Badearzt zwischen Wien und Gastein

Ulrike Kammerhofer-Aggermann auf den Spuren von Benedikt Hönig Edler von Hönigsberg/ Vortrag am 13. März um 19.00 Uhr
Salzburger Landeskorrespondenz, 06. March 2008

(LK)  Der Wiener Spitalsarzt und k.k. Rat Dr. Benedikt Hönig Edler von Hönigsberg (1813 bis 1877) verbrachte 20 Sommerhalbjahre von 1856 bis 1876 als "Badearzt und Ordinarius des Badehospitals" in Wildbad Gastein. Dem Leben und Wirken dieses Mannes ist ein Vortrag von Dr. Ulrike Kammerhofer-Aggermann, der Leiterin des Salzburger Landesinstitutes für Volkskunde, am Donnerstag, 13. März, um 19.00 Uhr, in der Abguss-Sammlung antiker Plastiken (Residenzplatz 1) gewidmet. Es handelt sich um eine Veranstaltung des Zentrums für Jüdische Kulturgeschichte der Universität Salzburg.

Bad Gastein war Mitte des 19. Jahrhunderts zwar als Heilbad bekannt, doch fehlte noch alles, was den Sehnsuchtsbegriff "Kurort" ausmacht. Hönigsberg begann die Ausgestaltung Gasteins zum Weltbad und - gemeinsam mit Justus von Liebig - die wissenschaftliche Erforschung des Heilwassers. Seine Erfolge führten Kaiser Wilhelm I. und Kaiser Franz Joseph I. sowie Spitzen der damaligen Politik und Gesellschaft nach Gastein. Hönigsbergs Pflicht war nicht nur die ärztliche Betreuung, sondern auch die gesellschaftliche Unterhaltung der Gäste im Badeschloss - etwa mit Hausmusik.

Hönigsberg gehörte der böhmischen Familie Hönig an, einer der zwölf tolerierten Hofjuden. Die Familie brachte einige tüchtige und innovative Personen hervor, doch nur wenige erwarben sich langfristig Reichtümer. Während Benedikts Urgroßvater Israel Hönig, er war Tabakpächter, Großhändler und Direktor der Tabakregie, 1789 als erster Jude geadelt worden war, konvertierte Benedikt 1848 zum Katholizismus. Während der 1848er-Aufstände zeigte er sich regimetreu als Lazarettarzt und engagierte sich weder für Juden noch sozialistische Interessen wie andere in seiner Familie. Der Posten in Gastein kann auch als Versuch des Konvertiten angesehen werden, die - trotz der Gleichheitsgrundsätze (1781/82) ungleichen - Karrieremöglichkeiten zu verbessern.

Sein Leben lässt sich heute aus wenigen Dokumenten und Zeitungsartikeln erschließen. Zu Lebzeiten mit zahlreichen in- und ausländischen Ehrungen und Auszeichnungen bedacht und zum Ehrenbürger ernannt, ist er heute weitgehend vergessen. m47-21