Der Lungau räumt auf und baut schon wieder

Sechs Monate nach den extremen Unwettern / Interview mit Bezirkshauptfrau Michaela Rohrmoser
Salzburger Landeskorrespondenz, 08. May 2020

(LK)  Bereits nach nicht einmal einem halben Jahr nach der Unwetterkatastrophe mit Schnee, starken Regenfällen und Sturm im November 2019 zieht man im Lungau nun Bilanz: Ein Großteil der Schäden ist behoben, der überwiegende Teil der vermurten landwirtschaftlichen Flächen und Wege kann wieder genutzt werden. Der Blick ist nach vorne gerichtet: „Wir arbeiten schon intensiv an den Schutzbauten, wie zum Beispiel seit Jänner am Noissgraben“, sagt die Lungauer Bezirkshauptfrau Michaela Rohrmoser.

Lungau im November 2019: tagelange Straßensperren, Stromausfälle, enorme Waldschäden, Muren- und Lawinenabgänge, großflächige Überschwemmungen. Im Noissgraben in der Gemeinde Muhr geht eine riesige Schlammlawine ab, zum Glück kommen keine Personen zu Schaden. Lungau im Frühjahr 2020: Die Arbeiten an den Schutzbauwerken am Noissgraben im Auftrag und unter der technischen Betreuung der Wildbach- und Lawinenverbauung sind schon weit fortgeschritten. Der Felskopf wird abgetragen, das gewonnene Steingut wird für den Bau der Schutzmauer verwendet, Steinschlagnetze werden errichtet. Rund zehn Wohnobjekte und die L211 Muhrer Landesstraße werden damit vor Erdrutschen, Lawinen und Steinschlag bestmöglich geschützt.

Zusammenhalt im ganzen Bezirk

Das Landes-Medienzentrum (LMZ) sprach mit der Lungauer Bezirkshauptfrau Michaela Rohrmoser, die einen Überblick über den Bezirk gibt.

LMZ: Im Lungau kommt man mit den Aufräumarbeiten gut voran?

Rohrmoser: Wir arbeiten quasi schon seit dem Tag der Unwetterkatastrophe an der Beseitigung der Schäden. Die Einsatzkräfte konnten noch vor Weihnachten die Infrastruktur im Bezirk wieder einigermaßen herstellen. Und schon vor dem Jahreswechsel wurden die Schadensaufnahmen begonnen. So schafften wir die Grundlagen für eine rasche und gezielte Sanierung im heurigen Frühjahr.

LMZ: Was sind jetzt noch die größten Brocken?

Rohrmoser: Derzeit liegt unser Augenmerk bei der Schadenserhebung und -beseitigung in den höher gelegenen Gebieten. Diese können wir erst jetzt, nach der Schneeschmelze, begutachten. Da geht es um Verklausungen von Gräben, Erdrutsche, Waldschäden, Schäden an technischen Schutzbauten und Weganlagen. Wir ersuchen hier auch die Grundeigentümer, Schäden zu melden. Damit erhalten wir schnell einen Überblick und können umso früher mit Räumung und Sicherung fortsetzen.

LMZ: Wo treten die größten Herausforderungen auf?

Rohrmoser: Das größte Problem ist der Borkenkäfer. Das trockene Wetter half zwar einerseits bei den Aufräumarbeiten. Die Waldbesitzer nutzten die schneearmen und relativ milden Wintermonate für eine umfangreiche und rasche Aufarbeitung des Schadholzes. Andererseits begünstigt die Trockenheit die Verbreitung des Schädlings. Und der Abtransport des Holzes stockt – zum einen wegen der jahreszeitbedingten Sperren der Forststraßen und zum anderen, da die Lieferung in eines unserer größten Abnehmerländer, Italien, derzeit natürlich aufgrund der Corona-Situation nicht möglich ist. Laut Forstdienst der Bezirkshauptmannschaft Tamsweg wurden im vergangenen Winter durch die Unwetterereignisse im Lungau zirka 110.000 Erntefestmeter Holz geworfen oder beschädigt.

LMZ: Die rasche Aufarbeitung war auch ein Verdienst der Lungauer und aller Organisationen?

Rohrmoser: Absolut. Alle haben zusammengeholfen: Blaulichtorganisationen, Bundesheer, Gemeinden, Wildbach- und Lawinenverbauung, Landesdienststellen, Straßenverwaltung, Weggenossenschaften, Versorgungseinrichtungen, private Betriebe und alle freiwilligen Helferinnen und Helfer der Nachbarschaftshilfe. Nur durch diesen Zusammenhalt während und nach diesen Unwetterereignissen konnten noch größere Schäden verhindert und bald wieder eine hohe Sicherheit für die Bevölkerung hergestellt werden. INT_200508_51 (grs/mel)

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