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Nr. 0 der Beilagen zum stenographischen Protokoll des Salzburger Landtages
(2. Session der 16. Gesetzgebungsperiode)

Protokollauszug der 1. Sitzung des Salzburger Landtages vom 3. Oktober 2018

 

7.2 Dringliche Anfrage der Abg. Klubobfrau Svazek BA und Rieder an die Landesregierung betreffend die Investitionen in die Tourismusschule Klessheim im Vergleich zur Schließung der Tourismusschule Bischofshofen (Nr. 79-ANF der Beilagen)

 

Die Schriftführerin packt die dringliche Anfrage aus und ich ersuche Sie, sie zu verlesen. Bitte!

 

Abg. Mag.a Jöbstl (verliest die dringliche Anfrage):

 

Landtagspräsidentin Dr.in Pallauf: Danke für die Verlesung und ich ersuche nunmehr Herrn Landeshauptmann um die Beantwortung der Frage. Du hast zehn Minuten Redezeit.

 

Landeshauptmann Dr. Haslauer: Ich kann es mir bei der Frage eins, Herr Abgeordneter, relativ leicht machen: Worauf begründet sich die Investitionssumme von 33 Mio.? Ich könnte antworten auf Planungs- und auf Baukosten. Aber das ist ja nicht die Intention der Anfrage, sondern die Intention ist warum investiert man in Klessheim und für Bischofshofen hat man kein Geld über, glaube ich, so kann man das zusammenfassen.

 

Was ist mit dem Standort Klessheim? Der Standort Klessheim wurde in den 70er Jahren errichtet und danach laufend in mehreren Etappen erweitert. Einige Bauteile entsprechen überhaupt nicht mehr den Ansprüchen, sind technisch überaltert, entsprechen auch nicht mehr den Ansprüchen nach zeitgemäßen Unterrichtsmethoden und einer zeitgemäßen Raumaufteilung.

 

Bereits 2013 gab es von der Wirtschaftskammer, die ja Schulträger ist, es ist ja nicht das Land, sondern die Wirtschaftskammer Schulträger, einen Architektenwettbewerb. Das Siegerprojekt wurde dann nochmals überarbeitet und sieht vor einen neuen Schultrakt mit 18 Klassen, einen Arbeits- und Aufenthaltsbereich für die Lehrkräfte, einen Praxisbereich mit Lehrküchen, Lehrrestaurant, eine Aula, Garderoben mit Duschen und Umkleidemöglichkeiten sowie ein Mädcheninternat für 72 Schülerinnen. Dabei sollen teilweise bestehende Baukörper erhalten und integriert werden. Das ist vor allem der Sporttrakt, das Burscheninternat inklusive fünf Klassen, Mediathek, ITH, Office und Bibliothek. Darüber hinaus sind in den Kosten natürlich auch die Ausweichkosten, weil ja für die Bauphase zum Teil in Containern unterrichtet werden muss, entsprechend eingepreist.

 

Sie fragen dann weiter warum sich derartige Investitionen als erforderlich erweisen, wo doch die Schülerzahlen zurückgehen. Dass Schülerzahlen zurückgehen, ist demographisch auf der einen Seite begründet, das betrifft also alle Schulen, hat aber auf der anderen Seite auch in Klessheim den Ursprung darin, dass die Ausstattung und das Gebäude insgesamt veraltet ist. Die Wirtschaftskammer macht mit der FH Salzburg alle zwei Jahre eine Qualitätserhebung und daraus kann man eine signifikante Unzufriedenheit bei den Schülerinnen und Eltern mit der Infrastruktur in Klessheim gegenüber den Standorten Bad Hofgastein und Bramberg sehen. Das heißt wir sind da in einem Wettbewerb und Klessheim hat ja einen exzellenten Ruf. Auf der ganzen Welt sind die Klessheimer anzutreffen, unterwegs. Das ist auch sicher ein Leuchtturm in der Ausbildung von Touristikern, in der Ausbildung von Mitarbeitern im Tourismus, auch im Unternehmerwachstum. Ein Drittel der Schülerinnen und Schüler kommen ja aus den Unternehmen, die auch die Betriebe übernehmen wollen. Aber für die müssen wir auch für eine entsprechende zeitgemäße Ausstattung Sorge tragen, dass sie nicht nur stolz sind auf die Inhalte, die sie dort mitbekommen, sondern auch in welch – Anführungszeichen – „tollen Schulen“ auch in baulicher Hinsicht sie lernen dürfen.

