Big Brother im Stall: Handy-App statt Dr. Dolittle

LFS Tamsweg testet modernes Überwachungssystem für Kühe / Gesundheitsdaten in Echtzeit
Salzburger Landeskorrespondenz, 03. February 2020

(LK)  Dr. Dolittle war gestern. Heute gibt es eine App, die den Gesundheitszustand der Kühe direkt auf dem Handy anzeigt. Diesen „Big Brother im Stall“ testen gerade die Schülerinnen und Schüler der Landwirtschaftsschule Tamsweg. Sie sind damit in Salzburg Vorreiter in Sachen Landwirtschaft 4.0.

Als „revolutionäres Kuh-Versteh-System“ bewerben die Hersteller ihre SmaXtec genannte Entwicklung. Mit der App werden wichtige Gesundheitsdaten der Tiere wie die innere Körpertemperatur und die Bewegungsaktivität rund um die Uhr gemessen und aufs Smartphone geschickt.

Die Gesundheit der Kuh auf das Handy des Bauern

„Dadurch können Krankheiten früher erkannt werden. Der Heilungsprozess kann früher eingeleitet werden, und somit kann die Kuh auch rasch wieder gemolken werden“, erklärt Agrarlandesrat Josef Schwaiger. „Das ist vor allem gut für die Tiergesundheit, und der Betrieb kann zudem den wirtschaftlichen Schaden gering halten. Mir ist aber auch wichtig, dass die Schülerinnen und Schüler unserer Landwirtschaftsschulen die modernsten Technologien kennenlernen und diese vielleicht am eigenen Hof professionell anwenden können“, sagt Schwaiger.

Schüler sind begeistert: „Daten immer und überall dabei“

Auch die Schüler sind begeistert: „Vor allem für Nebenerwerbsbetriebe kann das hilfreich sein. Durch die frühe Erkennung von Krankheiten können Behandlungskosten beim Tierarzt gespart werden, und die Kühe bleiben gesund und leistungsfähig“, kennt sich der 15-jährige Florian Sigl aus dem obersteirischen Bezirk Murau schon bestens aus. Und sein 16-jähriger Klassenkollege Stefan Miedl, ebenfalls aus der Region, ergänzt: „Die Daten kann man immer und überall mit Internetzugang auf dem Handy abrufen.“

Früherkennung ermöglicht rasche Genesung

Bis zu vier Tage bevor klinische Symptome sichtbar werden, erkennt die App eine sich anbahnende Krankheit. Dank dieser Früherkennung kann die Kuh mit schwächerer Medikation behandelt werden. Im besten Fall entfällt dadurch auch die gesetzlich vorgeschriebene Wartezeit zur Milchproduktion nach der Krankheit. „Im Vordergrund steht bei dieser Innovation aber immer die Gesundheit der Tiere“, betont Schwaiger.

Datenmessung rund um die Uhr direkt in der Kuh

Aber die App analysiert nicht nur den Gesundheitszustand der Kühe. Auch über Brunst und über bevorstehendes Kalben wird man frühzeitig informiert. Dafür sorgt ein sogenannter Bolus. Dieser wird den Kühen in den Pansen, den größten der drei Vormägen, eingegeben. Die zylinderförmige Keramikhülle mit einer Länge von zirka zehn Zentimeter wird für vier Jahre geleast und misst rund um die Uhr die wichtigsten Parameter an der sichersten und genauesten Stelle ohne äußere Einflüsse. Die Daten werden an ein Messgerät, das im Stall angebracht wird, übermittelt und über WLAN auf das Smartphone übertragen. Den Bolus kann der Bauer seiner Kuh durch das Maul wie ein Medikament verabreichen. Mit einem zweiten Bolus kann zusätzlich der pH-Wert gemessen und dadurch die Fütterung optimiert werden.

Lungauer sind Salzburgs Vorreiter

Seit einer Woche läuft nun der Testbetrieb in der Landwirtschaftlichen Fachschule (LFS) Tamsweg. Zehn Rinder tragen den Bolus in sich. Die Lungauer sind damit im Bundesland Vorreiter. Angewendet wird die App derzeit in einigen Landwirtschaftsschulen in Niederösterreich, in Tirol und der Steiermark. „Die Anwendung des Systems wird sicher spannend für unseren Lehrbetrieb“, freut sich Barbara Mauser, Tierhaltungslehrerin an der LFS Tamsweg, „vor allem ist es ein Gewinn für die Schülerinnen und Schüler, die diese moderne Form des Herdenmanagements kennenlernen dürfen.“ LK_200203_51 (grs/mel)

Medienrückfragen: Martin Wautischer, Büro Landesrat Josef Schwaiger, Tel.: +43 662 8042-2700, Mobil: +43 664 3122368, E-Mail: martin.wautischer@salzburg.gv.at

Redaktion: Landes-Medienzentrum