Meldung anzeigen


Nr. 141 der Beilagen zum stenographischen Protokoll des Salzburger Landtages
(2. Session der 16. Gesetzgebungsperiode)

Bericht

 

des Sozial-, Gesellschafts- und Gesundheitsausschusses zum Antrag der

Abg. Klubobmann Egger MBA, Zweiter Präsident Dr. Huber und Weitgasser

(Nr. 114 der Beilagen) betreffend Informationskampagne zum Thema „Impfen“

 

 

Der Sozial-, Gesellschafts- und Gesundheitsausschuss hat sich in der Sitzung vom 5. Dezem-ber 2018 mit dem Antrag befasst.

 

Zweiter Präsident Dr. Huber erläutert, dass in der medizinischen Praxis die Vermeidung von Krankheiten einen immer wichtigeren Stellenwert einnehme. Ein zentrales Instrument sei dabei die Impfung. In der Vergangenheit seien bereits viele Schritte gesetzt worden, beispielhaft verweise er dazu auf die Pneumokokken-Impfaktion im vergangenen Oktober oder die Impfzuschüsse seitens des Landes für dessen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Man müsse weiter in dieser Richtung arbeiten, denn allein bis Oktober habe es in Salzburg zB rund 160 Keuchhustenfälle gegeben. Mit zahlreichen weiteren Fällen in der kälteren Jahreszeit sei fix zu rechnen und auch die erste Grippewelle stehe vor der Tür. Immer wieder Thema seien auch Masernerkrankungen. Nur mit einer sehr hohen Durchimpfungsrate von etwa 95 % könne man das vermehrte Wiederauftreten der Masern verhindern. In Salzburg gebe es aber eine durchschnittliche Masern-Impfungsrate von lediglich 80 %. In seiner Ausbildung habe er die möglichen Folgen einer Masernerkrankung kennengelernt, als ein Patient eine Schädigung des Gehirns durch eine Maserninfektion davongetragen habe. Auch längst für ausgerottet gehaltene Infektionskrankheiten, wie zB Kinderlähmung seien derzeit wieder auf dem Vormarsch. Es sei daher ganz wichtig, den Bürgerinnen und Bürgern objektive und unabhängige Information über die Vorteile, aber auch über die Risiken des Impfens anbieten zu können. Man laufe sonst Gefahr, dass die Menschen sich über andere Kanäle, wie zB Plattformen im Internet informierten, wo in erster Linie Verschwörungstheorien und Schilderungen von Impfkomplikationen zu finden seien. Er erhoffe sich daher eine diesbezügliche Kooperation auf breiter Basis, angefangen von der Landesregierung über Ärzte- bzw. Apothekerkammern, Krankenhäuser bis hin zu Sozialversicherungen, um die Sinnhaftigkeit des Themas „Impfen“ entsprechend objektiv darzustellen.

 

Klubvorsitzender Abg. Steidl merkt kritisch an, dass bereits am Vormittag eine Pressemeldung der NEOS ergangen sei, dass der Landtag den gegenständlichen Antrag beschlossen habe, obwohl der Ausschuss erst am Nachmittag tage. Er ersuche daher um Auskunft, was genau beschlossen worden sei.

 

Abg. Mag.a Dr.in Humer-Vogl stellt fest, dass das Thema „Impfen“ offenbar sehr viele Menschen bewege bzw. aufrege. Dies habe sie an den äußerst zahlreichen und durchaus auch heftigen Reaktionen auf ihre vor zwei Tagen auf Facebook gestellte Frage „Impfen, ja oder nein?“ bemerkt. Sie selbst sei eine überzeugte Impfbefürworterin. Sie halte das Impfen für eine Frage der Solidarität. Der gesundheitliche Nutzen sei zweifelsohne gegeben, wobei es natürlich wie bei allen Medikamenten auch hier in seltenen Fällen zu Nebenwirkungen kommen könne. Eine generelle Impfpflicht, wie beispielsweise in Italien, lehnten die GRÜNEN aber ganz klar ab. In bestimmten Bereichen, wie zB in Gesundheitsberufen mache es jedoch Sinn, bestimmte Impfungen von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern einzufordern, da diese häufig mit Menschen in Kontakt kämen, deren Immunsystem angegriffen sei, sodass diese sehr krankheitsanfällig seien. Um die Impfmoral zu stärken, wünsche sie sich vor allem positive Anreize, wie Aufklärungsgespräche durch Ärztinnen und Ärzte, Gratisimpfaktionen oder auch Zuschüsse zur Impfgebühr bei niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten sowie eine umfassende Aufklärungskampagne.

