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Nr. 210-BEA der Beilagen zum stenographischen Protokoll des Salzburger Landtages
(2. Session der 16. Gesetzgebungsperiode)

Beantwortung der Anfrage

 

der Abg. Thöny MBA und Dr.in Dollinger an Landeshauptmann-Stellvertreter Dr. Schellhorn (Nr. 210-ANF der Beilagen) betreffend die Absicherung von Krisenpflegeeltern

 

 

Hohes Haus!

 

Zur Beantwortung der Anfrage der Abg. Thöny MBA und Dr.in Dollinger betreffend die Absicherung von Krisenpflegeeltern vom 13. März 2019 erlaube ich mir, Folgendes zu berichten:

 

Zu Frage 1: Wie viele Bereitschafts-/Krisenpflegeeltern und wie viele Dauerpflegeeltern gibt es in Salzburg? (Es wird um Auflistung der Jahre 2013 bis 2019 und nach Bezirken ersucht.)

 

In den Jahren 2015 bis 2018 gab es insgesamt:

 

2015 – 290 Pflegepersonen

2016 – 294 Pflegepersonen

2017 – 292 Pflegepersonen

2018 – 296 Pflegepersonen

 

Eine weitere Unterscheidung in Krisenpflegepersonen und Dauerpflegepersonen gibt es nicht. Nach dem Salzburger Kinder- und Jugendhilfegesetz werden Pflegeverhältnisse in Bereitschaftspflege, volle Erziehung (nahe und nicht nahe Angehörige) und private Pflegeverhältnisse unterschieden. Durchschnittlich gab es in den vergangenen Jahren fünf bis acht Pflegepersonen, die Kinder in Bereitschaftspflege genommen haben.

 

Zu Frage 2: Wie viele Kinder im Bundesland Salzburg befinden sich derzeit bei Krisenpflegeeltern bzw. Dauerpflegeeltern? (Es wird um Auflistung nach Anzahl der Kinder bei Krisenpflegeeltern und Anzahl der Kinder bei Dauerpflegeeltern sowie jeweils des Alters der Kinder und die Dauer der Betreuung ersucht, in den Jahren 2013 bis 2019 und nach Bezirken ersucht.)

 

In der nachstehenden Tabelle werden die betreuten Pflegekinder im Bundesland Salzburg vom Dezember 2018 und von den Jahren 2015 bis 2018 aufgelistet.

 

 

Dezember 2018

Kinder bei Bereitschaftspflege-

personen

Kinder bei Pflegepersonen volle Erziehung

Private Pflegeverhältnisse Kinder

Magistrat

4

58

3

Hallein

 

25

2

Sbg. Umgeb.

1

74

1

St. Johann

 

22

1

Tamsweg

 

25

 

Zell am See

 

38

5

 

Magistrat

2015

2016

2017

2018

Krisenpflege

9

8

8

8

Volle Erziehung

64

62

62

64

Private PfV

3

5

3

5

 

Hallein

2015

2016

2017

2018

Krisenpflege

4

3

 

3

Volle Erziehung

33

38

35

31

Private PfV

 

2

4

3

 

Sbg. Umgeb.

2015

2016

2017

2018

Krisenpflege

2

3

6

5

Volle Erziehung

98

88

87

83

Private PfV

3

3

2

1

 

St. Johann

2015

2016

2017

2018

Krisenpflege

 

 

 

 

Volle Erziehung

26

28

26

24

Private PfV

1

1

1

1

 

Tamsweg

2015

2016

2017

2018

Krisenpflege

6

4

 

2

Volle Erziehung

25

27

34

26

Private PfV

 

 

 

 

 

Zell am See

2015

2016

2017

2018

Krisenpflege

5

1

2

 

Volle Erziehung

50

50

48

39

Private PfV

5

5

5

5

 

Nachstehend wird das statistisch erfasste Alter der Kinder, welche bei Bereitschaftspflegepersonen vorübergehend untergebracht wurden, dargestellt. Über die Dauer der Unterbringung stehen keine Auswertungen zur Verfügung.

Durch Mehrfachzählungern (mehrere Wechsel innerhalb der Pflegeverhältnisse) weichen die Summen geringfügig von der vorhergehenden Tabelle ab.

 

Magistrat

2015

2016

2017

2018

0 bis 5 J

5

7

5

5

6 bis 15 J

1

 

1

1

16 bis 18 J

1

 

 

 

 

Hallein

2015

2016

2017

2018

0 bis 5 J

 

 

 

1

6 bis 15 J

4

3

 

2

16 bis 18 J

 

 

 

 

 

Sbg.Umgeb.

