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Nr. 083 der Beilagen zum stenographischen Protokoll des Salzburger Landtages
(3. Session der 16. Gesetzgebungsperiode)

Bericht

 

des Bildungs-, Sport- und Kulturausschusses zum Antrag der Abg. Mag. Scharfetter, Mag.Jöbstl, Mag. Zallinger und Bartel (Nr. 41 der Beilagen) betreffend ein

Maßnahmenprogramm zur Attraktivierung des Lehrberufes

 

 

Abg. Mag. Zallinger berichtet, dass sich in Salzburg eine breite Allianz aus Politik, Sozialpartnern, Arbeitsmarktservice und Bildungsdirektion gebildet habe, um Maßnahmen zur Aufwertung und Modernisierung der Lehre zu setzen. Salzburg habe sich zum Ziel gesetzt, das lehrlingsfreundlichste Bundesland zu werden. Ein erster sichtbarer Erfolg sei, dass die Zahl der Lehranfänger seit 2016 in Salzburg den höchsten Anstieg aufweise. Man plane nun weitere Maßnahmen, beispielsweise solle der Talentecheck weiter ausgebaut werden. Vermehrt wolle man auch jene Personengruppe ansprechen, die in Kürze die Matura machten. Damit könne man Maturanten und Maturantinnen, die nicht studieren wollten, ein attraktives Angebot offerieren. Wünschenswert sei, dass der erfolgreiche Salzburger Weg nun auch auf Bundesebene aufgenommen und weiter ausgebaut werde.

 

Abg. Rieder kündigt seitens der FPÖ die Unterstützung des Antrags an. Alle Maßnahmen zur Attraktivierung der Lehre seien zu befürworten. Das Herantreten an die Zielgruppe der Maturanten und Maturantinnen sei sinnvoll und notwendig. Es sollten alle Anstrengungen unternommen werden, um Informationen über die Fachkräfteausbildung zu intensivieren. Fachkräfte seien ein maßgeblicher Faktor für die Attraktivität eines Wirtschaftsstandorts. Bei den Experten erkundigt sich Abg. Rieder nach den Ursachen dafür, warum trotz einer Vielzahl an Lehrlingsinitiativen Lehrlinge schwer zu finden seien.

 

Landeshauptmann Dr. Haslauer berichtet, dass der Fachkräftemangel evident sei. Man habe derzeit 1.157 offene Lehrstellen, das sei ein Plus von 15,4 % im Vergleich zum Vorjahr. Dem gegenüber stünden 334 Lehrstellensuchende und habe man damit ein Minus von 12,6 % im Vergleich zum Vorjahr. Es gebe derzeit also dreimal mehr Lehrstellen als Lehrstellensuchende. In der Stadt Salzburg und im Zentralraum sei ein hoher Anteil an Gymnasiasten feststellbar, nämlich eine Quote von über 60 %. Das sei eine problematische Entwicklung. Salzburg habe sich deshalb zum Ziel gesetzt, das lehrlingsfreundlichste Bundesland zu werden. Es sei eine Arbeitsgruppe gebildet worden, die diverse Handlungsfelder definiert habe. Dazu gehörten: Berufsorientierung, Zielgruppe Maturanten, Bündelung von Initiativen und Angeboten, Unterstützung für Betriebe und Ausbildner, Unterstützung für Betriebe und Lehrlinge, positiver Lehrabschluss. Aus den Handlungsfeldern seien 19 Maßnahmen erarbeitet worden. Diese würden demnächst präsentiert und umgesetzt. Die Gruppe der Maturanten biete ein großes Potential und müsse richtig beraten werden. Dieser Gruppe biete man daher zukünftig einen Karrierecheck an. Ein weiteres Maßnahmenpaket sehe vor, den Maturantinnen und Maturanten eine verkürzte Lehrzeit und eigene Berufsschulklassen anzubieten. In diesem Zusammenhang könne es auch gelingen, dass die Lücke zwischen Lehrlingsentschädigung und Mindestlohn geschlossen werden könne. Diese Maßnahmenpakete seien für die Bereiche Mechatronik, Großhandel, Spediteure und Gastronomie auf den Weg gebracht worden. Er habe für die Budgetverhandlungen daher einen entsprechenden Betrag dafür angemeldet.