 

Abg. Berger findet den vorliegenden Antrag sehr begrüßenswert, da die Zahl der Impfgegnerinnen und –gegner offenbar zunehme. Wer nicht impfe, stelle eine Gefahr für all jene dar, die aufgrund eines schwachen Immunsystems nicht geimpft werden könnten, wie zB Neugeborene, Kranke, Schwangere oder ältere Personen. An die Experten richtet sie die Frage, wie es mit den Durchimpfungsraten bei jenen aussehe, die im Rahmen der Flüchtlingswelle ab 2015 nach Österreich gekommen seien. Hier könnten vielleicht gezielte Informationen in der Sprache des jeweiligen Herkunftslandes ein guter Ansatz sein, falls aufgrund des schlechter entwickelten Gesundheitssystems des Heimatlandes keine entsprechende Durchimpfungsquote gegeben sei.

 

Klubobfrau Abg. Mag.a Gutschi erklärt, dass auch die ÖVP eine Aufklärungskampagne zum Thema „Impfen“ als sehr sinnvoll erachte. Die von Abg. Mag.a Dr.in Humer-Vogel geschilderte Problematik im Zusammenhang mit dem Risiko, das von nicht geimpften Personen, die im Gesundheitsbereich mit immun schwachen Patientinnen oder Patienten bzw. Bewohnerinnen oder Bewohnern in Kontakt kämen, könne sie aus eigener Erfahrung bestätigen. Dazu möchte sie von Dr. Förster wissen, wie man von Seiten der Ärztekammer mit diesem Problem umgehe. Weiters fragt sie nach, ob man in Österreich tatsächlich so etwas wie eine Impfmüdigkeit feststellen könne.

 

Landeshauptmann-Stellvertreter Dr. Stöckl informiert darüber, dass die Landessanitätsdirektion von der WHO als Impfzentrum anerkannt sei. Die Sanitätsdirektion arbeite sehr eng mit den niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten, aber auch mit den Krankenhäusern zusammen. Ebenso habe man mit dem Arbeitskreis Vorsorgemedizin Salzburg (AVOS) sowie den Apotheken und Sozialversicherungen gute und verlässliche Partner in der Impfvorsorge. Besonderes Augenmerk werde auf Impfungen für Kinder gelegt. Dazu erhielten Eltern von Kindern im Vorschulalter von AVOS im Auftrag des Landes ein individuell abgestimmtes Gutscheinheft, welches Gutscheine für Impfungen enthalte, die dem österreichischen Impfplan entsprächen. In den letzten Jahren sei eine gewisse Impfmüdigkeit für bestimmte Krankheiten, wie etwa Masern, Mumps oder Röteln festzustellen gewesen. Man habe daher versucht, mit verstärkter Öffentlichkeitsarbeit diesem Trend entgegenzuwirken. Auch durch finanzielle Anreize hoffe man, die Impfmoral zu erhöhen. Leider sei es nicht möglich, alle Impfungen gratis zu verabreichen, aber es gebe immer wieder einzelne Impfaktionen, bei denen Kosten ganz oder teilweise übernommen würden. Die Durchimpfungsraten in Salzburg seien grundsätzlich nicht so schlecht. Die von der WHO empfohlenen Raten könne man aber nicht erreichen. Derzeit liefen daher verschiedene Impfaktionen, um diese Werte zu verbessern. Im Hinblick auf das Flüchtlingsthema weise er darauf hin, dass man damals in Zusammenarbeit mit ehrenamtlich tätigen Ärztinnen und Ärzten immer wieder Impfaktionen durchgeführt habe. Abschließend sagt Landeshauptmann-Stellvertreter Dr. Stöckl, dass er auch persönlich davon überzeugt sei, dass das Impfen wichtig und gut sei und er daher in dieser Richtung weiterarbeiten werde.

