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Nr. 333 der Beilagen zum stenographischen Protokoll des Salzburger Landtages
(2. Session der 16. Gesetzgebungsperiode)

Bericht

 

des Sozial-, Gesellschafts- und Gesundheitsausschusses zum dringlichen Antrag

der Abg. Klubvorsitzenden Steidl, Thöny MBA und Forcher (Nr. 307 der Beilagen) betreffend „Young Carers“ - Kinder und Jugendliche als pflegende Angehörige

 

 

Der Sozial-, Gesellschafts- und Gesundheitsausschuss hat sich in der Sitzung vom 10. April 2019 mit dem dringlichen Antrag befasst.

 

Klubvorsitzender Abg. Steidl wird als neuer Berichterstatter bekanntgegeben und führt aus, dass sich Kinder und Jugendliche als pflegende Angehörige nicht nur um die Pflege, sondern auch um den Haushalt und Geschwister kümmern und dabei Übermenschliches leisten würden. Es könne aber nicht Aufgabe von Kindern sein, Pflegetätigkeiten zu organisieren. Darüber hinaus würde dies in der Folge zu vielen weiteren Problemen und Spätfolgen führen. Nötig seien deshalb niederschwellige Angebote und Strukturen der Unterstützung. Es wäre wünschenswert, dass der psychosoziale Beirat eine Arbeitsgruppe beauftrage, ein entsprechendes Konzept vorzubereiten.

 

Landtagspräsidentin Dr.in Pallauf stimmt ihrem Vorredner zu und ergänzt, dass es wichtig sei, an die betroffenen Kinder und Jugendlichen heranzukommen. In Salzburg seien etwa 2.000 Kinder betroffen. Es gebe viele Spielarten der Belastung, die den Kindern und Jugendlichen keineswegs bewusst seien, weshalb Maßnahmen notwendig seien. Der Beirat für Psychosoziale Gesundheit sei bereits mit einer Arbeitsgruppe aktiv, um familienentlastende Hilfen bereitzustellen. In anderen Bundesländern gebe es Angebote, die man ebenfalls in die Überlegungen miteinbeziehen solle.

 

Abg. Dr. Schöppl bedankt sich für den Antrag und die Initiative und fügt an, dass auch leichtere, zeitlich begrenzte Fälle von Pflegeleistungen zu berücksichtigen seien. Es müsse die ganze Breite des Problems getroffen und den Menschen geholfen werden. Dem Ansinnen, Ideen erfolgreicher Projekte anderer Bundesländer aufzunehmen, sei zuzustimmen.

 

Klubobfrau Abg. Mag.a Dr.in Humer-Vogl bringt vor, dass Kinder körperlich erkrankter Eltern schwerer zu erreichen seien als Kinder psychisch erkrankter Menschen. Notwendig seien auch Sensibilisierungsmaßnahmen in der Gesellschaft, damit diese auf das Problem aufmerksam werde. Es handle sich um eine Querschnittsmaterie, die die Zusammenarbeit der Bereiche Gesundheit, Familie und Soziales übergreifend notwendig mache.

 

Zweiter Präsident Dr. Huber fügt hinzu, dass man sich in Großbritannien schon seit den 90er-Jahren mit dem Thema beschäftige. Dort gebe es mehr als 300 Programme der Hilfe sowie ein sehr hohes Bewusstsein in der Bevölkerung. Dieses fehle bei uns noch. Da etwa 70 % der Pflegeleistenden Mädchen seien, sei die Frage zu stellen, ob es für diese Gruppe spezielle Unterstützungsangebote gebe.

 

Frau Eher MBA BA BSc (Verein JoJo) führt auf die Fragen der Abgeordneten aus, dass der Begriff „Young Carer“ den Umfang der Pflegeleistungen gut erfasse, weil nicht nur körperliche Pflege geleistet werde. Es sei notwendig, die Familiensysteme zu stärken, damit die Kinder und Jugendlichen nicht krank würden. Es müsse das Tabu der psychischen Erkrankung bedacht werden, das nach innen und außen wirke. Kinder würden oft in Schuldgefühle rutschen. In 70 % seien Mutter und Kind betroffen, wobei häufig kein Familien- oder Freundeskreis vorhanden sei. Das fehlende soziale Netz könne durch Patenschaftsprojekte, das die Kinder begleiten, erweitert werden. In Schulen würde auf Projekte sehr unterschiedlich reagiert werden. Aufgrund der Parentifizierung könnten Jugendliche außerdem kaum erreicht werden, weshalb es wichtig sei, in sehr frühem Alter an die Kinder zu gelangen.