 

Daher sind wir überzeugt davon, und auch die Wirtschaftskammer sieht das so, dass mit dem Neubau der Schule in Klessheim die Schülerzahl wieder steigen wird und wir jene Anzahl an gut ausgebildeten Fachkräften hervorbringen, die wir brauchen.

 

Jetzt kommt die Frage zu Bischofshofen, verkürzt ausgedrückt, warum die Schließung einer Schule Innergebirg, wo doch gerade südlich des Pass Lueg der größte Bedarf an Touristikern ist und außerdem wäre Bischofshofen erst vor wenigen Jahren renoviert worden. Das ist nicht richtig so. Es wurde lediglich die Betriebsküche und der Servierraum erneuert, weil dort unbehebbare technische Mängel waren. Dringend notwendige weitere Sanierungsmaßnahmen der Lehrküche, des Turnsaals, des Internates und des Schulgebäudes, Dämmung, Verglasung usw. konnten nicht durchgeführt werden, weil der Bund als Vermieter und Betreiber der Bundesanstalt für Kindergartenpädagogik, jetzt Elementarpädagogik, nicht zur notwendigen Beteiligung bewegt werden konnte.

 

Sie sagen dann weiter warum sind nicht einmal € 250.000,-- für Bischofshofen zur Verfügung. Ich weiß jetzt nicht, wie Sie auf die € 250.000,-- kommen. Es hat die SABAG ein detailliertes Gutachten erstellt was denn notwendig wäre für den Standort Bischofshofen, und zwar nur für die Schule und das Internat, nicht für die Bundesanstalt für Elementarpädagogik zu investieren, und kommt auf Sanierungskosten in Höhe von 7 Mio. Euro.

 

Schließlich ist Ihre fünfte und letzte Frage, ob ich nicht der Meinung bin, dass auf das gesamte Land aufgeteilte kleinere Schulstandorte dem Fachkräftemangel im Tourismus besser entgegenwirken würden als eine große Schule in Salzburg. Genau das passiert ja. Wir haben eine große Schule in Bad Hofgastein, wir haben einen kleineren Standort - wir, die Wirtschaftskammer Salzburg - in Bramberg mit 120 Schülern. Es hat sich auch herausgestellt, dass zwei Schulen in unmittelbarer Nachbarschaft, Bischofshofen zu Bad Hofgastein, nicht besonders sinnvoll sind. Es war nämlich weder Bad Hofgastein noch Bischofshofen ausgelastet. Die dreijährigen Fachschulen konnten ab 2013 nur mehr alternierend an einem der beiden Standorte angeboten werden. Der Erwachsenenlehrgang HLE konnte in Bischofshofen über Jahre hinweg nur mit größtem Entgegenkommen des Landesschulrates aufrechterhalten werden. Zwischen 2009 und 2016 ist man nie über 14 Anmeldungen hinweggekommen. Zuletzt waren es vier im Jahr 2016 und acht im Jahr 2015.

 

Das mit Bramberg habe ich schon gesagt. Dort hat die Wirtschaftskammer auch kräftig investiert. Das ist zwar nur klein, aber für die Abdeckung des Bedarfs im Oberpinzgau sehr wichtig. Anstelle zweier benachbarter Standorte Bischofshofen und Bad Hofgastein kann man jetzt feststellen, dass Bad Hofgastein prosperiert. Wir haben jetzt dort eine fast ausgelastete Schule, die bald wieder über 300 Schüler haben. Wir haben gegenüber dem Jahr 2016/2017 jetzt über 50 Schülerinnen mehr. Jetzt 282, also fast 50, gegenüber 237. Wir können dort qualitativ hochwertige Ausbildungen anbieten, z.B. die Meisterklasse Kulinarik, die auch sehr gut von der Wirtschaft und den Jugendlichen angenommen wird.

 

Die Wirtschaftskammer als Schulbetreiber hat das gemacht, was angesichts der sinkenden Schülerzahlen, insgesamt sinkenden Schülerzahlen aus meiner Sicht im Hinblick auf Sparsamkeit und Zweckmäßigkeit richtig ist. Sie hat sich auf einen Standort im Pongau konzentriert in Bad Hofgastein, dort das Angebot geschärft und einen zweiten Standort, der eben nicht mehr sinnvoll betrieben werden kann, wird sie nicht mehr weiter betreiben.