 

Dr. Förster (Ärztekammer) führt aus, dass bei jeder Impfung durch die jeweilige Ärztin oder den jeweiligen Arzt ein individuelles Beratungs- und Aufklärungsgespräch zu führen sei. Die in der Diskussion erwähnten Masernparties für Kinder hätten in der Zeit, als noch keine Impfung zur Verfügung stand, Sinn gemacht, da die Gefahr vom Komplikationen bei einer Erkrankung im Kindesalter wesentlich geringer sei als im Jugendalter. Seit die Impfung gegen Masern zur Verfügung stehe, müsse man diese Vorgehensweise aber entschieden ablehnen, da immerhin jedes tausendste Kind an Masern sterbe. Eine generelle Impfpflicht erachteten die Impfreferentinnen und -referenten der Ärztekammern in Österreich als nicht akzeptabel. Sehr wohl fordere man aber eine Diskussion über eine Impfpflicht für im Gesundheitsbereich beschäftigte Personen. In vielen Krankenhäusern, wie zB in den SALK, werde dies auch schon praktiziert. Eine allgemeine Impfmüdigkeit, wie sie sich in Italien, Frankreich oder Griechenland gezeigt habe, sei seiner Meinung nach nicht gegeben. Es gebe aber durchaus Gruppen, die als Impfkritiker oder –gegner zu identifizieren seien. Aufgrund der Auswertung von AVOS habe man auch festgestellt, dass es immer wieder Gegenden gebe, in denen die Impfbereitschaft punktuell abnehme. Hier sei es aber meist so, dass bei Auftreten eines entsprechenden Krankheitsfalles die Impffreudigkeit wieder rasch steige. Hinsichtlich der Impfrate von Migrantinnen und Migranten könne er nur aus seiner eigenen Praxis berichten, dass die Quote hier großteils sehr gut sei.

 

Mag. Huber (AVOS) schildert den Abgeordneten den Ablauf der Impfvorsorge für Kinder im Vorschulalter. Im Bereich Kinderimpfungen führe AVOS außerdem für das Land eine Imfpdatenbank, die Zahlenmaterial über das Impfverhalten der Salzburger Bevölkerung liefere. Die Partnerorganisation AMD Salzburg führe in jenen Salzburger Betrieben, die in einem Hochrisikobereich tätig seien, wie zB Gesundheit, Kinderbetreuung oder Müllabfuhr, Impfungen für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter durch. In Vorarlberg sei vor etwa einem halben Jahr eine groß angelegte Informationskampagne zum Thema gestartet worden. Diese werde von der aks Vorarlberg im Auftrag des Landes durchgeführt. Auf Wunsch könne AVOS gerne den Kontakt zu aks Vorarlberg herstellen, sodass man sich über deren Konzept informieren und prüfen könne, ob dieses auch für Salzburg geeignet sein könnte.

 

Der Sozial-, Gesellschafts- und Gesundheitsausschuss stellt einstimmig den

 

Antrag,

 

der Salzburger Landtag wolle beschließen:

 

Die Salzburger Landesregierung wird ersucht, aufbauend auf die bisherigen Anstrengungen weitere Initiativen zu setzen, die die Salzburgerinnen und Salzburger unabhängig und objektiv zu den Vorteilen und Risiken des Impfens informiert und die Möglichkeit gibt, sich schnell und unkompliziert zu erkundigen.

 

 

Salzburg, am 5. Dezember 2018

 

Die Vorsitzende:

Mag.a Jöbstl eh.

 

Der Berichterstatter:

Dr. Huber eh.

Beschluss des Salzburger Landtages vom 19. Dezember 2018:

Der Antrag wurde einstimmig zum Beschluss erhoben.