Meldung anzeigen


Nr. 190-BEA der Beilagen zum stenographischen Protokoll des Salzburger Landtages
(2. Session der 16. Gesetzgebungsperiode)

Beantwortung der Anfrage

 

der Abg. Klubvorsitzenden Steidl und Thöny MBA an die Landesregierung (Nr. 190-ANF

der Beilagen) – ressortzuständige Beantwortung durch Landeshauptmann-Stellvertreter

Dr. Stöckl – betreffend die Versorgung von Delir-Patientinnen und -Patienten bzw.

Delir-Präventionsprogramme

 

 

Hohes Haus!

 

Zur Beantwortung der Anfrage der Abg. Klubvorsitzenden Steidl und Thöny MBA betreffend die Versorgung von Delir-Patientinnen und -Patienten bzw. Delir-Präventionsprogramme vom 7. Februar 2019 erlaube ich mir, Folgendes zu berichten:

 

Zu Frage 1: Wie lauten die Ergebnisse der Arbeitsgruppe in den SALK zum genannten Thema?

 

Die Ergebnisse der Arbeitsgruppe in den SALK lauten wie folgt:

 

  • Es wird ein E-Tool zur Vermittlung der zentralen Botschaften zum Umgang mit demenziell erkrankten bzw. deliranten Patientinnen und Patienten entwickelt.

  • Das E-Tool ist jederzeit über das Intranet abrufbar.

  • Kern des E-Tools ist der Umgang mit Assessmentinstrumenten zur Detektion einer Demenz (Diagnosestellung durch Medizin) und/oder eines Delirs (Assessment erfolgt über die Pflege) bei Aufnahme der Patientin bzw. des Patienten oder während des Krankenhausaufenthaltes sowie die Darstellung des Umgangs mit der/den an einer Demenz oder einem Delir erkrankten Patientin/Patienten (Kommunikation, Umgang mit Ängsten der Patientinnen und Patienten etc., Umgang mit herausforderndem Verhalten).

  • Das E-Tool dient zudem der Sensibilisierung der professionellen Akteure in der Gesundheitseinrichtung LKH zum Thema Demenz/Delir. Die Bearbeitung des E-Tools ist verpflichtend.

  • In der Nachbereitung zum E-Tool werden Präsenzveranstaltungen zu den Themen angeboten, in denen das Thema vertieft und auf Fragen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eingegangen werden kann. Ebenso sollen typische Situationen besprochen und Möglichkeiten der Situationsbewältigung aufgezeigt werden. Die Teilnahme an mindestens einer Präsenzveranstaltung ist verpflichtend.

  • Die Ausrollung des Projekts erfolgt Zug um Zug, beginnend mit den Fachbereichen Allgemeinchirurgie, Orthopädie, Gefäßchirurgie und Urologie als Testphase.

  • Die Fachbereiche gelten als Bereiche, in denen aufgrund verschiedenen Faktoren (z. B. Alter, Vorerkrankungen) die Wahrscheinlichkeit einer auftretenden Demenz oder eines Delirs besonders hoch ist.

Zu Frage 2: Wie ist die Arbeitsgruppe der SALK zusammengesetzt? (Es wird um Auflistung nach Anzahl der Personen, jeweilige Funktion sowie Institution ersucht.)

 

Projektauftraggeber:

 

Margret Hader, Pflegedirektorin LKH

Prof. Dr. Jürgen Köhler, Ärztlicher Direktor LKH/CDK

 

Projektleiter Medizin:

 

Prof. Dr. Bernhard Iglseder, Primar Universitätsklinik für Geriatrie, CDK

 

Projektleiter Pflege:

 

Ass. Prof. Priv. Doz. Dr. Andre Ewers, MScN, Leitung Abteilung Fachentwicklung Pflege, LKH

 

Projektteammitglieder:

 