2015

2016

2017

2018

0 bis 5 J

 

 

 

3

6 bis 15 J

1

2

3

2

16 bis 18 J

 

1

 

 

 

Tamsweg

2015

2016

2017

2018

0 bis 5 J

1

1

 

 

6 bis 15 J

4

1

 

1

16 bis 18 J

1

1

 

1

 

Zell am See

2015

2016

2017

2018

0 bis 5 J

1

1

1

 

6 bis 15 J

2

 

1

 

16 bis 18 J

1

 

 

 

 

Im Bezirk St. Johann im Pongau wurden in den Jahren 2015 bis 2018 keine Kinder in Bereitschaftspflegefamilien untergebracht.

 

Zu Frage 3: Wie viele Betreuungen sind bzw. waren gerichtlich angeordnet? (Es wird um Auflistung der Jahre 2013 bis 2019 und nach Bezirken ersucht.)

 

 

Folgende Angaben (jährliche Durchschnittwerte) von den Jahren 2015 bis 2018 liegen vor.

 

Pflegekinder

2015

2016

2017

2018

freiwillig

155

155

148

145

gerichtlich

137

133

127

118

Summe

292

288

275

263

 

Akte

2015

2016

2017

2018

Magistrat

67

65

60

62

Hallein

32

35

33

30

Sbg. Umgebung

90

84

84

80

St. Johann

25

26

24

23

Tamsweg

24

24

24

24

Zell am See

54

53

50

44

Summe

292

288

275

263

 

Zu Frage 4: Wird die Salzburger Landesregierung eine Ersatzleistung für die ersten 90 Tage des fehlenden Kinderbetreuungsgeldes für die Krisenpflegeeltern ausbezahlen?

 

Die Auswirkungen der Bundesregelung und Änderungen im Familienlastenausgleichsgesetz werden sich in der Vollzugspraxis zeigen. Es kann die Anzahl der Kinder in Bereitschaftspflegefamilien nicht beziffert werden, die die grundsätzlichen Voraussetzungen für den Anspruch von Kinderbetreuungsgeld auf Grund des Alters und der Dauer der Gefährdungsabklärung von weniger als 90 Tagen erfüllen.

 

Zu Frage 4.1.: Wenn ja, in welcher Höhe?

Zu Frage 4.2.: Wenn nein, warum nicht?

 

Siehe Beantwortung der Frage 4.

 

Zu Frage 5: Werden Sie dem Beispiel der Stadt Salzburg folgen und Pflegeeltern dauerhaft anstellen, damit sie auch durchgehend pensions- und sozialversicherungsrechtlich abgesichert sind?

 

In der Stadt Salzburg wurde eine Bereitschaftspflegeperson beim Magistrat angestellt. Der Vorschlag der Anstellung geht auf die Arbeitsgruppe im Rahmen der Optimierung des Pflegekinderwesens zurück. Die Stadt hat hier in einem Einzelfall vorab gehandelt, bevor das vom Land als zuständiger KJH-Träger erarbeitete Modell zur Umsetzung gekommen ist.

Die Anstellung für Bereitschaftspflegepersonen wurde vom Land Salzburg ausgelobt. Alle anerkannten Organisationen der Kinder- und Jugendhilfe im Bundesland Salzburg bzw. Organisationen, welche eine Anerkennung beabsichtigen, können bis zum 30. April 2019 Angebote einreichen. Die Rahmenbedingungen der Auslobung finden sich hier: https://www.salzburg.gv.at/soziales_/Documents/Bereitschaftspflegepersonen_J.pdf

Die Umsetzung des ausgewählten Modells soll ab 1. Juli 2019 beginnen.

 

Zu Frage 5.1.: Wenn ja, ab wann?

Zu Frage 5.2.: Wenn nein, warum nicht?

Zu Frage 6: Werden Sie die Anstellung der Krisenpflegeltern über einen Träger mit Förderung des Landes organisieren?

Zu Frage 6.1.: Wenn ja, um welchen Träger handelt es sich und ab wann?

Zu Frage 6.2.: Wenn nein, warum nicht?

 

Siehe Beantwortung der Frage 5.

 

Zu Frage 7: Welche Lösung haben sie für die Bereitschafts- bzw. Krisenpflegeeltern, um diese abzusichern?

 

Bereitschaftspflegepersonen sollen im Rahmen echter Dienstverhältnisse bei einer privaten Kinder- und Jugendhilfeorganisation durchgängig angestellt werden.

