Salzburg ist von der Klimaerwärmung besonders stark betroffen

Interview mit Physiker Wolfram Summerer vom Land Salzburg
Salzburger Landeskorrespondenz, 05. February 2020

(LK) Wetter. Treffen. Zusammen ein Wettertreff. Jener der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) behandelt am heutigen Mittwoch das Thema Klimawandel. Experten diskutierten mit Interessierten. „Wir in Salzburg gehen hier einen klaren, effektiven Weg. Mit der Klima- und Energiestrategie SALZBURG 2050 haben wir uns ehrgeizige, aber machbare Ziele gesetzt. Aufgrund unserer Lage im Alpenraum, der vom Klimawandel besonders betroffen ist, bedarf es in Salzburg verstärkter Maßnahmen. Deshalb müssen wir unsere Anstrengungen bündeln und intensivieren“, so Landeshauptmann-Stellvertreter Heinrich Schellhorn. Das bestätigt auch Physiker Wolfram Summerer, Experte des Landes Salzburg.

„Unsere Klimaexperten arbeiten eng mit jenen der ZAMG zusammen, einem unserer SALZBURG 2050 Partner. In Zehn-Jahresschritten wollen wir uns dem Ziel nähern, energieautonom, klimaneutral und nachhaltig zu sein. Beim Wettertreff heute in Freisaal wurde wieder deutlich, dass dringender Handlungsbedarf besteht“, unterstreicht Landeshauptmann-Stellvertreter Heinrich Schellhorn.

Klimaexperte: „Noch können wir die Kurve kriegen.“

Zusammen mit Bernhard Niedermoser (ZAMG) hat Wolfram Summerer spannende Fragen beim Wettertreff beantwortet. Im Gespräch mit dem Landes-Medienzentrum (LMZ) beschreibt der Physiker und Koordinator von SALZBURG 2050 mit einem Bild, wie es dem Klimaschutz bei uns geht: „Noch können wir die Kurve kriegen, aber wir müssen jetzt einlenken.“

LMZ: Es gibt den Klimawandel, da ist sich die Wissenschaft einig. Wie sehr (be)trifft er Salzburg? Oder leben wir noch im „gelobten“ Land?

Summerer: Wir haben weltweit einen messbaren Temperaturanstieg, der auf das menschliche Handeln, vor allem auf das Verbrennen fossiler Energieträger zurückzuführen ist. In Salzburg sind wir noch stärker betroffen als der weltweite Durchschnitt. Bei uns im Alpenraum gibt es im Vergleich zur vorindustriellen Zeit einen durchschnittlichen Temperaturanstieg von bereits 2 Grad Celsius. Weltweit liegen wir bei einem Anstieg von etwas mehr als 1 Grad Celsius.

LMZ: Wie spüren wir das hier in Salzburg?

Summerer: Das spürt jeder. Den Hitzesommer 2018 haben wir noch gut in Erinnerung, die Häufung der Trockenperioden und die damit verbundene Wasserknappheit. Im Flachgau zum Beispiel mussten einzelne Gemeinden mit Tankwagen versorgt werden, das ist neu. Auch andere extreme Wettereignisse nehmen in ihrer Häufigkeit und Stärke zu. Vergangenes Jahr enorm viel Schnee, heuer eher wenig, dazu Hochwasser und Muren. 2002 und 2013 waren Jahrhunderthochwasser-Ereignisse innerhalb kurzer Zeit. Einzelereignisse muss man auch so betrachten, da gibt es jedoch ein aber: Der Trend geht eindeutig in Richtung Temperaturzunahme und die damit verbundenen Folgen.

LMZ: Kann uns das jetzt – provokant gefragt - egal sein, betrifft es „nur“ nachkommende Generationen?

Summerer: Unsere Kinder und Enkel sind tatsächlich viel stärker betroffen als wir selber. Egal kann es uns jedenfalls nicht sein. Bis 2050 werden sich zwar die Folgen zumindest in Salzburg halbwegs in Grenzen halten, nur bis dahin ist auch unser Handlungsspielraum, um das Steuer noch herumzureißen. Wenn wir jetzt massiv Klimaschutz betreiben, die Kurve noch bekommen, schaut es für uns und alle Nachkommen weitaus besser aus, als wenn wir jetzt nichts tun.

LMZ: Die Klima- und Energiestrategie SALZBURG 2050 setzt genau da an?

Summerer: Diese Strategie - energieautonom, klimaneutral und nachhaltig bis 2050 – leitet sich aus dem Pariser Abkommen und den EU-Zielen ab. Es ist kein Alleingang, sondern auf das Bundesland Salzburg, unseren Verantwortungsbereich, heruntergebrochen. Alle zehn Jahre gibt es Zwischenziele, da arbeiten wir gerade im Auftrag der Landesregierung am Umsetzungsprogramm bis 2030. Die Kernsektoren sind Verkehr, Gebäude und Energie, wo am meisten CO2-Emmissionen verursacht werden. Beispiele sind der massive Ausbau des öffentlichen Verkehrs und die Elektrifizierung des Individualverkehrs. Der Austausch von Ölheizungen gegen erneuerbare Energieformen gehört ebenfalls dazu.

LMZ: Es gibt die üblichen Verdächtigen bei den Gegenargumenten. Das erste: Was sollen wir alleine schon ausrichten?

Summerer: Das kommt oft. Allerdings können es die Weltgemeinschaft und wir als industrialisiertes Land nur schaffen, wenn alle zusammen an einem Strang ziehen. Wenn nicht wir, wer dann? In Europa beziehungsweise in Salzburg sind wir die, die es in der Hand haben und den Weg vorzeigen können. Es ist auch eine wirtschaftliche Frage. Besser jetzt Entscheidungen treffen und in den Klimaschutz investieren, als später mit den sehr hohen Folgekosten kämpfen.

LMZ: Noch ein Standardsatz – „aber, aber die anderen…“

Summerer: Wir haben es natürlich nicht in der Hand, was China und die USA machen. Aber: Wir sollten uns als kleines Bundesland einen Wettbewerbsvorteil schaffen. Auch die gesellschaftliche Dynamik ist wohl nicht mehr aufzuhalten. Der öffentliche Druck nimmt zu. Deshalb lieber nicht darauf berufen, dass andere (noch) nicht mitziehen. 

LMZ: Bei der E-Mobilität heißt es oft „sie schadet mehr als sie nützt“

Summerer: Die E-Mobilität ist natürlich kein Allheilmittel, aber ein Schritt in die richtige Richtung. Sie ist insgesamt energieeffizienter und CO2-sparender. Der Fokus muss aber auf dem öffentlichen Verkehr liegen und auf der Vermeidung von Individualfahrten. Und wenn diese unvermeidbar sind, dann bitte elektrisch. INT_200105_70 (mel/kg)

Medienrückfragen: Johanna Jenner, Büro LH-Stv. Heinrich Schellhorn, Tel.: +43 662 8042-4841, Mobil: +43 664 8565718, E-Mail: johanna.jenner@salzburg.gv.at

Redaktion: Melanie Hutter/Landes-Medienzentrum