 

Insgesamt bin ich persönlich schon der Meinung, dass eine Investition in Klessheim unbedingt erforderlich ist. Wir haben schon am Vormittag gesagt, wie wichtig der Tourismus für Salzburg ist. Ohne eine gute Ausbildung, und der Schulraum ist nun einmal ein zusätzlicher Pädagoge heißt es, wird es nicht gehen und da hat Klessheim eine ganz, ganz wichtige Rolle und daher freue ich mich auch darüber, dass in recht intensiven Verhandlungen mit dem Bund erreicht werden konnte, dass doch ein erheblicher Betrag vom Bund mitfinanziert wird. Danke.

 

Landtagspräsidentin Dr.in Pallauf: Danke für die Beantwortung. Für die Anfragesteller bitte Kollege Rieder. Auch Du hast zehn Minuten.

 

Abg. Rieder: Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Regierungsmitglieder! Liebe Grüße an Herrn Sepp Schwaiger, dass er wieder gesund wird. Liebe Kolleginnen und Kollegen und Zuhörer zuhause!

 

Herzlichen Dank, dass dieses Thema Tourismusschule Bischofshofen auf die Tagesordnung gebracht wurde, dass wir auch aus unserer Sicht zu diesem Punkt Stellung nehmen können.

 

Wenn man zurückdenkt, die Tourismusschule Bischofshofen wurde 1980 gegründet als Expositur der Tourismusschule Klessheim. Durch dieses Entwickeln der Tourismusschule Bischofshofen, damals noch unter dem sehr geschätzten Direktor Hofrat Strondl, hat sich der Standort schrittweise auch mit meinem Vorgänger Kollegen Maschkan sehr gut entwickelt. Der Vorteil des Standortes Bischofshofen lag darin, dass die Lehrer verbundlicht wurden und damit eine wesentliche Entlastung für die Wirtschaftskammer herbeigeführt werden konnte.

 

Mit viel Mühe haben Kollege Maschkan, das Team und ich vor Ort uns bemüht, den Standort Bischofshofen im Sinne einer Unternehmerschule, junge Leute, Fachkräfte auszubilden. Wir haben mehr als 1.300 erfolgreiche Absolventinnen und Absolventen, die sowohl in leitendender, auch als Unternehmer und Fachkräfte in der Region noch tätig sind. Erstaunlicherweise mehr als 60 % direkt und indirekt in der Branche noch tätig. Wir waren auch die erste Tourismusschule und sind sie immer noch der Welt, die im Guinnessbuch der Rekorde einen Weltrekord in Flambieren aufgestellt hat. Also der Praxisbezug Bischofshofen ist eindeutig gegeben.

 

Wir haben schrittweise uns an die Erfordernisse der Wirtschaft angepasst, die Lehrpläne regelmäßig adaptiert, Weinkenner, Jungsommelierausbildung, Käsekenner, die Fünfjährige eingeführt, und erstaunlich, mir ist es so ergangen, als ich 2000 die Direktion übernehmen durfte, war man damals auch der Meinung, die Dreijährige ist nicht mehr in. Dann war 2003 eine Anfrage einer Mutter, das hat sich in der Zeitung niedergeschlagen, warum keine Dreijährige mehr in Bischofshofen nur mehr eine Fünfjährige, dann ist erstaunlich gewesen, man war der Meinung so wie jetzt, nicht mehr notwendig. Wir haben dann mit 36 Schülern im September begonnen. Alle Lehrer, Eltern, Schüler haben sich um ihre Schule bemüht, viel beigetragen, dass der Standort sich so entwickeln konnte. Immer wurde mir prognostiziert: Herr Rieder, Ihr Standort, nein, nicht im Besitz der Wirtschaftskammer, nicht – unter Anführungszeichen – „als nicht geliebtes Kind“ empfunden. Vielleicht stärkt gerade so ein Umgehen uns, noch mehr Engagement zu zeigen.

 

Wir haben dann versucht, das Ganze dann so zu bewältigen, dass wir gesagt haben wir haben kein Partnerhotel, wir haben kein Lehrhotel wie in Bad Hofgastein, das mehr als 20 Mio. Euro in den vergangenen Jahren verschlungen hat, und Wellnessbereich und jetzt werden wir den Fünfstern halten. Da musste man auch erkennen, dass die Wirtschaftskammermitglieder nicht einverstanden sind, dass so viele Gelder in ein nicht wirtschaftlich zu führendes Lehrhotel nicht so kostengünstig und auch schon gar nicht gewinnbringend geführt werden kann. Dann sagen wir na gut was können wir in Bischofshofen machen, wenn wir schon kein eigenes Lehrhotel haben? Wir sind in die Wirtschaft hinausgegangen. Genau das, was die Wirtschaft von uns verlangt und erwartet. Wir haben Praxisgruppen gebildet, sind in das Wellnesshotel Edelweiß mit Schülern regelmäßig gefahren, ins Clubhotel Aldiana, in unseren Partnerbetrieb Kultur- und Kongresshaus und Sporthotel Alpenland in St. Johann immer unter dem Aspekt der Lehrer, die Schülerinnen und Schüler mit in der Wirtschaft lernen daraus und erzielen auf diese Art genau die Qualität, die man von uns erwartet. Aber wesentlich kostengünstiger. Wir brauchten nur einen Schulbus, den der Lehrer bedient hat, damit die Schüler vor Ort arbeiten konnten.

