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Nr. 307 der Beilagen zum stenographischen Protokoll des Salzburger Landtages
(2. Session der 16. Gesetzgebungsperiode)

Dringlicher Antrag

 

der Abg. Klubvorsitzenden Steidl, Thöny MBA und Forcher betreffend „Young Carers“ -

Kinder und Jugendliche als pflegende Angehörige

 

 

In Salzburg gibt es ca. 2.500 Kinder, die ihre zum Teil chronisch kranken Eltern dauerhaft pflegen. Diese sogenannten „Young Carers“ bemerken oft selbst gar nicht, wie groß die damit verbundene Belastung für sie ist. Sie sind zu sehr mit den Hürden des Alltags beschäftigt, um ihre psychisch oder körperlich erkrankten Elternteile zu unterstützen. Dabei übernehmen pflegende Kinder und Jugendliche die Organisation des Haushalts, bringen sich bei der Erziehung ihrer Geschwister ein, leisten die direkte Pflege des erkrankten Elternteils etc. Zwangsläufig stellen „Young Carers“ ihre eigenen Wünsche und Interessen dafür oft zurück.

 

Im Jahr 2012 gab das Sozialministerium eine Studie beim Institut für Pflegewissenschaft der Universität Wien zum Thema „Kinder und Jugendliche als pflegende Angehörige. Einsicht in die Situation gegenwärtiger und ehemaliger pflegender Kinder in Österreich“ in Auftrag. Veröffentlicht wurde das Ergebnis 2014.[1] Hochgerechnet gibt es demnach rund 42.000 pflegende Kinder und Jugendliche zwischen 5 und 18 Jahren, wobei es sich laut den Autorinnen und Autoren dabei um den untersten anzunehmenden Wert handelt.

 

Im Ergänzenden Bericht der Kinder- und Jugendanwaltschaften Österreichs zum 5. und 6. Bericht der Republik Österreich an die Vereinten Nationen gemäß Artikel 44 Absatz 1 b des

Übereinkommens über die Rechte des Kindes wird besonders die belastende Situation von Kindern psychisch kranker Eltern betont. Bei diesen Kindern ist von einem drei- bis siebenfach erhöhten Risiko der Entwicklung einer eigenen psychischen Störung auszugehen. Diese Young Carers sind einer erheblichen Dauerbelastung ausgesetzt und brauchen besondere Unterstützungsmaßnahmen.[2]

 

 

Die Dringlichkeit ergibt sich aus dem oben angeführten Sachverhalt.

 

In diesem Zusammenhang stellen die unterzeichneten Abgeordneten den

 

dringlichen Antrag,

 

der Salzburger Landtag wolle beschließen:

 

  1. Die Landesregierung wird aufgefordert, den Psychosozialen Beirat des Landes mit der Bildung einer Arbeitsgruppe zu beauftragen, die zum Thema „Kinder und Jugendliche als pflegende Angehörige“ Unterstützungsmöglichkeiten und Maßnahmen in einem Konzept für das Bundesland Salzburg erarbeitet sowie

 

  1. dem Landtag bis zum 31.Oktober 2019 zu berichten.

     

  2. Dieser Antrag wird dem Sozial-, Gesellschafts- und Gesundheitsausschuss zur weiteren Beratung, Berichterstattung und Antragstellung zugewiesen.

     

Für diesen Antrag wird gemäß § 60 Abs. 4 GO-LT die Zuerkennung der Dringlichkeit begehrt.

 

 

Salzburg, am 10. April 2019

 

Steidl eh.

Thöny MBA eh.

Forcher eh.

 

 

[1] https://www.ig-pflege.at/downloads/news/2013/Kinder-und-Jugendliche-als-pflegende-Angehoerige_Webversion.pdf?m=1368013137

 

[2] https://www.kija.at/images/Erg%C3%A4nzender%20Bericht%20der%20kijas%20%C3%96sterreichs%202019_0d359.pdf