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Nr. 113 der Beilagen zum stenographischen Protokoll des Salzburger Landtages
(3. Session der 16. Gesetzgebungsperiode)

Dringlicher Antrag

 

der Abg. Klubvorsitzenden Steidl, Forcher, Thöny MBA und Mösl MA betreffend

die Einführung von Praktikumsentgelten für die Pflegeausbildung

 

 

Aus dem Bericht der Pflegeplattform geht hervor, dass bis 2020 900 Pflegekräfte fehlen. Angesichts der demographischen Entwicklung der Bevölkerung und der bevorstehenden Pensionierungswelle in der Pflege ist es unerlässlich, nicht nur neue Ausbildungsplätze zu schaffen und den Pflegeberuf zu attraktivieren, sondern bereits die Ausbildung für die Pflegeberufe attraktiv zu gestalten.

Das Ausmaß an Praxisstunden ist sehr hoch und höchstens mit der dualen Ausbildung vergleichbar:

 

  • Mindestens 530 Stunden Pflegeassistenz

  • Mindestens 1060 Stunden für Pflegefachassistenz

  • Mindestens 2480 Stunden für DGKP an der Gesundheits- und Krankenpflegeschule

  • Mindestens 2300 Stunden für GKP Bachelor an der Fachhochschule

 

Dem steht keine adäquate Entlohnung bzw. kein adäquates Entgelt gegenüber. Für die Ausbildung zum Diplom an den Gesundheits- und Krankenpflegeschulen gibt es das sogenannte Taschengeld von € 200 im ersten Ausbildungsjahr und bis zu € 500 im dritten Ausbildungsjahr. Diejenigen, die an der Fachhochschule studieren, bekommen keine „Bezahlung“, sondern bezahlen Studiengebühren. Die hohe Zahl an Praktikumsstunden bleibt jedoch bestehen.

 

Auch für Schülerinnen und Schüler der Pflegeassistenz und Pflegefachassistenz ist kein Taschengeld vorgeschrieben. Die Ausbildungsplätze an den unterschiedlichen Ausbildungseinrichtungen wurden vom Land Salzburg bereits erhöht. Es finden sich aber in der Pflegeassistenz, der Pflegefachassistenz und im gehobenen Gesundheits-und Krankenpflegedienst zu wenig Interessierte und viele der Studierenden brechen ihre Ausbildung vorzeitig ab.

 

Vor dem Hintergrund des bestehenden und künftigen Pflegepersonalmangels müssen weitere Anstrengungen unternommen werden, um den Studierenden, die finanziell nicht von ihren Eltern unterstützt werden können, den Zugang und die Ausbildung finanziell zu erleichtern. Schülerinnen und Schüler sowie Studierende werden im Rahmen ihres Praktikums immer öfter wie eine ausgebildete Pflegekraft eingesetzt. Dafür erhalten sie weder Praktikumsentgelt noch Taschengeld. Im Gegenteil, Fachhochstudierende müssen Studiengebühren und allfällige Seminargebühren für Exkursionen bezahlen. Dazu kommt, dass selbst in den SALK während des Praktikums auch das Mittagessen zu bezahlen ist. Solche Belastungen sind kein Aushängeschild für unsere Ausbildungseinrichtungen.

Für Pflichtpraktika im Bereich Tourismusausbildung, für HAK-, HLW- und HTL-Schülerinnen und –schüler wird schon jetzt ein angemessenes Praktikumsentgelt bezahlt. Der Maßstab ist meist in der Höhe der Lehrlingsentschädigung im 3. Lehrjahr.

 

Durch einen Vergleich wird die Ungerechtigkeit besonders deutlich: Die Jahresarbeitsstunden bei Vollbeschäftigung liegen bei rund 1600 Stunden. Eine angehende Pflegekraft im gehobenen Dienst hat fast das eineinhalbfache an Praxiszeit zu leisten. Ein „Danke“ ist da zu wenig.

 

Auch in den Pflegeberufen sollte die Wertschätzung dieser wichtigen Arbeit sichtbar gemacht und ein Praktikumsentgelt bezahlt werden. Die Dringlichkeit ergibt sich aus dem oben angeführten Sachverhalt und dem bestehenden Pflegepersonalmangel im Bundesland Salzburg.

 

In diesem Zusammenhang stellen die unterzeichneten Abgeordneten den

 

dringlichen Antrag,

 

der Salzburger Landtag wolle beschließen:

 

  1. Die Salzburger Landesregierung wird aufgefordert, die Studiengebühren für die Pflegeausbildung an der Fachhochschule Salzburg zu übernehmen und

 

  1. für das Praktikum im Rahmen der Ausbildung zur Pflegeassistenz, Pflegefachassistenz und zum gehobenen Dienst der Gesundheits- und Krankenpflege ein angemessenes Praktikumsentgelt in der Höhe einer durchschnittlichen Lehrlingsentschädigung im 3. Lehrjahr einzuführen.

     

  2. Dieser Antrag wird dem Sozial-, Gesellschaft- und Gesundheitsausschuss zur weiteren Beratung, Berichterstattung und Antragstellung zugewiesen.

 

Für diesen Antrag wird gemäß § 60 Abs. 4 GO-LT die Zuerkennung der Dringlichkeit begehrt.

 

 

Salzburg, am 6. November 2019

 

Steidl eh.

 

Forcher eh.

 

Thöny MBA eh.

 

Mösl MA eh.