 

Das ist eben der leichte Vorwurf, der in uns gewachsen ist, dass man sagt es kann nicht sein 33 Mio. für Klessheim. Es freut uns, dass investiert wird. Es ist wichtig, wir stehen hinter den Tourismusschulen Salzburg, aber man darf nicht vergessen, dass es einen Standort gibt, der auch viel Tradition und sehr gute Fachkräfte herausgebracht hat. Die Idee der Meisterschule war eine Idee der Tourismusschule Bischofshofen. Aber wir freuen uns, dass dieser Gedanke weitergeführt wird, aber doch erstaunlich, wie lobend Sie die Schülerzahlen in Bad Hofgastein erwähnen. Wenn das so erfolgreich wäre, wie Sie es vorher erwähnt haben, Herr geschätzter Landeshauptmann, dann müssten es aber schon mehr als neun Schüler sein in der ersten Klasse und nicht nur neun. Aber allein der Gedanke, dass man sagt man bemüht sich, man zieht es durch.

 

Der nächste Schritt, ich habe es erwähnt mit dem Partnerhotel, mit den Kosten, die entstanden sind, so gut wie fast keine, dann Ihre Anmerkung der Standort würde sieben Millionen Euro verschlingen, dann frage ich mich schon, welche Kostenschätzungen zugrunde gelegt wurden. Bin ich mir nicht sicher, denn unser Konzept war nicht das Internat zu sanieren, sondern die immer stärker werdenden externen Schüler zu forcieren, weil es ja viele Eltern gibt, die das Geld nicht haben, € 7.000,-- für eine Ausbildung mit Internat, sondern wir waren genau das Segment in der Region, das diesen Bedarf bestens abgedeckt hat. Ungefähr € 2.000,-- im Jahr, aber ist in der Relation zu € 7.000,--, nicht besonders vertretbar die € 7.000,--. Erstaunliches von immer mehr Eltern, die gesagt haben, ich täte mein Kind gerne in die Fachschule, in die Dreijährige, die sollen etwas lernen, aber ich kann mir das Internat nicht leisten.

 

Der Schulerhalter, die Wirtschaftskammer hat das ganze insofern noch erschwert, dass eine Internatspflicht ab Golling eingeführt wurde. Dass dann natürlich die Schülerzahlen am Standort Bischofshofen zwangsläufig zurückgehen müssen, das liegt auf der Hand. Wenn jetzt der Standort Bischofshofen in Wettbewerb zu Bad Hofgastein geht, dann sei angemerkt. Jeder Multiplikator, der Fachkräfte ermöglicht, muss erhalten bleiben. Nicht in Wettbewerb zu Bad Hofgastein, man hätte genauso gut sagen können Bad Hofgastein hat ein Super Profil mit der Schihotelfachschule, der höheren Lehranstalt für Tourismus. Dieses Segment kann man in Hofgastein abdecken. Konzentrieren wir uns auf die Fachpraxis in Bischofshofen und schaffen auf diese Art genau die fehlenden Fachkräfte, die wir natürlich brauchen.

 

Wir haben uns nie gesehen im unmittelbaren Wettbewerb, sondern wir sind uns auch am Standort Bischofshofen bewusst gewesen, dass wir auch Multiplikatoren für Fachkräfte sind. Umso schmerzlicher ist es, zur Kenntnis nehmen zu müssen, akzeptieren zu müssen, dass diese Entscheidung getroffen wurde.

 

Sie haben Bezug genommen auf Bramberg, diese Musterschule. Ist wirklich eine gute Schule. Ich hatte das Vergnügen, 2009 Vorsitzender bei den Prüfungen zu sein der Wirtschaftsschule Bramberg. Diese Schule war eine verankerte, bestens in der Region verankerte Schule, die wirklich hervorragende Fachkräfte hervorgebracht hat. Plötzlich auf Wunsch der ÖVP-Bürgermeister im Oberpinzgau, der Wunsch ist natürlich nachvollziehbar, die Region zu stärken, wurde die Tourismusschule Bramberg ins Leben gerufen.

