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Nr. 056 der Beilagen zum stenographischen Protokoll des Salzburger Landtages
(2. Session der 16. Gesetzgebungsperiode)

Antrag

 

der Abg. Zweiter Präsident Dr. Huber, Klubobmann Egger MBA und Weitgasser

betreffend der Errichtung einer Gedenkstätte für Salzburger Widerstandskämpfer während der Zeit des Nationalsozialismus

 

 

Der Salzburger Historiker, Publizist, ehemaliger Leiter der Abteilung „Kultur und Wissenschaft“ im ORF Landesstudio Salzburg sowie Leiter des Katholischen Bildungswerkes und des Salzburger Diözesanarchivs Dr. Hans Spatzenegger nennt Hans Graber in seinem Aufsatz im Buch „Menschen aus Salzburg“ den „Salzburger Jägerstätter“.

 

„Weil er aus einer christlichen Grundhaltung und seinem bewussten Österreicherturn heraus das Unrecht des Nationalsozialismus erkannt und dementsprechend gehandelt hat, mit letzter Konsequenz, möchte ich ihn als ‚Salzburger Jägerstätter‘ bezeichnen“, schreibt Dr. Spazenegger.

 

In seinem Abschiedsbrief an seinen Vater schreibt Hans Graber „tief betrübt nehme ich heute, drei Tage vor dem 26. Geburtstage, von Dir in diesem Leben Abschied, um in ein besseres, anderes einzugehen, wie ich es als gläubiger Christ auf die Verheißung unseres Erlösers hin mit gläubiger Zuversicht erwarten kann“. Am 18. Februar 1944 wurde Hans Graber in München enthauptet.

 

Hans Graber wurde in der Anklage vor dem Volksgerichtshof vom 29. September 1943 „die Beeinflussung der Massen durch Herstellung und Verbreitung von Schriften“ sowie „Gruppenbildung zur Vorbereitung des Hochverrats“, nämlich „mit Gewalt die Verfassung des Reiches zu ändern“ und die Ostmark „vom Reiche loszureißen“ vorgeworfen. Er hat insgesamt 17 Flugblätter mit dem Titel „Hör zu! Kampfblatt der Heimatfront“ verfasst.

 

Dr. Spazenegger führt in seinem Aufsatz abschließend aus: „Das kurze Leben Hans Grabers zeigt, dass selbst ein junger, wacher Mensch Theorie und Praxis des NS-Regimes und die Folgen trotz einer übermächtigen Propagandamaschine ohne weiteres durchschauen konnte; es ist weiters ein Beleg dafür, dass auch viele andere mehr hätten tun können.“

 

Nächstes Jahr jährt sich der Todestag von Hans Graber zum 75. Mal. Hans Graber ist ein Beispiel von vielen, die gegen das NS-Regime ausgestanden sind und Widerstand geleistet haben.

 

 

 

In diesem Zusammenhang stellen die unterzeichneten Abgeordneten den

 

Antrag,

 

der Salzburger Landtag wolle beschließen:

 

1. Die Salzburger Landesregierung wird ersucht, anlässlich des 75. Todestages von Hans Graber einen Ort des Gedenkens und der Erinnerung für Salzburger Widerstandskämpfer und der Widerstandgruppe um Hans Graber zu schaffen.

 

2. Dieser Antrag wird dem Bildungs-, Schul-, Sport- und Kulturausschuss zur weiteren Beratung, Berichterstattung und Antragstellung zugewiesen.

 

 

Salzburg, am 3. Oktober 2018

 

Dr. Huber eh.

Egger MBA eh.

Weitgasser eh.