Gerechte Rollenverteilung wissenschaftlich unter der Lupe

Land fördert Genderforschung mit Postdoc-Stelle / Interview mit Nadine Zwiener-Collins
Salzburger Landeskorrespondenz, 03. May 2021

(LK)  „Die Ergebnisse von Genderforschung sollen durch verbesserte Gleichstellung in der Lebensrealität von Frauen spürbar werden. Es braucht veränderte Strukturen und moderne Familienpolitik, damit sich Frauen beispielsweise gleichberechtigt politisch beteiligen können. Ich freue mich sehr, dass wir dafür eine Postdoc-Stelle an der Universität Salzburg schaffen konnten. Mit der international renommierten Akademikerin Nadine Zwiener-Collins ist diese Position ideal besetzt und freue mich schon auf die Umsetzung der Forschungsergebnisse“, betont Landesrätin Andrea Klambauer.

Das Land Salzburg fördert die Stelle des Postdoctoral Researchers in „Politics and Gender, Diversity and Equality“ mit mehr als 220.000 Euro. Insgesamt sind für den begehrten Posten 40 Bewerbungen aus Österreich, Deutschland, anderen europäischen Ländern sowie aus Amerika und Asien eingegangen.

Starke Konkurrenz

Die 20 besten Bewerberinnen und Bewerber des Auswahlprozesses wurden Anfang des Jahres zum Hearing geladen, die gebürtige Deutsche Nadine Zwiener-Collins konnte sich dabei erfolgreich durchsetzen. Sie sprach mit dem Landes-Medienzentrum (LMZ) über ihre Forschungsschwerpunkte in den kommenden drei Jahren.

LMZ: Sie sind politische Soziologin und haben unter anderem das Fach „Gender“ unterrichtet. Was können wir uns darunter vorstellen?

Zwiener-Collins: Wir interessieren uns in der Gender-Forschung unter anderem für Geschlechterstrukturen als Merkmal in Gesellschaft, Politik und Kultur, aber auch dafür, wie Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern entstehen können. Das Schöne an diesem Fach ist, dass sehr viele Fachgebiete gleichzeitig einbezogen werden und wir hier interdisziplinär arbeiten können.

LMZ: Was möchten Sie im Rahmen der Postdoc-Stelle genau erforschen?

Zwiener-Collins: Konkret beschäftigen wir uns aktuell damit, wie die Corona-Pandemie auf die politischen Einstellungen und das politische Vertrauen von Frauen Einfluss nimmt. Zudem wird die Rolle der Frauen in der österreichischen Politik erforscht sowie die Frage, ob die Krise die Geschlechterrollen nachhaltig verändert. Ebenfalls ein Ziel ist es, im Rahmen eines Forschungszentrums, den Austausch und die Zusammenarbeit im Salzburger Hochschulraum und mit Vereinen und Organisationen zu fördern.

LMZ: Wieso haben Sie sich für die Stelle genau in Salzburg beworben?

Zwiener-Collins: Diese Frage wurde mir schon häufig gestellt (lacht). Ich habe die vergangenen acht Jahre mit meinem Mann in London verbracht und dort auch an einer international renommierten Hochschule unterrichtet. Was mich von Salzburg überzeugt hat sind zwei Sachen: Die Forschungsstelle selbst ist mir praktisch auf den Leib geschneidert, ich kann hier meine Erfahrung im Bereich ideal ausspielen. Zudem ist Salzburg für mich als Stadt und Land mit der wunderschönen Naturlandschaft einfach sehr lebenswert. Ich kann mir gut vorstellen, auch über die dreijährige Postdoc-Stelle hinaus hier zu bleiben.

Die erste Wahl

Die 31-Jährige Nadine Zwiener-Collins hat einen Masterabschluss in Politischer Soziologie von der London School of Economics und einen PhD in Quantitativer Soziologie von der City University of London. In ihrer Doktorarbeit hat sie den Einfluss von Arbeit und Familienleben auf die politische Beteiligung von Frauen untersucht. Ihre Ergebnisse zeigen, dass nicht nur die individuelle Familien- und Arbeitssituation, sondern auch gesellschaftliche Strukturen und Familienpolitik die Teilnahme in der Politik beeinflussen. Zuletzt hat sie im Sozialforschungsinstitut des University College London (achtbeste Universität der Welt) Gender und Quantitative Methoden unterrichtet. INT_210503_141 (luk/sm)

Medienrückfragen: Melanie Reinhardt, Büro Landesrätin Andrea Klambauer, Tel.: +43 662 8042-4910, Mobil: +43 664 5405895, E-Mail: melanie.reinhardt@salzburg.gv.at

Redaktion: Landes-Medienzentrum