Dr. Christopher Kartnik, Leitender Oberarzt der Universitätsklinik für Psychiatrie, Psychotherapie & Psychosomatik

Wolfgang Mayerhofer (BScN), wissenschaftlicher Mitarbeiter Pflege, Projekt Demenz/Delir, LKH

Dr. Christoph Augner, ärztliche Direktion LKH

Mag.a Maria Meusburger, Bildungszentrum SALK, Landeskrankenhaus

Brandstätter Magdalena, Bildungszentrum SALK, Landeskrankenhaus

Mag. Dr. Andreas Kaiser, MSc Universitätsinstitut für Klinische Psychologie (kooptiertes Mitglied)

Dr. Michael Lechner, Oberarzt, Universitätsklinik für Chirurgie (kooptiertes Mitglied)

 

Die zentrale Arbeitsgruppe, die das Projekt plant und für die Durchführung verantwortlich ist, besteht aus den oben genannten Personen Ass. Prof. Priv. Doz. Dr. Andre Ewers, Wolfgang Mayerhofer (BScN), Prof. Dr. Bernhard Iglseder und Dr. Christopher Kartnig.

 

Zu Frage 3: Seit wann sowie bis wann und wie oft hat die Arbeitsgruppe getagt? (Es wird um Nennung des Zeitpunkts der Implementierung der Arbeitsgruppe, die Anzahl der Zusammen-künfte der Arbeitsgruppe und die Dauer der Implementierung der Arbeitsgruppe, ersucht.)

 

Das Projekt wurde nach vorangegangener Vorlage des ersten Projektentwurfs vom 8. Juli 2018 am 29. Oktober 2018 durch die erweiterte Geschäftsführung genehmigt.

        

19.03.2018    Diskussion erster inhaltlicher Vorschläge zur Bearbeitung der Themen Demenz/Delir, Festlegung, dass beide Themen bearbeitet werden sollen, da inhaltlich zusammenhängend, Festlegung der Projektleiter Medizin und Pflege

Vorstandssitzung mit Hader, Pirich, Augner, Kratzer, Inci, Kartnig, Offner, Sungler, Ewers, Iglseder

29.03.2018    Erste Überlegungen zur Konstituierung der zentralen Arbeitsgruppe

                   Termin Iglseder, Ewers

22.05.2018    Rückmeldung an die ärztliche Direktion, erste Formulierungen des Projektauftrages

                   Termin Ewers, Augner

21.06.2018    Sondierungsgespräch E-Tool als Lernbaustein zum Thema Demenz/ Delir

Termin mit Augner, Ewers, Meusburger

08.07.2018    Einreichung der ersten Fassung des Projektauftrages

16.08.2018    Überarbeitung erste Fassung Projektauftrag

Termin Iglseder, Ewers, Kartnig

28.08.2018    Spezifizierung Projektrauftrag

Termin Köhler, Hader, Ewers, Iglseder, Kartnig

11.09.2018    Finale Bearbeitung des Projektauftrags

Termin Iglseder, Ewers, Kartnig

01.10.2018    Beginn Wolfgang Mayerhofer als wissenschaftlicher Mitarbeiter Pflege im Projekt

29.10.2018    Freigabe des eingereichten Projektantrages durch die Geschäftsführung

26.11.2018    Planung der inhaltlichen Umsetzung des E-Tools zum Thema Demenz/Delir

                   Termin Ewers, Mayerhofer, Meusburger, Brandstätter

18.12.2018    Arbeitsgruppensitzung zur Erarbeitung der Inhalte des E-Tools

Termin Ewers, Iglseder, Mayerhofer, Kartnig

13.02.2019    Arbeitsgruppensitzung zur Erarbeitung der Inhalte des E-Tools

Erstellung, Einkauf und Sichtung passender Videosequenzen, Klärung Datenschutz mit BIZ und IT zum verwendeten Material auf Folien

