Rauriser Literaturpreis 2021 geht an Benjamin Quaderer

Martin Mader erhält Förderungspreis / Literaturtage zwischen real und virtuell
Salzburger Landeskorrespondenz, 17. February 2021

(LK)  Das Land Salzburg vergibt den Rauriser Literaturpreis 2021 an Benjamin Quaderer für sein Romandebüt „Für immer die Alpen“. Den diesjährigen Rauriser Förderungspreis erhält Martin Mader. „Beide renommierte Rauriser Preise sind wichtige Wegbereiter zahlreicher literarischer Karrieren. Sie geben gerade jetzt Wertschätzung und Aufmerksamkeit in diesen kulturell ruhigen wie auch unruhigen Zeiten“, betont Landeshauptmann-Stellvertreter Heinrich Schellhorn zur Bekanntgabe der mit 10.000 beziehungsweise 5.000 Euro dotierten bedeutendsten Literaturauszeichnungen Salzburgs.

Die 50. Auflage der Rauriser Literaturtage musste im Vorjahr wegen der Corona-Pandemie kurzfristig abgesagt werden. Heuer versuchen die Veranstalter von 7. bis 11. April einen zweiten Anlauf. „Auch für Literaturschaffende waren die vergangenen Monate sehr herausfordernd. Umso wichtiger ist es, mit Stipendien und Preisen alle Sparten der Kultur zu unterstützen“, so Landeshauptmann-Stellvertreter Heinrich Schellhorn, der den Preisträgern Benjamin Quaderer und Martin Mader wünscht, dass die Förderungen viel Rückenwind spenden. Seinen Dank richtet Schellhorn an die Intendanten Ines Schütz und Manfred Mittermayer für ihr großes Engagement, damit die Rauriser Literaturtage auch dieses Jahr eine Möglichkeit finden, Autorinnen und Autoren eine Bühne zu geben.

Loitfellner: „Zusammenhalt bei Literatur im Gebirge.“

Für Bürgermeister Peter Loitfellner zeigt der Förderungspreis, der je zur Hälfte vom Land Salzburg und der Marktgemeinde Rauris gestiftet wird, den gemeinsamen und enormen Zusammenhalt, wenn es um Literatur im Gebirge geht. „So etwas ist nur durch Vertrauen, Ehrlichkeit und Wertschätzung möglich. Ich wünsche uns allen, dass die Rauriser Literaturtage einen halbwegs ,normalen‘ Geburtstag feiern können.

Große literarische Reife

Benjamin Quaderers 600 Seiten starkes, im Luchterhand-Verlag erschienenes Debüt „Für immer die Alpen“ führt nach Ansicht der Juroren Tanja Graf, Werner Michler und Anne-Sophie Scholl auf „durch und durch unzuverlässiges Terrain. Genau wie dessen Held erfindet sich das Buch selbst immer wieder neu. Es beginnt als klassischer Schelmenroman, mutiert zum Finanzthriller, zum postmodern schillernden Vexierstück und entpuppt sich schließlich als eine Art invertiertes Nationalepos des fürstlichen Kleinstaates, dessen existenzsichernde Adern nach außen gestülpt die globale Welt umspannen – sei es als Finanz- und Datenströme oder als kühne Erzählstränge. Das Debüt zeugt von großer literarischer Reife. Es ist ein Wurf.“

Benjamin Quaderer: Vorarlberger, Liechtensteiner, Berliner

Benjamin Quaderer, geboren 1989 in Feldkirch (Vorarlberg), ist in Liechtenstein aufgewachsen und lebt in der Nähe von Berlin. Er studierte Literarisches Schreiben in Hildesheim und in Wien, war Mitherausgeber der Literaturzeitschrift BELLA triste und in der künstlerischen Leitung von PROSANOVA 2014 – Festival für junge Literatur. „Für immer die Alpen“ ist sein erster Roman. Für einen Auszug daraus erhielt er den 2. Preis beim „Open Mike 2016“ und ein Arbeitsstipendium des Berliner Senats.