 

Univ.-Prof. Dr. Aichhorn MBA (SALK) erläutert, dass bei einer Parentifizierung Kinder Rollen annehmen würden, die ihnen nicht zustehen würden und diese sich ihre eigene Kindheit nähmen. In Untersuchungen sei geklärt worden, dass dies oft Ursache für spätere psychische Erkrankungen sei. 38,6 % der Kinder von Patientinnen und Patienten seien psychisch auffällig. Für diese sei das Präventionsprojekt PrEKidS entwickelt worden. 80 % der im Krankenhaus aufgenommenen Patienten und Patientinnen würden davon erfahren und ein Betreuungsangebot erhalten. Viele würden das Angebot erst später annehmen. Es gebe noch viele Tabus, die zu beseitigen seien. Das Projekt laufe seit drei Jahren gut und es wäre wünschenswert, dass es weitergeführt würde, da über die Klinik die relevante Gruppe erreicht werden könne. Im Jahr 2019 seien bereits 30 Familien in Betreuung, im Jahr 2018 seien es 52 Familien gewesen. Das Projekt, das auch den Kinderrechtspreis erhalten habe, hätte einen multiplikatorischen Effekt.

 

Herr Lasselsberger DSA (kija) berichtet, dass von der kija ein Bericht zu diesem Thema an die Vereinten Nationen verfasst worden sei, der auch Empfehlungen enthalte. Persönliche Erfahrungen zeigten, dass auch Auswirkungen auf die spätere Berufswahl beobachtbar seien.

 

Mag.a Kinzl-Wallner (Referat 3/05) führt aus, dass der Beirat für Psychosoziale Gesundheit des Landes aus Expertinnen und Experten der Bereiche Geronto, Erwachsene und Kinder und Jugend zusammengesetzt sei. Bei Querschnittsmaterien würde sich der Beirat zusätzliche Experten aus den jeweiligen Bereichen holen. Prinzipiell würde sich die Struktur des Beirats für ein solches Querschnittsthema eignen. Überlegt werden solle allerdings, ob die angepeilte Frist für einen Bericht nicht zu knapp bemessen sei.

 

Landeshauptmann-Stellvertreter Dr. Schellhorn bedankt sich für die konstruktive Diskussion zu diesem wichtigen Thema. Erforderlich seien ergänzende Sensibilisierungsmaßnahmen, da es sich um ein in der Gesellschaft tabuisiertes Thema handle. Eine Möglichkeit wäre, mit Kunst und Kultur in diesem Bereich zu sensibilisieren und die psychosoziale Gesundheit weiterzuentwickeln. Er habe beispielsweise angeregt, dass das Mozarteumorchester, das jedes Jahr ein soziales Projekt fördern würde, heuer den Verein JoJo unterstütze. Den Vorschlag, an den Beirat für Psychosoziale Gesundheit heranzutreten, befürworte er. Der Bericht des Rechnungshofes habe der psychosozialen Gesundheit und dem Beirat für Psychosoziale Gesundheit des Landes ein gutes Zeugnis ausgestellt. Es solle nun angestrebt werden, für diesen auch eine rechtliche Grundlage zu schaffen.

 

Die Ausschussmitglieder kommen überein, den Antrag dahingehend zu modifizieren, dass in Pkt. 1 die korrekte Bezeichnung des Beirates verwendet werden soll und in Pkt. 2 anstelle eines fixen Berichtsdatums eingefügt wird, dass dem Landtag laufend über Ergebnisse zu berichten ist.

 

Der modifizierte Antrag wird in der Folge einstimmig angenommen.

 

Der Sozial-, Gesellschafts- und Gesundheitsausschuss stellt einstimmig den

 

Antrag,

 

der Salzburger Landtag wolle beschließen:

 

1.     Die Landesregierung wird aufgefordert, den Beirat für Psychosoziale Gesundheit des Landes mit der Bildung einer Arbeitsgruppe zu beauftragen, die zum Thema „Kinder und Jugendliche als pflegende Angehörige“ Unterstützungsmöglichkeiten und Maßnahmen in einem Konzept für das Bundesland Salzburg erarbeitet sowie

 

2.     dem Landtag über die Ergebnisse laufend zu berichten.

 

 

Salzburg, am 10. April 2019

 

Die Vorsitzende:

Mag.a Jöbstl eh.

 

Der Berichterstatter:

Steidl eh.

 

Beschluss des Salzburger Landtages vom 10. April 2019:

Der Antrag wurde einstimmig zum Beschluss erhoben.