Termin Ewers, Iglseder, Mayerhofer, Kartnig

13.03.2019    Arbeitsgruppensitzung zur Erarbeitung der Inhalte des E-Tools

Termin Ewers, Iglseder, Mayerhofer, Kartnig

                   Weitere Meilensteinplanung (Auszug aus Projektantrag)

Erstellung E-Tool: (1. März bis 30. Juni 2019)

Pflege und Medizin (Ewers, Mayerhofer, Iglseder, Kartnig)

  • Aufbau der Themen

  • Aufbau Folien/Bausteine, Verschriftlichung aller notwendigen Folien in Theorie und Praxis

  • Abstimmungen/Rückmeldungen zwischen Pflege und Medizin

  • Erstellung und Verschriftlichung von Praxisbeispielen bezüglich Demenz und Delir-Kommunikationsmethoden und Techniken, Biographiebezug in der Pflege, personzentrierter Umgang nach Kitwood, Bereichspflege, herausforderndes Verhalten u.v.m.

  • Erstellung von Assessment/Screening Instrumente Delir und Demenz

  • Erstellung von Fragen bezüglich Wissenskontrollen und deren Antworten im Multiple-Choice-Stil

  • Erstellung/Übernahme/Adaptierung von Checkliste Demenz

  • Erstellung/Übernahme/Adaptierung von Checkliste Delir Faktoren für Auslöser

  • Interventionsliste Delir und Demenz Erstellung/Übernahme/Adaptierung

    Umsetzung E Tool: (1. Juli bis 31.Oktober 2019)

BIZ +IT Abteilung

  • Erstellung des Tools

  • Bilder, Vertonung, Animation

  • < >

    Information der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter über das Projektvorhaben via Email und Kommunikation über Pflegedienstleitungen, Stationsleitungen, Dienstbesprechungen

  • Planung der Präsenzphasen für 2020

  • Erarbeitung eines Evaluationsbogens

    Kontrolle E Tool: (1. November bis 30. November)

    Medizin und Pflege (Iglseder, Kartnig, Ewers, Mayerhofer)

  • Durchsicht/Testung des E-Tools

  • gegebenenfalls Adaptierung des E-Tools

  • Überprüfung der Wissenskontrolle

    Start Echtbetrieb E-Tool Haus A und Universitätsklinik für Urologie am 1. Dezember 2019

 

Zu Frage 4: Wurde gestützt auf den Ergebnissen der Arbeitsgruppe geprüft, welche Möglichkeiten zur Forcierung einer umfassenden Implementierung von Delir-Präventionsprogrammen an den Salzburger Fonds-Krankenhäusern bestehen?

 

Ja, laut Information der SALK erfolgte eine eingehende Prüfung durch die Arbeitsgruppe in Rücksprache mit der Geschäftsführung.

 

Zu Frage 4.1.: Wenn ja, wie lautet das Ergebnis der Prüfung und welche Schritte wurden empfohlen bzw. gesetzt?

 

Es wurde festgelegt, in einem ersten Schritt das oben beschriebene Projekt durchzuführen. Die aktuell bekannten Präventionsprogramme zur Demenz bzw. zum Delir (z. B. HELP) können aufgrund ihrer Komplexität und der notwendigen Anpassung an den Versorgungsauftrag des Universitätsklinikums nicht zeitnah umgesetzt werden. Gleichwohl ist es das Bestreben des Universitätsklinikums, Präventionsmaßnahmen zur Vermeidung eines Delirs/einer Demenz einzuleiten. Das aktuelle Projekt stellt somit nur den ersten Schritt einer weiteren Vertiefung und Verankerung des Themas in der SALK dar.

 

Flankierend zum aktuellen Projekt erfolgte von November 2018 bis März 2019 eine Prävalenz-erhebung zum postoperativen Delir bei kardiochirurgischen Patienten vom Operationstag bis zum 5. postoperativen Tag. Studienleiter ist Ass. Prof. PD Dr. Andre Ewers, MScN. Die Datenerhebung ist seit dem 28. Februar 2019 abgeschlossen, aktuell erfolgt die Auswertung der Daten.