Förderungspreis für „Abstand ist Überall.“

Das Land Salzburg und die Marktgemeinde Rauris vergeben den Rauriser Förderungspreis 2021 zum Thema „Abstand“ an Martin Mader für seinen Text „Abstand ist Überall.“ Die Jury bestehend aus Zita Bereuter, Christine Rechberger, Klaus Seufer-Wasserthal dazu: „In einem Mix aus drastischen und kryptischen, vor allem aber auch witzigen Sprachbildern nimmt uns das erzählende Ich mit in den Untergrund, in eine Fabrik, auf die Tanzfläche einer irren, wirren, völlig getriebenen Welt. Man möchte den Text laut lesen, sich dem eindrucksvollen Rhythmus ganz hingeben. Umgehend wird man beim Lesen erfasst von diesem reißenden Erzählstrom, der fast ohne Punkt und Komma dahinschnellt und dennoch so leicht und verspielt klingt, als hätte der Zufall mitgeschrieben. Tatsächlich ist nichts zufällig. Tatsächlich ist das beeindruckend. Tatsächlich ist Martin Mader eine äußerst beeindruckende neue Stimme.“

Martin Mader: Literatur, Theater, Ausstellung

Martin Mader, 1987 in Innsbruck geboren, lebt in Salzburg und Linz. Studium der Vergleichenden Literaturwissenschaft, der Philosophie und der Theaterwissenschaft. Neben literarischen Veröffentlichungen verschiedene künstlerische Projekte im Ausstellungs- und Theaterbereich. Er arbeitet als Regieassistent und Dramaturg, seit 2020 am Landestheater Linz.

Rauriser Literaturtage 2021 in neuem Format

„Die Rauriser Literaturtage werden heuer anders sein, als wir sie aus den ersten 50 Jahren kennen. Aber wir hoffen sehr, dass unsere Jubiläumsveranstaltung dennoch Gelegenheit zum Austausch zwischen Autorinnen und Autoren und dem interessierten Rauris-Publikum bieten wird – wenn auch möglicherweise auf ungewohnte Art und Weise. Auch 2021 wollen wir im Rahmen eines großen Fests der Literatur einen Blick auf wichtige Themen werfen, mit denen sich Schriftstellerinnen und Schriftsteller der Gegenwart beschäftigen“, betonen Literaturtage-Intendanten Ines Schütz und Manfred Mittermayer.

Ein Festival für alle – heuer auch über Livestream

Seit 1971 haben über 450 Autorinnen und Autoren aus zahlreichen Ländern bei den Literaturtagen gelesen. Die überregionale Wirkung des Festivals ist auch mit dem Rauriser Literaturpreis verbunden: Viele der Autorinnen und Autoren, die den Preis erhielten, haben in der Folge Karriere gemacht – darunter mit Herta Müller auch eine Nobelpreisträgerin. „Eineinhalb Monate vor dem geplanten Termin der Rauriser Literaturtage 2021 ist aufgrund der Covid-Pandemie fast alles, was wir uns vorgenommen haben, noch unsicher. Alle Veranstaltungen werden aber über www.rauriser-literaturtage.at als Livestream angeboten – um auch jenen Menschen den Zugang zu ihnen zu ermöglichen, die angesichts der aktuellen Gefährdungen auf keinen Fall nach Rauris kommen können. Und wir schaffen gleichzeitig die Möglichkeit, unser Publikum auf digitalem Weg über das bisherige Ausmaß hinaus zu erweitern“, so Ines Schütz und Manfred Mittermayer. Einen Überblick über die ersten 50 Jahre ihres Bestehens bieten die Literaturtage außerdem in einer reich illustrierten Publikation zum Jubiläumsjahr sowie in einer Ausstellung im „Mesnerhaus“, dem neu renovierten „Haus für Kultur & Literatur“. LK_210217_60 (sm/mel)

 

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Redaktion: Landes-Medienzentrum