radiowerkstatt in Salzburg, wo sie ca. sechs Monate des Jahres ihren Hauptwohnsitz hat. Die restliche Zeit lebt sie im Jemen. Ein weiterer Einflussbereich auf die Arbeit von Marianne Manda sind archäologische Grabungsstätten.

Das Jahresstipendium für Film (10.000 Euro) geht an Martin Hasenöhrl, geboren 1980 in Salzburg. Er beeindruckte die Jury (Reinhard Kriechbaum, Peter Six und Renate Wurm) unter anderem mit seinem Dokumentarfilm "KOPFBAHNHOF" und der eingereichten Kurzfassung seines Filmprojekts "SOPHIE". Hasenöhrl studierte in Salzburg Kommunikationswissenschaft und Politikwissenschaft und engagierte sich intensiv in der Salzburger Filmszene. Nach seinem Studienabschluss erhielt er einen der begehrten Post-Graduate-Studienplätze an der Kunsthochschule für Medien in Köln, wo er Ende November seine Diplomprüfung für Regie und Drehbuch ablegen wird. Das Jahresstipendium soll es ihm erleichtern, bei seiner Rückkehr nach Salzburg als Filmemacher Fuß zu fassen.

Der Landespreis für Kulturarbeit (3.700 Euro) geht an den Kulturverein m2 Kulturexpress Neukirchen. "Der Kulturverein m2 Kulturexpress leistet seit zwanzig Jahren nachhaltige und qualitätsvolle Kulturarbeit auf unterschiedlichen Ebenen. Gesellschaftskritisch engagiertes aber auch literarisch anspruchsvolles Theater, erfolgreiche Kulturvermittlung, Schaffung von Raum für die Auseinandersetzung mit Kunst und Kultur, Motivation der Bevölkerung zur Mitarbeit und aktiven Teilnahme an Kulturprojekten", so die Jury (Gerald Gröchenig, Heidemarie Klabacher und Walter Spielmann), die besonders die persönlichen Verdienste von Charly Rabanser hervorhob. 

Literatur

Das Jahresstipendium für Literatur (10.000 Euro) geht an Anna-Elisabeth Mayer. Die 1977 in Salzburg Geborene lebt und arbeitet derzeit in Leipzig und Wien. Auffallend war für die Jury (Eva Halus, Angelika Klammer, Fabjan Hafner) zunächst das Gefühl für Sprache und Form, das Anna-Elisabeth Mayer mitbringt. Ebenso gewürdigt wurde die "präzise, geschliffene Sprache mit klar sich abzeichnenden Formbewusstsein", dazu gehört unter anderem das Spiel mit verschiedenen zeitlichen Ebenen und den zentralen Motiven des Textes.

Der Rauriser Literaturpreis (7.500 Euro) ging heuer an Stefan Popp, geboren 1978 im deutschen Greifswald. Der in Dresden aufgewachsene und in Berlin lebende Autor überzeugte die Jury (Michaela Kopp-Marx, Kurt Neumann, Beatrice Stoll) mit seinem Roman "Ohrenberg oder der Weg dorthin": "Seine Romanexpedition ins deutsch-deutsche Grenzgebiet ist ein tollkühnes Pastiche, das ebenso durch seinen symbolischen Gehalt wie durch seine poetische Schönheit besticht." Der Rauriser Förderungspreis (3.650 Euro) geht an Robert Kleindienst. Der 1975 in Salzburg geborene Autor studierte Germanistik, Pädagogik und Politikwissenschaft. Er wurde für seinen Text "Aschenmeerschwein: Antikodex" geehrt. Die Jury, bestehend aus Christoph Janacs, Regina Pintar und Günter Stocker zeigte sich angetan von der "vielstimmigen Komposition und dem bewussten Umgang mit Intertextualität, die einen komplexen, aber keineswegs hermetischen Text erzeuge. Dieser lotet die Grenzen literarischer Darstellbarkeit aus".

Der Georg-Trakl-Preis für Lyrik (7.300 Euro) ging heuer an Franz Josef Czernin, geboren 1952 in Wien. Die Jury (Sybille Cramer, Karl Markus Gauß, Ferdinand Schmatz) würdigte damit Czernins dichterisches Werk, das ein "sich enzyklopädisch entfaltendes Schreibprojekt aus Dichtung, Prosa, Aphorismus und Essay" darstelle. "Es erweist sich als unnachgiebiger Versuch, Dichtung auf ihren Kern hin frei zu schreiben, in Form die Sprache reflektierender und gleichzeitig feiernder Pracht".

Der Georg-Trakl-Förderungspreis für Lyrik (3.000 Euro) geht an Lisa Mayer, geboren 1954 in Nassereith, Tirol. Ihre "schnörkellose Poesie" beeindruckt die Jury (Petra Dallinger, Christa Gürtler, Ludwig Hartinger) durch "die Spannung zwischen einer schlichten Sprache und einer Vieldeutigkeit der eigenwilligen Bildwelten".

Medien

Reinhold Binder und Robert Praxmarer erhalten 2007 den Landespreis für Medienkunst (10.000 Euro). In ihrer Urteilsbegründung befand die Jury (Gunter Reisinger, Gerfried Stocker, Wolfgang Strauss) das "1n0ut"-Projekt als "auszeichnungswürdiges Konzept zu medienkünstlerischen Verbindungen prozesshafter Ansätze in Literatur, Tanz und Computerkunst. Über die bis zum Systemabsturz verrechnete Multiplikation realräumlicher Bewegungen dreier Tänzer nähert sich das als performative Inszenierung eingereichte Stück Franz Kafkas 'Der Prozess'. Die Einbindung serieller - ebenfalls zunehmend komplexer - musikalischer Muster verstärkt die von den Künstlern angestrebte immersive Wirkung auf das Publikum".

Musik

Das Jahresstipendium für Musik teilen sich Ángela Tröndle und Hüseyin Evirgen (je 5.000 Euro). Tröndles Arbeiten und Konzepte auf dem Gebiet der improvisierten Musik beeindruckten die Jury durch originelle Klangsprache, musikalische Bandbreite und fundiertes handwerkliches Können. Text und Musik gehen bei ihr eine "wunderbare Symbiose" ein.

Hüseyin Evirgen, 1978 in Istanbul geboren, studierte zunächst ebendort Komposition und Klavier. Seit 1998 erhielt er ein Stipendium für die Internationale Sommerakademie des Mozarteum Salzburg. Seit 1999 studiert er auch im Mozarteum Salzburg Komposition. Seine, zum Teil auch elektroakustischen Kompositionen zeichnen sich durch die Vielseitigkeit seiner musikalischen Sprache aus. "Die musikalischen Parameter erfahren erstaunliche Metamorphosen zwischen Tradition und Moderne", so die Jury, bestehend aus Petra Hinterholzer, Renald Deppe und Hannes Eichmann.

Landespreise für Elektronische Musik "Elektronik Land" (je 1.500 Euro) gehen zu guter Letzt an: Hüseyin Evirgen, Oliver Johnson, Stephan A. Neumayer, Reinhard Rietsch, Gabriel Schönangerer und Martin Wöhrer. Sie alle konnten mit ihren originellen, ungewöhnlichen Soundkonzeptionen und Kompositionen die Jurymitglieder Bernhard Flieher, Markus Grüner und Gianni Stiletto beeindrucken. L243-115 

Franz Neumayr wird den Redaktionen für das Landespressebüro Fotos  anbieten.