Salzburger Höhepunkte

Neuvermessung der höchsten Erhebungen der Gemeinden birgt manche Überraschung
Salzburger Landeskorrespondenz, 04. June 2014

(LK)  Warum einige Heimatbücher und Gemeinde-Websites umgeschrieben werden müssen, warum dem Großvenediger mehr als 26 Höhenmeter abhanden kommen, wer alle 119 Salzburger Gemeindegipfel besteigen will und wo man diese zentimetergenau per Mausklick erklimmen kann, verrät ein aktueller Grenzfall, der heute, Mittwoch, 4. Juni, auf www.salzburg.at, der Plattform für die Europaregion, veröffentlicht wurde.

Die Bergsteigerlegende Reinhold Messner hat sie alle erklommen, auch Gerlinde Kaltenbrunner ist es gelungen, alle 14 Achttausender dieser Welt zu besteigen. Eines hat jedoch bislang noch kein Bergsteiger geschafft: einmal auf den höchsten Erhebungen jeder der 119 Salzburger Gemeinden gestanden zu sein. Spätestens im Mai 2015 wird es allerdings soweit sein: Denn dann ist ein Projekt der Betriebssportsektion Bergsport der Landesbediensteten abgeschlossen, das sich die Besteigung der höchsten Erhebungen jeder Salzburger Gemeinde zum Ziel setzt, wobei der Gruppengedanke im Vordergrund steht. Es geht weniger darum, dass eine/r alle "Summits" erreicht, sondern, dass alle erreicht werden. Abgesehen von der alpinistischen Herausforderung, im Flachgau selbst für Hobbywanderer keine unlösbare Aufgabe, musste für das Vorhaben eine vermessungstechnische Nuss geknackt werden. Denn es ist nicht immer davon auszugehen, dass der traditionell höchste Punkt einer Gemeinde auch tatsächlich deren "Höhepunkt" ist.

"Während in den Gebirgsgauen dieser Umstand mit relativ einfachen Mitteln auf Basis der vorhandenen Karten geklärt werden konnte, war dies in den flacheren Gemeinden des Alpenvorlandes nicht mehr ganz so eindeutig", erklärt Mag. Gabriel Seitlinger, Projektleiter für diese Untersuchung in der Abteilung für Raumplanung und SAGIS. "So waren nach den ersten Annäherungen aus der Österreichischen Karte 1:50.000 des Bundesamtes für Eich- und Vermessungswesen und dem 25-Meter-Geländemodell für Bürmoos und Elixhausen jeweils vier beziehungsweise sechs Punkte mehr oder weniger gleich hoch, und es konnte die exakte Höhe nur im letzten Annäherungsverfahren aus den Airborne Laserscan-Daten (ALS) mit Sicherheit festgestellt werden."

Messen vom Flugzeug aus

Mit der Airborne Laserscantechnologie wird von einem mit Kameras ausgestatteten Flugzeug die Erdoberfläche mit Laser abgetastet. Das Resultat ist eine Punktwolke, die aus der Entfernung zwischen Aufnahmeflughöhe und den von der Erdoberfläche reflektierten Strahlen eine äußerst präzise Höheninformation liefert. So genau, dass nun der höchste Punkt der Gemeinde Mühlbach auf dem Gipfelplateau des Hochkönigs mit 2.940 Metern und 84 Zentimetern um einen Zentimeter höher als jener der Nachbargemeinde Werfen verortet wurde. Die Abweichung zur Österreichischen Karte beträgt hier nur läppische 20 Zentimeter.

Neuvermessung ließ Großvenediger schrumpfen

Anders bei Salzburgs höchstem Berg, dem Großvenediger, gleichzeitig höchster Punkt der Gemeinde Neukirchen, die den Berg stolz – und zu Recht – im Namen trägt. Allerdings schrumpfte der Großvenediger durch die Laservermessung ganz ordentlich: 3.657,6 Meter ergab das ALS-Verfahren im Gegensatz von den bisher kartografisch offiziellen 3.674 Metern. Immerhin noch mehr als einhundert Meter über Salzburgs Nummer zwei, dem Wiesbachhorn, das als Grenzberg den höchsten Punkt von Fusch und Kaprun bildet. Pinzgauer Gemeinderiesen bilden die Top 6 der Gemeindeliste, dann folgen mit dem Ankogel in Bad Gastein ein Pongauer Gemeindespitz und noch unter den Top Ten der Große Hafner im Lungau. Punktlandungen schaffen in Bad Hofgastein der Silberpfennig mit exakt 2.600, der Hallwanger Heuberg mit 900 und der Buchberg in Mattsee mit 800 Metern. Die Stadtsalzburger dominieren auf dem Gaisberggipfel die Koppler Nachbarn um bescheidene 20 Zentimeter. Der tiefstgelegene Gemeinde"summit" ist in Oberndorf bei Maria Bühel mit 445,3 Metern zu finden.

Umlernen in Viehhofen und Wald

Die Laser-Vermessung brachte zutage, dass Generationen von Volksschulkindern irrtümlicherweise falsche höchste Gipfel ihres Gemeindegebietes auswendig lernen mussten. So wird auf der Viehhofener Gemeinde-Website der Geißstein mit 2.363 Metern als höchster Punkt geführt. Doch ist dies eine "Eingemeindung", die nicht den tatsächlichen Gemeindegrenzen entspricht, der Geißstein liegt an der Gemeindegrenze von Saalbach und Stuhlfelden, der Gipfel zudem im Tiroler Ort Jochberg. Viehhofener Höhepunkt ist der Obere Gernkogel mit 2.175 Metern Höhe an der südlichen Gemeindegrenze zu Piesendorf. Auch die Bewohner von Wald im Pinzgau müssen sich an einen neuen höchsten Gemeindegipfel gewöhnen. Statt des Westlichen Salzachgeiers ist nun der mit 2.470 Metern um 38 Zentimeter höher gemessene Ochsenkopf die höchste Erhebung.

Besteigung per Mausklick

Die erhobenen Daten liegen im SAGIS-Datenbestand als Gipfelpunkte (Salzburg Summits) vor und können im SAGISonline, dem kostenlosen Geodatenviewer des Landes Salzburg unter www.salzburg.gv.at/landkarten im Themeneinstieg Allgemein, Themengruppe Freizeit und Kultur, abgerufen werden. Dazu "Salzburg Summits – Gipfel" anhaken, in der Symbolgruppe oben das "i"-Zeichen auswählen und im Dropdownfeld rechts nochmals Salzburg Summits auswählen. Der gewünschte Gipfel kann jetzt ausgewählt werden, indem man ein Fenster über dem roten X aufzieht. Ein Infokasten unten gibt Auskunft über Name, Lage und Höhe der jeweils höchsten Gemeindeerhebung. In einer weiteren Ausbaustufe wird der Service mit Tourenberichten, Fotos und Kartenmaterial erweitert und verlinkt werden. s117-60b