Das Tätigkeitsgebiet der Anstellung der Bereitschaftspflegepersonen auf Grundlage eines Dienstverhältnisses im Rahmen der vollen Erziehung umfasst den sozialpädagogischen Mehraufwand in folgenden Bereichen wie:

 

  • Mehraufwand der Pflege und Erziehung des Pflegekindes, bedingt durch die Krisensituation

  • Durchgehende Erreichbarkeit und Bereitschaft zur Aufnahme eines Kindes

  • Regelmäßige Supervision

  • Kontaktpflege zu Bezugspersonen

  • Besprechungen mit Mitarbeiterinnen/Mitarbeiter der Kinder- und Jugendhilfe und dem Arbeitgeber

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    Einhaltung der einschlägigen gesetzlichen Bestimmungen

     

    Der Aufwand für diese Tätigkeiten ist mit zehn Stunden wöchentlich (Durchrechnung halbjährlich) angesetzt.

     

    Zu Frage 7.1.: Wie hoch sind die dafür budgetierten Mittel?

     

    Es wurden Mittel in der Höhe von € 200.000,-- jährlich vorgesehen.

     

    Zu Frage 7.2.: Ab wann gibt es diese Lösung?

     

    Siehe Beantwortung der Frage 5.

     

     

    Zu Frage 8: Wie ist der aktuelle Umsetzungs-/Planungsstand der Verbesserungsvorschläge der von Landeshauptmann-Stellvertreter Dr. Schellhorn eingesetzten Arbeitsgruppe zum Pflegeelternwesen (siehe Bericht aus der Kinder- und Jugendhilfe Zahl 20302-2/2431/57-2018 „Optimierung des Pflegeelternwesens“)? (Es wird um den aktuellen Stand der Umsetzung, Planung bzw. Erledigung und Zeitplan zu dem jeweiligen Verbesserungsvorschlag ersucht.)

     

    Hinsichtlich der Maßnahmen, welche mit geringen Ressourcenaufwand umzusetzen waren – Supervision, Vernetzung zwischen den Pflegeeltern, Imagepflege, Planbarkeit für Bereitschaftspflegepersonen – wurden die Mitarbeiterinnen/Mitarbeiter der Kinder- und Jugendhilfe angehalten, sich verstärkt dafür einzusetzen, dass die niederschwellige Vernetzung wie Pflegeelterntreffen, Familienausflüge u. ä. weiterhin in ihrem Wirkungskreis möglich sind bzw. möglich gemacht werden. Ich habe zum Auftakt alle Pflegefamilien in das Freilichtmuseum Großgmain eingeladen. Eine weitere derartige Einladung ist in Planung. Auch halten die Mitarbeiterinnen/Mitarbeiter der Kinder- und Jugendhilfe verstärkt Kontakt zu Bereitschaftspflegepersonen, damit Beginn und Beendigung eines Pflegschaftsverhältnisses weniger unvorhergesehen stattfindet. Der gegenseitige intensive Austausch wird von Bereitschaftspflegepersonen geschätzt. Gerade diese Personengruppe trägt einen nicht unwesentlichen Teil dazu bei, dass sich Paare/Familie für eine Pflegeelternschaft auf Zeit entscheiden. Die Anstellung der Bereitschaftspflegepersonen ist ein weiterer Anreiz, Pflegepersonen für diese besondere Tätigkeit zu motivieren und die Rahmenbedingungen für diese zu verbessern. Das Angebot der Supervision bzw. der Supervisionsgruppen wird laufend ausgebaut und auch stärker differenziert. So gibt es Gruppen von Pflegeeltern, welche Kinder unter zehn Jahren betreuen und Gruppen mit Pflegeeltern, die Jugendliche durch die Pubertät begleiten. Die Differenzierung ist für Gruppen im Großraum Salzburg gut umzusetzen, in den Bezirken mit wenig Pflegefamilien ist dies schwieriger. Großeltern, die Pflegschaftsverhältnisse übernommen haben, wird verstärkt Supervision angeboten. Diese nehmen die Unterstützung großteils im Einzelsetting in Anspruch.

    Maßnahmen, welche zusätzliche personelle Kapazitäten für die Betreuung und Begleitung von Pflegeeltern, Pflegekindern und deren Herkunftsfamilien erfordern würden wie beispielsweise intensivierte Elternarbeit, konnten aufgrund fehlender Personalressourcen in der Kinder- und Jugendhilfe in den Bezirken nicht umgesetzt werden.

     

    Ich ersuche das Hohe Haus um Kenntnisnahme dieser Anfragebeantwortung.

     

     

    Salzburg, am 24. April 2019

     

    Dr. Schellhorn eh.