 

Die Tourismusschule Bramberg hat auch etliche Millionen verschlungen mittlerweile, die Auslastung schleppend, lässt zum Teil zu wünschen übrig. Zum Glück gibt es das Kolleg, das hier noch zusätzlich eingemietet werden konnte, die sogenannte BAFEP, Bildungsanstalt für Elementarpädagogik, wie das mittlerweile heißt, und somit erfreulich, dass der Standort wenigstens auch in diese Richtung ausgelastet ist und somit eine Heimat für dieses Kolleg bietet.

 

Somit haben wir das zweite Prestigeprojekt, wo viel Geld hineingeflossen ist. Zuerst das Hotel Grand Parkhotel, dann haben wir jetzt Bramberg und jetzt natürlich im Vergleich sagt man jetzt schon wieder einen Haufen Geld von der Wirtschaft, wieder viel Geld unter dem Deckmantel oder Mantel, man könnte fast sagen Denkmantel der Bildung alle Grundsätze der Sparsamkeit und Wirtschaftlichkeit, auch wenn Sie es sehr gut erläutert haben, Herr Landeshauptmann, Sie haben mich wirklich begeistert, aber nicht überzeugt, sehr viel Geld hineingesteckt haben und hineinstecken werden, kann man nicht sagen Bildung entschuldigt alles. Da gibt es keine Grundsätze mehr für Wirtschaftlichkeit, Sparsamkeit. Unter diesem Aspekt noch dazu, wenn man sagt verkehrstechnisch nicht gut erschlossen.

 

Ich verstehe die Grünen Regierungsmitglieder sowieso nicht, dass man sagt eine Schule in der Einflugschneise von Flugzeugen, ein Lärm ohne Ende, am angrenzenden Landschaftsschutzgebiet eine Schule errichten, dann mit bis zu 100 Tiefgaragenparkplätzen und verkehrstechnisch nicht gut erschlossen. Also da frage ich mich schon, ob das in einem Verhältnis zu unserer Schule in Bischofshofen steht. Herzlichen Dank. (Beifall der FPÖ-Abgeordneten)

 

Landtagspräsidentin Dr.in Pallauf: Danke Herr Kollege Rieder. Weitere Wortmeldungen? Bitte Hans Scharfetter! Du hast jetzt nur mehr fünf Minuten.

 

Abg. Mag. Scharfetter: Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen! Liebe Kollegen!

 

Ich wollte mich eigentlich nicht zu Wort melden. Der Landeshauptmann hat es sehr ausführlich dargelegt, aber Deine Ausführungen möchte ich doch nicht ganz so unkommentiert stehen lassen.

 

Lieber Alexander, wir haben uns oft über dieses Thema unterhalten. Ich kann gut nachvollziehen, dass Du als ehemaliger Direktor diesem Standort sehr verbunden bist. Was ich nicht ganz nachvollziehen kann, ist, dass Du in Deiner Argumentation jetzt plötzlich alle anderen Standorte als Prestigeobjekte darstellst, sie einigermaßen schlecht redest im Übrigen auch, das verstehe ich nicht ganz, und ist auch nicht ganz kollegial gegenüber Deinen ehemaligen Kollegen auf den anderen Standorten. Aber ich kann es nur noch einmal wiederholen. Der Herr Landeshauptmann hat es ausgeführt.

 

Das macht sich doch niemand leicht, einen Schulstandort zu schließen. Wir haben doch jahrelang überlegt, wie können wir in Bischofshofen einen Schwerpunkt herausbilden, dass wir dort attraktiver werden. Ich darf Dich daran erinnern, ich selbst war bei vielen Besprechungen dabei, wo es z.B. die Überlegung gegeben hat, im Vergleich zu oder in Anlehnung an die Schihotelfachschule in Bad Hofgastein machen wir dort einen nordischen Schwerpunkt. Hier hätten wir eine ganz gute Infrastruktur. Wir haben uns alle sehr bemüht, mussten aber leider zur Kenntnis nehmen, dass hier einfach das Potential fehlt.

