Kampagne gegen Gewalt in der Erziehung startet

Seit über 30 Jahren verboten, aber zu wenig in unseren Köpfen / Jedes vierte Kind in Salzburg erfährt häusliche Gewalt
Salzburger Landeskorrespondenz, 28. June 2021

(LK)  Vor mehr als 30 Jahren wurde in Österreich das Gewaltverbot in der Erziehung gesetzlich verankert. Das Thema ist noch immer nicht allen bekannt oder wird oft verharmlost. Die neue Kampagne des Landes und der Kinder- und Jugendanwaltschaft (kija) Salzburg sowie vielen weiteren Partnern will intensiv über gewaltfreie Erziehung aufklären und sensibilisieren, denn: „Es gibt Alternativen. Das Land Salzburg stellt ein breites Beratungs- und Unterstützungsangebot bereit. Wir lassen niemanden alleine, weder die Kinder und Jugendlichen noch die Eltern. Wir rufen mit der Kampagne auch die Bevölkerung zu mehr Achtsamkeit und Zivilcourage auf“, betont Landeshauptmann-Stellvertreter Heinrich Schellhorn.

 

Die mit heute, 28. Juni, startende Kampagne verfolgt klare Ziele: „Wir wollen Betroffenen helfen, indem wir zeigen, dass es schnelle Hilfe und Prävention gibt, damit es erst gar nicht zu Gewalt in der Erziehung kommt. Wir zeigen auf, wo Gewalt beginnt und dass Gewalt gegen Kinder und Jugendliche, egal ob psychisch oder physisch, in Österreich absolut verboten ist. Die umgangssprachlich verharmloste ‚g’sunde Watschn‘ ist ebenfalls verboten und leider noch immer nicht aus dem Erziehungsalltag verschwunden“, unterstreicht Landeshauptmann-Stellvertreter Heinrich Schellhorn.

Gewalt in der Erziehung ist verboten – Punkt!

Die Gewaltschutzstudie des Landes Salzburg, der kija und des Kinderschutzzentrums zeigt ein anderes Bild: Es wissen 92 Prozent der befragten Salzburgerinnen und Salzburger, dass schwere körperliche Gewalt verboten ist. Aber immer weniger wissen jedoch, dass jede Form der Gewalt, und dazu zählen auch Beschimpfungen, Drohung und Vernachlässigung, in der Erziehung verboten ist. „Es ist erschütternd, dass immer noch bis zu 25 Prozent aller Kinder und Jugendliche in Salzburg häusliche Gewalt erfahren müssen. Da braucht es unser gemeinsames Handeln“, so Schellhorn.

Holz-Dahrenstaedt: „Gewalt zerstört Vertrauen.“

Andrea Holz-Dahrenstaedt von der Kinder- und Jugendanwaltschaft betont: „Schutz vor Gewalt ist eines der wichtigsten Kinderrechte. Jede Form ist ein Angriff auf die Würde und zerstört das Vertrauen in sich selbst sowie in die Beziehung zu anderen Menschen. Daher braucht es neben Hilfsangeboten Bewusstsein für diese Rechte und Wissen über die massiven negativen Folgen, wenn sie verletzt werden.“ Für Holz-Dahrenstaedt liegt der Grund für Gewalt in der Familie oft an einem Gefühl der Überforderung der Eltern: „Durch die Pandemie stieg der Druck, und somit kam es auch zu vermehrten Fällen von häuslicher Gewalt. Das Fehlen außerfamiliärer Bezugspersonen, wie etwa Großeltern oder Lehrende, verschärfte dabei die Situation.“

Ellmer: „Für die Kinder und Jugendlichen da sein!“

„Unsere Möglichkeiten in der Kinder- und Jugendhilfe, Familien individuell zu unterstützen und so wirksam vor Gewalt zu schützen, verbessern sich laufend – und zwar gemeinsam mit unseren vielen Partnerinnen und Partnern. Wir können aber nur dann helfen, wenn wir auch von den Vorfällen erfahren. Das setzt voraus, dass Erwachsene ihre Verantwortung wahrnehmen, sei es als Elternteil, in der Nachbarschaft, als Lehrerin und Lehrer, Ärztin und Arzt oder einfach nur durch aufmerksames Zuhören, wenn junge Menschen den Mut finden, sich uns anzuvertrauen“, appelliert Roland Ellmer, Leiter der Kinder- und Jugendhilfe Salzburg.

Kampagne spricht alle an

Die Kampagne spricht Kinder und Jugendliche, die Eltern, die breite Öffentlichkeit und auch mitteilungspflichtiges Fachpersonal in jeweils unterschiedlichen Phasen an. Zuerst soll das Interesse der Öffentlichkeit geweckt werden. Dann rückt die Information und Aufklärung von Eltern in den Vordergrund. Zuletzt startet die Kampagnenphase, in der Kinder und Jugendliche verstärkt über ihre Rechte informiert werden. Darüber hinaus widerlegen Expertinnen und Experten die überlieferten Mythen über Gewalt in der Erziehung und geben hilfreiche Tipps und Kontakte für jede herausfordernde Situation mit Kindern, aber auch für Personen, die Gewalt an Kindern beobachten. Aufschlussreiche Daten und Fakten und Basis-Informationen in zahlreichen Sprachen und auch in einfacher Sprache ergänzen das Angebot.

Schellhorn: „Kampagne zur Stärkung der Kinder.“

„Kinder und Jugendliche haben das Recht, bei uns in Salzburg angst- und gewaltfrei aufzuwachsen. Dafür braucht es diese Bewusstseins-Kampagne, um alle ins Boot zu holen – von der Freundin in der Schule bis hin zu den Eltern“, sagt Schellhorn.

Salzburgweite, wichtige Botschaft

Zahlreiche Kooperationen mit wichtiger Unterstützung vieler Partner ermöglichen eine sehr breit angelegte Kampagne mit 250 großflächigen Plakaten und Citylights in allen Salzburger Bezirken sowie auf vielen Bussen und Bahnen des Salzburger Verkehrsverbunds. Ergänzt wird die Kampagne mit Online-Informationen und Inseraten in Zeitungen. Informiert wird nüchtern und markant, Fakten und die geltende Rechtslage stehen dabei in der ersten Phase im Vordergrund, denn „Gewalt gegen Kinder ist eine Straftat“, hält Landeshauptmann-Stellvertreter Heinrich Schellhorn fest. LK_210628_51 (grs/bk)

Alle Informationen auf einen Blick

Medienrückfragen: Johanna Jenner, Büro LH-Stv. Heinrich Schellhorn, Tel.: +43 662 8042-4841, Mobil: +43 664 8565718, E-Mail: johanna.jenner@salzburg.gv.at

Redaktion: Landes-Medienzentrum