Polizeichroniken als geologische Schatzkisten

Wertvolle Daten für die Lawinen- und Hochwasserschutzbauten aus allen Bezirken
Salzburger Landeskorrespondenz, 12. March 2020

(LK)  Die Polizeiinspektion Tamsweg hat in ihrem Keller wahre Schätze aufbewahrt: Die Polizeichroniken des Lungaus. Sie geben nicht nur Aufschluss über sämtliche Ereignisse der Vergangenheit wie Unfälle, Morde und dergleichen, sondern auch über Umweltkatastrophen, Lawinen oder Hochwasser. „Diese Daten sind äußerst hilfreich für die Planung von Schutzbauten“, so Landesrat Josef Schwaiger.

 

Ein Wilderer, der vor rund 100 Jahren einen Polizisten mit einem Ast erschlagen hat. Oder ein Betrüger, der viele in Tamsweg in den 1950er Jahren um mehrere 100.000 Schilling erleichtert hat. Nicht nur solche Beispiele polizeilich relevanter Vorfälle sind in den Chroniken, die bis in das Jahr 1860 zurückreichen, zu finden. Auch extreme Naturereignisse sind akribisch vermerkt, was hilfreich bei künftigen Einschätzungen sein kann.

 

Lawinen, Muren, Überschwemmungen dokumentiert

Diese Daten sind für die Geologen des Landes Salzburg eine wahre Fundgrube. „Die Polizeiaufzeichnungen enthalten Informationen über den Ort, den Zeitpunkt und das Ausmaß eines Schadens“, so Geologin Aurelia Liegler, die während ihres Praktikums beim Land Salzburg begonnen hat, die Chroniken nach Naturereignissen zu durchforsten.

Schwaiger: „Daten aus den Archiven fließen ins SAGIS.“

Dass die Reise in die Vergangenheit beim Schutz für die Zukunft helfen kann, das bestätigt auch Landesrat Josef Schwaiger: „Ich bin der Polizei sehr dankbar für diese Kooperation. Die Archive decken die neuralgischen Punkte – jetzt in allen Bezirken – auf. Das unterstützt uns bei der Planung der Schutzbauten. Dass die Daten hausintern durch SAGIS dann verarbeitet und aufbereitet werden, ist ein großer Vorteil.“

Daten aus allen Bezirken

Die Inhalte der handschriftlichen Chroniken wurden in den Ereigniskataster des Landes, ins SAGIS (Salzburger Geologische Informationssystem) eingespeist. „Diese Daten liegen uns nun aus allen Bezirken vor, nach und nach wurden in den vergangenen drei Jahren die alten Dokumente durchforstet“, so Ludwig Fegerl, Geologe beim Land Salzburg. Und er sagt weiter: „Sie dokumentieren geologische und hydrologische Gefahrenstellen. Diese Dokumentationen sind für uns wesentliche Quellen von Wissen und dienen als Grundlagen für Risikoanalysen bzw. können auch äußerst wertvoll und hilfreich sein, wenn man beispielsweise Schutzbauten dimensioniert.“

Chroniken sind bestens behütet

„Die Chroniken haben sich schon öfter als Schatz erwiesen, sei es für Forscher, Historiker oder nun eben auch die Geologen des Landes“, betont auch Felix Gautsch, Bezirkspolizeikommandant von Tamsweg, der die Chroniken hütet, wie seinen Augapfel. Und er erzählt: „Bis 2005 war es verpflichtend, dass diese von allen Polizeistellen geführt wurden, im Zeitalter des Computers wurde diese Verpflichtung dann außer Kraft gesetzt. Das ist schade, auch wenn es neben der polizeilichen Tätigkeit viel Arbeit ist, sie zu befüllen, beinhalten sie doch wertvolle Informationen von gestern, für unser heute und für unser morgen“, ist der Bezirkskommandant überzeugt.

Chroniken werden in LPD digitalisiert

„In der Landespolizeidirektion Salzburg werden nun schrittweise die Chroniken digitalisiert. Es handelt sich um einzigartige zeithistorische Dokumente. Dieses Wissen soll auch für die Polizei erhalten bleiben,“ sagt Joachim Steinlechner, Historiker und Leiter des Fachzirkels im Bundesministerium für Inneres. REP_200310_10 (ram/mel).

Medienrückfragen: Michael Rausch, Büro Landesrat Josef Schwaiger, Tel.: +43 662 8042-2700, Mobil: +43 664 2640444, E-Mail: michael.rausch@salzburg.gv.at

Redaktion: Landes-Medienzentrum