 

Bei allen Bekenntnissen zu einem Schulstandort, wir können uns von bestimmten Entwicklungen halt nicht abkoppeln. Wir haben eine demographische Entwicklung, wo wir bei den Schulabgängern bekanntlich halt rückläufige Zahlen haben, aus den Hauptschulen, aus den Neuen Mittelschulen. Eines muss ich schon sagen. Es ist halt leider auch nicht gelungen, hier in Bischofshofen ein Profil zu erarbeiten, dass wir hier entsprechende Attraktivität haben. Letztlich waren es die Schülerzahlen und das war entscheidende Argument. Der Herr Landeshauptmann hat es ausgeführt. Wir haben uns da einige Jahre beholfen mit Sonderregelungen. Wir haben wirklich viel unternommen, um hier entsprechend die Attraktivität zu steigern. Man muss das ernüchternd zur Kenntnis nehmen. Es ist leider nicht gelungen.

 

Wie gesagt, ich kann gut nachvollziehen, dass Du mit diesem Standort sehr verbunden bist und dass das persönlich durchaus schmerzlich ist, aber die Fakten waren so eindeutig, dass auch bei ganz großem Bemühen, und wir haben das oft diskutiert, letztlich vor diesem Hintergrund, dieser Standort nicht zu halten war.

 

Eines möchte ich noch ergänzen. Es ist nicht so, dass dort am Standort selbst keine Tourismusausbildung stattfindet. Wir haben da die Tourismusakademie angesiedelt. Ein gutes Projekt. Heute haben wir schon diskutiert Fachkräftemangel im Tourismus. Die Arbeitswelt im Tourismus verändert sich auch. Wir brauchen klarerweise höhere Schulen, um entsprechend qualifizierten Nachwuchs auszubilden. Wir haben auch eine Situation, dass wir beispielweise Wiedereinsteiger entsprechend qualifizieren müssen. Wir haben die Situation beispielsweise jetzt mit einem interessanten Projekt die Erwachsenenlehre, wo es darum geht, es wurde heute auch angesprochen, wir haben ein Potential, wir reden viel von Lehre mit Matura, wir haben aber auch ein erhebliches Potential von Maturanten, die die Lehre machen können. Deutschland zeigt es. Wir haben die Situation, dass Umsteiger in den Tourismus einsteigen wollen. Wir haben beispielsweise, auch das ist nicht ganz unwesentlich, auch zur Attraktivierung der Lehre hier am Standort die Vorbereitungskurse für die Lehrabschlussprüfungen. Also es gibt ein breites Ausbildungsangebot, aber in anderer Form.

 

Eines müssen wir auch im Bildungsbereich zur Kenntnis nehmen. Wir müssen uns auf Veränderungen auch einstellen. Wir müssen auch zur Kenntnis nehmen, wenn es hier in diesen Bereichen auch entsprechende Entwicklungen gibt, denen wir Rechnung tragen müssen.

 

Abschließend. Das hat sich niemand leicht gemacht, hat niemand leichtfertig entschieden. Wir haben sehr lange versucht mit wirklich viel Unterstützung, auch hier dem Standort ein Profil zu geben. Letztlich war es eine Entscheidung in die Richtung, dass es wenig Sinn macht, wenn wir eine Schülerpopulation, die rein von der Demographie her nicht größer wird, auf mehrere Standorte verteilen mit allen Schwierigkeiten, sondern dass es Sinn macht, die Standorte zu konzentrieren, dort zu investieren, weil eines darf man auch nicht vergessen: Es war vor vielen Jahren die Situation, dass einige wenige Tourismusschulen in Österreich bestanden. Mittlerweile haben wir starke Konkurrenz in anderen Bundesländern. Du weißt es. Es sind teilweise Bundesschulen ohne Schulgeld. Das sind teilweise Schulen, in die sehr, sehr viel investiert wird. Ich sage nur Stichwort St. Johann in Tirol. Also wir stehen hier auch im Wettbewerb und da sind wir unter Zugzwang und ich glaube es wurden die richtigen Entscheidungen getroffen. Danke. (Beifall der ÖVP-, Grünen- und NEOS-Abgeordneten)

 

Landtagspräsidentin Dr.in Pallauf: Danke Kollege Scharfetter. Gibt es weitere Wortmeldungen? Lieber Herr Klubvorsitzender, irgendwie sehe ich Dich heute immer erst beim zweiten Blick. Entschuldigung. Du hast natürlich das Wort. Bitte!

 

Klubvorsitzender Abg. Steidl: Die zweiten Blicke sind die Interessantesten, Frau Präsidentin. Hohes Haus! Frau Präsidentin! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen!

