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Nr. 219 der Beilagen zum stenographischen Protokoll des Salzburger Landtages
(3. Session der 16. Gesetzgebungsperiode)

Bericht

 

des Sozial-, Gesellschafts- und Gesundheitsausschusses zum Antrag der Abg. Klubobfrau Mag.a Gutschi, Bartel und Mag.a Jöbstl (Nr. 116 der Beilagen) betreffend ein Landärztestipendium

 

 

Der Sozial-, Gesellschafts- und Gesundheitsausschusses hat sich in der Sitzung vom
15. Jänner 2020 mit dem Antrag befasst.

 

Abg. Bartel berichtet, dass der Hausarzt nach wie vor die zentrale Anlaufstelle im Gesundheitssystem sei. Es werde aber immer schwieriger, die Stellen gerade im ländlichen Raum nachzubesetzen und somit die medizinische Versorgung sicherzustellen. Ein Stipendienprogramm, welches jene Studentinnen und Studenten der Humanmedizin besonders fördere, die bereit seien, nach erfolgter Ausbildung eine Kassenstelle im ländlichen Raum zu übernehmen, könnte die Lage verbessern.

 

Abg. Dr. Schöppl betont, dass der Antrag grundsätzlich die Forderungen der Freiheitlichen widerspiegle. Er weise jedoch darauf hin, dass dieses Stipendiensystem möglicherweise verfassungswidrig sei. Sinnvoll sei auch eine Ausweitung auf andere Bereiche, in denen Nachwuchsmangel bestehe, wie zB in der Pflege. Viele Ärztinnen und Ärzte würden nach absolviertem Studium ins Ausland abwandern oder seien nur zum Zweck der Ausbildung ins Land gekommen. Mit dieser Form des Stipendiums müsse sichergestellt werden, dass das erworbene Wissen von den Ärztinnen und Ärzten auch im Land verbleibe.

 

Klubobfrau Abg. Mag.a Dr.in Humer-Vogl sieht Stipendiensysteme grundsätzlich positiv, da diese den Menschen ermöglichten, ein langwieriges und schwieriges Studium zu absolvieren. Es werde aber viele Lösungsansätze brauchen, um die Gesundheitsversorgung der Bevölkerung langfristig abzusichern. Ein gutes Beispiel sei hier die neue medizinische Telefonauskunft, die bereits gut von der Bevölkerung angenommen werde und die Hausärzte entlaste.

 

Zweiter Präsident Dr. Huber weist darauf hin, dass es nicht ausschließlich um die Allgemeinmedizin gehen solle, sondern auch um die fachärztliche Versorgung. Man stehe hier vor großen Herausforderungen. Grundsätzlich bilde man genug Ärzte in Österreich aus. Manche davon würden anschließend in die Industrie und Forschung gehen, viele jedoch würden leider nach dem Studium ins Ausland abwandern. Hier stelle sich die Frage, wie der Standort attraktiver gestaltet werden könne. Mehr als die Hälfte der Studierenden sei weiblich, was durch die Problematik, Beruf und Familie zu verbinden, zu vermehrter Teilzeitarbeit führe. Vorteile böten auch die Möglichkeiten wie zB Gruppenpraxen, Jobsharing und Ärzte, die von Kassenärzten angestellt werden könnten. Das Landärztestipendium sei sehr positiv zu bewerten. Man müsse sich aber noch Gedanken darüber machen, zu welchem Zeitpunkt der Ausbildung eine Vergabe sinnvoll wäre.

 

Klubvorsitzender Abg. Steidl unterstützt den Antrag, den er als sehr vorausschauend erachte. Salzburg habe insgesamt in der Nachbesetzung von Hausärzten eher kleinere Sorgen. Nichtsdestotrotz dürfe man diese Problematik nicht aus den Augen verlieren, um auch die ärztliche Versorgung in der Zukunft sicher zu stellen. Man werde dem Antrag zustimmen.

 

Landeshauptmann-Stellvertreter Dr. Stöckl ergänzt, dass das Krankenanstalten-Arbeitszeitgesetz dazu geführt habe, dass österreichweit in den letzten Jahren ca. 1.000 neue Stellen geschaffen werden mussten. Es sei sehr schwer, die jungen Studentinnen und Studenten zu motivieren, ihre Ausbildung in der Allgemeinmedizin zu absolvieren. Weitere Gründe seien die Verweiblichung der Medizin, die zu mehr Teilzeitbeschäftigungen führe, die Abwanderung der Mediziner in Wahlarztpraxen und die Einstellung der jungen Generation zur Arbeit generell, die sich mehr in Richtung Work-Life-Balance geändert habe. Bei der „Ärzteausbildung neu“ hätten sich die Fachbereiche zu stark durchgesetzt, wodurch die Fächer eine Aufwertung und die Allgemeinmedizin eine Abwertung erfahren habe. Betreffend Abwanderung könne er berichten, dass mehr ausländische Ärzte in Österreich tätig seien, als österreichische Ärzte im Ausland. Auch würden viele junge Menschen nur temporär ins Ausland wechseln. Er sei dafür, dass das Landärztestipendium auch tatsächlich nur für die Region gelte, sonst würde man nur einen bestehenden Trend stärken. Möglichkeiten, wie Gruppenpraxen oder dass Kassenärzte Ärzte anstellen könnten, wären ein guter Fortschritt und seien bereits in die Wege geleitet.

 

 

Der Sozial-, Gesellschafts- und Gesundheitsausschuss stellt einstimmig den

 

Antrag,

 

der Salzburger Landtag wolle beschließen:

 

Die Landesregierung wird aufgefordert, an die Bundesregierung mit der Forderung heranzutreten, Studentinnen und Studenten mit einem Stipendium zu fördern, die sich im Gegenzug dazu verpflichten, nach Absolvierung des Studiums als Allgemeinmediziner im ländlichen Raum tätig zu werden.

 

Salzburg, am 15. Jänner 2020

 

Die Vorsitzende:

Mag.a Jöbstl eh.

 

 

Die Berichterstatterin:

Bartel eh.

Beschluss des Salzburger Landtages vom 29. Jänner 2020:

Der Antrag wurde einstimmig zum Beschluss erhoben.