Ausschließlich heimische Bieter im Rennen um Salzburgs Frauenhäuser

Betroffene stehen im Vordergrund / Erstmals flächendeckendes Gewaltschutzkonzept geplant
Salzburger Landeskorrespondenz, 25. June 2020

(HP)  Die Einreichphase der europaweiten Ausschreibung für Salzburgs Frauenhäuser ist abgeschlossen. Die Bieter, allesamt anerkannte gemeinnützige Vereine und Organisationen aus dem Sozialbereich, kommen ausschließlich aus Österreich. „Auch alle bestehenden Träger waren eingeladen, an der Ausschreibung teilzunehmen. Eine Expertenkommission prüft nun die Eignung, anschließend beginnt die zweite Phase der Ausschreibung. Diese umfasst die Konzepterstellung und die Bewertung der Angebote“, so Landesrätin Andrea Klambauer zum weiteren Zeitplan.

„Für mich standen immer die betroffenen Frauen im Vordergrund und nicht die Institutionen. Das jetzige Konzept reicht in die 1980er Jahre zurück und ist nicht mehr zeitgemäß. Man hat sich etwa nie gefragt, ob die Förderung wirklich bestmöglich den Gewaltopfern zu Gute kommt. Umso wichtiger ist ein Konzept, das ein flächendeckendes, qualitätsvolles und flexibles Angebot schafft, bei voller Klarheit vom Mitteleinsatz bis hin zu den erbrachten Leistungen für die Betroffenen. Mit der Umstellung auf einen öffentlichen Auftrag besteht erstmals ein klar definierter Leistungsanspruch für beide Seiten“, unterstreicht Landesrätin Andrea Klambauer.

Flächendeckendes Gewaltschutzkonzept fehlte

In der Vergangenheit wurde bereits mehrmals ein Konzept für die Salzburger Frauenhäuser entwickelt. Die Ideen reichen über zehn Jahre zurück, umgesetzt wurden diese Pläne allerdings nie. Ein flächendeckendes Gewaltschutzangebot für Frauen und Kinder fehlte. „Das Gefährdungspotenzial liegt in Salzburg nicht höher als in anderen Bundesländern, dennoch liegt die Unterbringungsdauer in Salzburgs Frauenhäusern deutlich über dem Bundesdurchschnitt. Dazu fehlen Übergangswohnungen, die weniger betreuungsintensiv sind und den Übergang in ein selbstständiges Leben ermöglichen“, erläutert Klambauer. Während in Salzburg kostenintensive Dauerplätze leer stehen, fehlt aus ihrer Sicht für die Betreuung und Beratung ein kurzfristig verfügbares, flächendeckendes Angebot. „Eine begleitende Evaluierung zum Mitteleinsatz gab es bis dato nicht, nicht einmal die soziografischen Daten der Gewaltopfer wurden systematisch erfasst“, weiß die Landesrätin.

Thema Gewaltschutz stagnierte

Frustrierend war laut Klambauer die Situation auch für die Einrichtungen selber. Neben einer fehlenden Weiterentwicklung und Evaluierung blieb auch die finanzielle Situation vage. Statt eines öffentlichen Auftrags wurde ein jährlicher Fördervertrag vergeben. „Auch deshalb habe ich mich dem Thema Gewaltschutz umfassend angenommen und eine Weiterentwicklung angestoßen. Die Förderung wird auf einen öffentlichen Auftrag umgestellt und die Bieter für das beste Konzept in einer Ausschreibung ermittelt“, so die Landesrätin.

Keine Einsparungen im Budget für Gewaltschutz

Bis dato finanziert das Land Salzburg mit einem jährlichen Budget von 1,5 Millionen Euro die autonomen Frauenhäuser in der Stadt Salzburg, in Hallein sowie jenes im Pinzgau. Das Frauenhaus im Pinzgau ist von der Neuausschreibung nicht betroffen, sondern übersiedelt mit den jetzigen Betreuerinnen 2021 in neue, moderne Räumlichkeiten. Dieser Neubau wird auch durch Mittel aus der EU-Regionalförderung finanziert. Der Betrieb der Frauenhäuser in der Stadt Salzburg und in Hallein wurde mit einem derzeitigen Budget von 1,2 Millionen Euro neu ausgeschrieben. Die jährliche Fördersumme bleibt erhalten.

Ziele der Ausschreibung im Überblick:

  • Weiterentwicklung des Gewaltschutzkonzepts für Salzburgs Frauenhäuser
  • Ausbau eines flächendeckenden, qualitätsvollen und flexiblen Angebots für Gewaltopfer
  • Planungssicherheit für die Betreiber, indem auf einen öffentlichen Auftrag umgestellt wird
  • Volle Qualität dank eines wirkungsvollen Mitteleinsatzes
  • Ausbau des Gewaltschutzangebots in den bisher unterversorgten Regionen

Mehr Gewaltschutz durch Dokumentation und laufende Evaluierung

„Gerade das Thema Datenweitergabe ist höchst sensibel. Gewaltopfer müssen sich darauf verlassen können, dass ihre Daten unter Verschluss sind. Das wird auch so bleiben. Wir verlangen aber künftig von den Einrichtungen eine bestimmte Form der Dokumentation, um in weiterer Folge evidenzbasierte Politik überhaupt erst möglich zu machen. Ohne ausreichende Datenlage – so wie bisher – sind wir auf einem Blindflug im Bereich Gewaltschutz und Bedarfserhebung. Die reinen Auslastungszahlen reichen dafür nicht aus. Es geht hier also nicht um die Weitergabe der Daten, sondern um deren Dokumentation zur Verbesserung des Angebots“, so Klambauer.

Status quo: Einreichphase abgeschlossen

Nach der abgeschlossenen Einreichphase haben ab Mitte Juli die Bieter zwei Monate Zeit, um ein Gewaltschutz-Konzept für Salzburg zu erstellen und als Angebot einzureichen. Die Konzepte werden von einer Expertenkommission, die sich aus anerkannten Expertinnen und Experten aus einem Frauenhaus, dem Gewaltschutzzentrum, dem Sozialbereich, der Polizei, dem Vergaberecht sowie dem Frauenreferat zusammensetzt, überprüft. Zusätzlich wird dies wissenschaftlich begleitet. Bis Ende 2020 wird feststehen, welches Gewaltschutz-Konzept ab Mitte 2021 in Salzburg umgesetzt wird.

Qualität steht an oberster Stelle

„Wir haben in der Ausschreibung vor allem die Qualität der Anbieter hervorgehoben. Diese muss im Umgang mit und der Betreuung von Gewaltopfern oberste Priorität haben. Über die Ausschreibung entscheiden zu 60 Prozent die Qualitätsmerkmale und nur zu 40 Prozent der Preis. Die Bieter aus Österreich zeigen, dass unsere Ausschreibung keine Billigstbieter aus dem Ausland anzog, sondern erfahrene, regionale Einrichtungen“, sagt Landesrätin Andrea Klambauer. LK_200625_10 (rb/ram/mel)

Medienrückfragen: Melanie Reinhardt, Büro Landesrätin Andrea Klambauer, Tel.: +43 662 8042-4910, Mobil: +43 664 5405895, E-Mail: melanie.reinhardt@salzburg.gv.at

Redaktion: Landes-Medienzentrum