 

Wirklich nur kurz. Ich möchte einiges von dem, was der Hans Scharfetter gemeint hat und ausgeführt hat, auch durchaus unterstützen, aber auch die Anfrage und die dahinterstehenden Überlegungen, die von der FPÖ gekommen sind, von Dir, lieber Alexander Rieder, sind durchaus auch unterstützenswert.

 

Ich glaube wir müssen es gemeinsam schaffen, gerade in dem Bereich des Tourismus vielleicht auch neue Modelle der Ausbildung einzugehen, mehr Vielfalt in die berufliche Erstausbildung zu bringen, auch vielleicht für Berufseinsteiger wieder interessant zu werden, die einen neuen Beruf erlernen wollen, und viel Lebenserfahrung mitbringen. Ich habe vor wenigen Tagen auch einen Termin und eine Besprechung gehabt mit der Spartenobfrau des Bundes, mit der Frau Nocker-Schwarzenbacher, Spartenobfrau Tourismus in der Wirtschaftskammer, und wir sind übereingekommen, dass wir auch in der Wirtschaftskammer einen Termin veranstalten und durchführen werden, wo es um diese Frage geht und wo wir vielleicht einmal ausloten auch, gerade berufliche Erstausbildungsangebote für unsere hervorragende familiengeführte Tourismuswirtschaft anzubieten und in Anlehnung an das, was in Vorarlberg erfolgreich gestartet wurde mit der sogenannten GASCHT, also die Gastgeberschule für Tourismusberufe, wo es um Köche und Köchinnen geht, wo es um Lehrlingsausbildung geht und schulische Ausbildung geht auch im Bereich des Service und der Rezeption. Das ist eine gemischte Ausbildung, die sowohl mit betrieblicher Praxis hinterlegt ist, aber auch mit schulischer Ausbildung, eine vierjährige Ausbildung, die bereits mit der neunten Schulstufe beginnen kann. Vielleicht kann man schauen, dass man hier vielleicht auch einige Überlegungen mit nach Salzburg bringt. Vielleicht kann es sogar ein Ausbildungsverbund werden von Salzburg, Tirol und Vorarlberg, weil uns hier gerade in den Destinationen vom Angebot her viel verbindet.

 

Ich glaube es ist wert, sich diesen Überlegungen zu stellen und vielleicht damit verbunden auch wieder ein erfolgreicher, glorreicher Standort in Bischofshofen damit entwickelbar. Ich glaube sollten wir machen und so gesehen glaube ich hat sich diese Anfrage gut ausgezahlt und abschließend. Die Investitionen, die hier gerade in Klessheim getan und getätigt werden, glaube ich, sind durchaus gerechtfertigt, wenn man die Erfolgsgeschichte dieses Schulstandortes sich anschaut. Das ist ein Schulstandort, der nicht nur regional wirkt, sondern der weltweite Wirkung entfaltet hat und darauf sollten wir gemeinsam stolz sein. (Beifall der SPÖ-Abgeordneten)

 

Landtagspräsidentin Dr.in Pallauf: Danke Herr Klubvorsitzender. Als Nächster zu Wort gemeldet hat sich Klubobmann Egger und dann noch einmal Kollege Rieder.

 

Klubobmann Abg. Egger MBA: Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen!

 

Im Blick auf die Uhrzeit, weil wir es kurz halten, ich habe mir viel vorbereitet, aber ich werde nur ein paar Worte sagen. Wir haben noch einige offene Punkte vor uns.

 

Vorweg, lieber Alexander, ich kann das nachvollziehen persönlich, dass Du damit natürlich emotional ein Problem hast. Hätte ich auch an Deiner Stelle selbstverständlich. Ich glaube auch, was schon gesagt wurde, es ist nicht leichtfertig gefallen, die Entscheidung. Man muss wissen grundsätzlich, warum gehen die Schülerzahlen zurück. Das ist auch so ein Thema gewesen. Ja, weil die Schülerzahlen allgemein zurückgehen. Ich kann als langjähriger Elternvereinsobmann der HTL in Saalfelden sagen wir haben immer gekämpft um Schülerzahlen und die Nachbarschulen auch. Alle berufsbildenden mittleren und höheren Schulen und auch AHS kämpfen mit Nachwuchs. Auch die lehrlingssuchenden Betriebe kämpfen mit Nachwuchs, wie wir wissen. Das ist einfach ein Thema.

