Fliegende Detektive über Katastrophengebieten

Drohne liefert wichtige Informationen über Ausmaß von Schäden / Testflug im Pinzgau / Pilot des Landes mit viel Gespür
Salzburger Landeskorrespondenz, 19. May 2020

(LK)  Ein leises Surren ist zu hören, wenn die Kameradrohne vom Boden abhebt und rasch in Richtung der steilen Hänge in Fusch an der Glocknerstraße fliegt, um Unwetterschäden aufzuspüren. Die vergangenen Extremwetterlagen haben unter anderem auch Regionen im Pinzgau stark in Mitleidenschaft gezogen: Muren- und Lawinenabgänge, großflächige Überschwemmungen, enorme Waldschäden und verschüttete Straßen. „Aus der Luft bekommt man den besten Überblick“, sagt Landesrat Josef Schwaiger heute beim Drohnen-Rundflug zur Schadenserhebung, und er fügt hinzu: „Sie liefert dem Katastrophenschutzfonds wertvolle Informationen.“

 

„Diese Befliegung wird in Salzburg auch unmittelbar nach Unwetter- und Katastrophenereignissen wie letztes Jahr in Uttendorf zur Erfassung des Schadensausmaßes eingesetzt. Damit kann man auch schnell feststellen, ob noch weitere Gefahr droht. Diese Möglichkeiten waren vor einigen Jahren noch unvorstellbar. Jetzt ist diese Technologie für uns selbstverständlich geworden“, betont Landesrat Schwaiger.

Wildbachbegehung 2.0

Im Frühjahr werden im ganzen Bundesland, wie heute in der Gemeinde Fusch, die Wildbachüberprüfungen durchgeführt. „Jetzt mit Hilfe der Drohne des Landes ist es eine Begehung 2.0. Sie kann besonders effizient erledigt werden, nicht jede Gefahrenstelle muss von einer ganzen Kommission besucht werden. Das ist eine große Erleichterung für uns“, sagt Hannes Schernthaner, Bürgermeister von Fusch. „Dort, wo man zu Fuß nicht hinkommt, ist es für die Drohne ein leichtes. Ein sehr wertvolles Instrument in der Arbeit des Katastrophenfonds“, so Schwaiger.

Gemeinde Fusch: Weideflächen großflächig vermurt

Alleine in der Gemeinde Fusch wurden nach den Unwettern im Herbst insgesamt 36 Schadensanträge mit 17. und 18. November 2019 abgegeben. Betroffen sind vor allem Weideflächen, die vermurt oder mit Steinen überschüttet wurden. Bei der heutigen Befliegung wurden die kritischen Bachläufe und Hänge auf Schäden und Gefahrenstellen untersucht.

Drohneneinsätze werden immer mehr

Beim Land Salzburg werden derzeit zwei Drohnen eingesetzt: eine zur Vermessung und die andere zur Erstellung von Videos und Schrägluftbildern. „Die Vermessungsdrohne wird genutzt, um Luftbilder sowie 3D-Modelle zu erstellen, die bis zu drei Zentimeter genau sind. Die Videodrohne, die heute in Fusch im Einsatz ist, macht hochauflösende Fotos, auf denen Gefahrenstellen und Schäden sehr genau erkennbar sind“, sagt Martin Lausenhammer, der Pilot des Landes mit viel Gespür für Gerät sowie Gelände, und er ergänzt: „Im vergangenen Jahr konnte ich so nach dem Murenabgang in Uttendorf bereits am darauffolgenden Tag eine detaillierte Analyse der Schäden machen und feststellen, ob weitere Gefahr droht.“

Anfragen für Drohneneinsätze steigen

„Die Anfragen für Drohneneinsätze steigen“, weiß Lausenhammer, oder wie es offiziell heißt: Fernpilot. Und er erklärt: „Beide Drohnen sind Schönwetter-Systeme. Das heißt: Bei zu starkem Wind und Regen können sie nicht eingesetzt werden. Auch die Temperaturen spielen eine große Rolle. Ab minus fünf Grad wirkt sich das ungünstig auf die Akkulaufzeit aus.“

Immer das Fluggerät im Auge behalten

Die Drohnen des Landes wiegen weniger als fünf Kilogramm und dürfen daher laut aktueller Gesetzeslage nicht höher als 150 Meter über Grund und nicht weiter als 500 Meter vom Piloten entfernt eingesetzt werden. Der Sichtkontakt muss gewahrt sein. Mit Jänner 2021 soll eine EU-weite Drohnenverordnung in Kraft treten.

Extreme Unwetterschäden im Jahr 2019

„Bisher sind für das Jahr 2019 3.354 Fälle beim Katastrophenfonds eingelangt. Das sind mehr als im Hochwasserjahr 2013, damals waren es 3.175. Darunter waren 1.935 Schneedruck-Schäden, 969 Erdrutsche und Vermurungen, 222 Lawinen, 198 Hochwasserschäden, 17 Orkane, neun Bergstürze, drei Schäden durch Dürre und einmal Hagel. Alleine an den Tagen von 12. bis 18. November 2019 gab es so viele Geschädigte wie in einem annähernd ‚normalen‘ Katastrophenjahr“, berichtet Landesrat Schwaiger. 2019 wurden 10,6 Millionen Euro an Beihilfen aus dem Katastrophenschutzfonds ausbezahlt. Darin enthalten sind auch Auszahlungen für Fälle vor 2019. Heuer ist mit mindestens derselben Summe zu rechnen. LK_200519_30 (grs/mw/mel)

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Redaktion: Landes-Medienzentrum