 

Darüber hinaus besteht auf der Chirurgischen Intensivstation (Chirurgie West Intensiv) eine interne Arbeitsgruppe aus Pflegenden und Ärzteschaft, die anhand einer umfassenden wissenschaftlichen Literaturanalyse Maßnahmen zur Prävention eines postoperativen Delirs identifiziert haben und aktuell den Transfer dieser Interventionen in den Arbeitsalltag planen. Die Literaturrecherche und Interpretation erfolgte unter Begleitung von Ass. Prof. PD Dr. Andre Ewers, MScN.

 

Zu Frage 4.2.: Wenn nein, warum nicht?

 

-

 

Zu Frage 5: Wurde ein Plan für den Umgang mit Delir-Patientinnen und –Patienten für alle SALK-Krankenhäuser entwickelt?

 

Laut Auskunft der Arbeitsgruppe in den SALK werden Empfehlungen innerhalb des E-Tools für den Umgang mit an Demenz oder Delir erkrankten Patientinnen und Patienten gegeben.

 

Zu Frage 5.1.: Wenn ja, was sieht dieser Plan vor und wie und an welchen Standorten wird dieser umgesetzt?

 

Laut Auskunft der Arbeitsgruppe in den SALK ist ein medikamentöser, standardisierter Behandlungsplan als Behandlungsschema für die Patientinnen und Patienten nicht zielführend, da die medikamentöse Behandlung individuell und nicht mit standardisierter Medikation vorgenommen werden sollte. Die pflegerischen Interventionen liegen vornehmlich im Bereich der personenzentrierten Pflege (Kitwood 2008) und der personenzentrierten Kommunikation in Anlehnung an Feil (2005) und Richards (2004), sowie dem Umgang mit herausforderndem Verhalten der Patientinnen und Patienten. Nach Abschluss des Projektes soll überlegt werden, die zentralen Informationen zum Thema Demenz und Delir als kleine Pocketmappe für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zusammenzufassen.

 

Zu Frage 5.2.: Wenn nein, warum nicht?

 

-

 

Zu Frage 6: Warum wurde dem Salzburger Landtag gemäß dem Beschluss vom 21. März 2018 nicht zeitgerecht berichtet?

 

Aufgrund der besonderen Bedeutung des Programmes, seines umfassenden, multidisziplinären und praxisorientierten Ansatzes wird im Dienste seiner nachhaltigen Verankerung die Gesundheitsplattform am 21. Mai 2019 damit befasst. Es ist daher zweckmäßig, dass die Beratungsergebnisse der Gesundheitsplattform im Bericht an den Salzburger Landtag enthalten sind.     

 

Zu Frage 7: Wann wird dem Salzburger Landtag gemäß dem Beschluss vom 21. März 2018 berichtet?

 

Dem Salzburger Landtag wird nach der Befassung der Gesundheitsplattform am 21. Mai 2019 einschließlich deren Ergebnisse berichtet.

 

Literatur:

Kitwood, T. (2008). Demenz. Der personzentrierte Ansatz im Umgang mit verwirrten Menschen. Huber Verlag: Bern

Richards, N. (2004). Kommunikation und Körpersprache mit Menschen mit Demenz-die integrative Validation (IVA). Zugriff am 25.11.2018

http://www.integrative-validation.de/files/iva/pdf/Artikel%20Unterricht%20Pflege%205.2004.pdf

Feil, N. (2005). Validation – Ein Weg zum Verständnis verwirrter alter Menschen. Reinhardt Verlag: München

 

Ich ersuche das Hohe Haus um Kenntnisnahme dieser Anfragebeantwortung.

 

 

Salzburg, am 21. März 2019

 

Dr. Stöckl eh.