 

Ich glaube auch, dass die vielen Standorte der Tourismusschulen in Salzburg, also Klessheim, Bischofshofen, Hofgastein, Bramberg sich auch gegenseitig Konkurrenz gemacht haben. Das muss man ganz klar so sehen. Ich kenne z.B. eine Familie aus dem Pongau, wo wirklich die Entscheidung gefallen ist, schicken wir unsere Tochter nach Klessheim, nach B‘hofen, nach Hofgastein. Daher teile ich, dass die Entscheidung gut und richtig ist, in Klessheim zeitgemäße Schule zu bauen, wo die Kinder und die Jugendlichen genug Anreiz sehen, dort die Ausbildung zu machen und dann als gut ausgebildete Kräfte in die Wirtschaft kommen.

 

Ich glaube es ist der richtige Weg. Was ich noch sagen wollte. Die Investition von 33 Mio. Euro wird aufgeteilt Bund, Land und Wirtschaftskammer. Also das Land betrifft nur 7,2 Mio. oder so oder 7,1. Ich glaube das ist gut investiertes Geld in die Ausbildung und Bildung unserer Jugend und unserer Fachkräfte. Danke. (Beifall der ÖVP-, Grünen- und NEOS-Abgeordneten)

 

Landtagspräsidentin Dr.in Pallauf: Danke Herr Klubobmann. Bitte Kollege Rieder, Du hast noch einmal das Wort.

 

Abg. Rieder: Herzlichen Dank, dass ich noch einmal die Gelegenheit erhalte, kurz auf die anderen Gedanken eingehen zu dürfen.

 

Wenn der Eindruck entstanden sein soll, lieber Kollege Scharfetter, dass ich die Mitbewerberschulen nicht gut dargestellt hätte, dann hast Du das falsch verstanden. Wenn Du meinen einleitenden Text verstanden hast, dann sage ich gemeinsam ist es uns ein Anliegen, dass die guten Fachkräfte ausgebildet werden. Wir müssen von vielen Seiten, sowohl aus dem EU-Bereich, aus dem Fach- und Lehrlingsbereich Fachkräfte ausbilden, aus dreijährigen Schulen, aus fünfjährigen Schulen Fachkräfte ausbilden, und das ist unsere Intention und auch meine Intention gewesen im Sinne von wirtschafts- und bildungspolitischer Verantwortung, das zu argumentieren.

 

Unser Anliegen der FPÖ geht dahin, dass man sagt verhältnismäßig ein hoher Aufwand mit 33 Mio. Auch, lieber Kollege Egger, Sepp, nett, wenn Du sagst es wird gedrittelt. Bund, Land, nicht gedrittelt, sondern aufgeteilt und Wirtschaftskammer. Es sind ja doch immer wieder Steuergelder, die verwendet werden. Es verschönert natürlich dann die Entscheidung und dass es wichtig ist, steht außer Streit.

 

Allerdings gebe ich schon noch zu bedenken Standort Klessheim, internationale Schule, wenn man bedenkt der Großteil der Absolventen bleibt nicht in der Branche, geht ins Ausland, studiert und steht nicht in diesem Ausmaß als Fachkräfte zur Verfügung. Im Gegensatz zu Bischofshofen oder Bad Hofgastein, die Leute bleiben überwiegend, die Absolventinnen und Absolventen in der Branche.

 

Zu Bramberg trotzdem noch die Anmerkung. Als ich damals noch Direktor war, habe ich angemerkt Bramberg, eine total gute Wirtschaftsschule für Bramberg. Gut geführt. Aber so abrupt einen Tourismusschwerpunkt einzuführen im Wissen St. Johann in Tirol ist daneben, Zell am Ziller ist daneben, um diese Entscheidung ist es mir gegangen, das aufzuzeigen, dass damals schon klar war, dass dieser Standort dazu führen wird, den Standort Bischofs­hofen schließen zu müssen, weil es ja dann wirklich wirtschaftlich nicht vertretbar ist. Es ist darum gegangen, darauf hinzuweisen, dass diese Entscheidung eine Fehlentscheidung war in Bezug auf Bischofshofen. Natürlich die gleichen Sorgen jetzt im Vergleich zu Klessheim. Wenn wir diese Kräfte teilen, diese Energien standortmäßig bündeln, dann hätte man auch in Bischofshofen auch für die nächsten Jahre noch genügend Fachkräfte, die gut ausgebildet werden könnten.

In diesem Sinne danke für das Verständnis, dass man sich für Fachkräfte in der Region einsetzt. (Beifall der FPÖ-Abgeordneten)

 

Landtagspräsidentin Dr.in Pallauf: Danke vielmals. Jetzt sehe ich keine Wortmeldung mehr. Damit haben wir die Behandlung der dringlichen Anfrage abgeschlossen und kommen zum nächsten