 

Abg. Forcher führt aus, dass die duale Berufsausbildung eine perfekte Möglichkeit für den Berufseinstieg darstelle. Salzburg zum lehrlingsfreundlichsten Bundesland machen zu wollen, sei zu befürworten. Dass man vermehrt Maturanten ansprechen wolle, sei ebenfalls begrüßenswert. Man müsse aber auch vermehrt Werbung dafür machen, dass es die Möglichkeit der Lehre mit Matura gebe. Die duale Berufsausbildung müsse allerdings noch mehr Qualität aufweisen. Viele Lehrlinge würden nämlich bereits in der Probezeit abbrechen, weitere würden im ersten und zweiten Lehrjahr einen Umstieg probieren. Auch die Quote jener, die bei der Lehrabschlussprüfung durchfielen, müsse reduziert werden. Es müsse das Ziel sein, dass alle, die zur Abschlussprüfung anträten, diese auch positiv abschlössen.

 

Abg. Heilig-Hofbauer BA verweist auf die Problematik, dass Lehrlinge abgeschoben würden, obwohl sie gut integriert seien. Dies erzeuge eine Schieflage und ein Umdenkprozess sei hier notwendig. Angesichts des konstatierten Fachkräftemangels sollte man sich bemühen, diese Menschen im Land zu halten. Bezüglich der Lehre mit Matura als auch der Lehre nach der Matura bekräftigt Abg. Heilig-Hofbauer BA, dass beide Aspekte notwendig seien. Als weitere Maßnahmen schlage er vor, ähnlich wie beim Studium den internationalen Austausch zu stärken, da dies die Lehre ebenfalls interessanter machen könne. Insgesamt befinde man sich mit den Maßnahmen auf einem richtigen Weg.

 

Abg. Weitgasser schließt sich ihren Vorrednern an und bekräftigt, dass das vorgestellte Maßnahmenpaket ambitioniert sei. Überaus zu begrüßen sei insbesondere der Aspekt des Karrierechecks für die Zielgruppe der Maturanten. In Österreich würden bisher nur 3,6 % der Maturantinnen und Maturanten eine Lehre beginnen, in Deutschland hingegen liege der Anteil bei 27 %. Anzumerken sei außerdem, dass es möglich sein solle, dass jeder Lehrberuf mit einer Matura abgeschlossen werden könne.

 

Auf die Frage zum Unterschied zwischen Talentecheck und Karrierecheck gibt Mag.Tischler (Wirtschaftskammer) die Auskunft, dass sich die Testverfahren unterschieden und sich der Karrierecheck an Menschen wende, die kurz vor oder nach der Matura stünden. Hier gehe es mehr in Richtung Berufsausbildung, während mit dem Talentecheck grundsätzliche Talente, Begabungen und Interessen identifiziert werden sollten. Es sei wichtig, die Möglichkeit einer Lehre nach der Matura stärker in das Bewusstsein zu rücken und das Image der Lehre weiter zu heben. Auch die Idee, die Berufsbildungs- und akademischen Weiterbildungspfade anzugleichen, sei sehr zu begrüßen. Zur Frage bezüglich der Schließung der Tourismusschule Bischofshofen erklärt die Expertin, dass sich das Gebäude in Bundesbesitz befände und umfangreiche Sanierungen anstünden. Die dort bereits getätigten Investitionen könnten nun andere Bildungseinrichtungen wie die BAfEP nutzen. Zur Ursache des Fachkräfte- und Lehrlingsmangels weist die Expertin auf die demographischen Entwicklungen hin. Hinzu käme ein insgesamt sehr breites Ausbildungsangebot, das den Jugendlichen zur Verfügung stehe.

 

 

Der Bildungs-, Sport- und Kulturausschuss stellt einstimmig den

 

Antrag,

 

der Salzburger Landtag wolle beschließen:

 

Die Landesregierung wird aufgefordert, an die Bundesregierung mit der Forderung heran-zutreten, ein Maßnahmenprogramm nach dem Vorbild von Salzburg zu erarbeiten, um den Lehrberuf zu attraktivieren.

 

 

Salzburg, am 9. Oktober 2019

 

Die Verhandlungsleiterin:

Mag.a Dr.in Humer-Vogl eh.

 

Der Berichterstatter:

Mag. Zallinger eh.

 

Beschluss des Salzburger Landtages vom 6. November 2019:

Der Antrag wurde einstimmig zum Beschluss erhoben.