Meldung anzeigen


Nr. 291 der Beilagen zum stenographischen Protokoll des Salzburger Landtages
(3. Session der 16. Gesetzgebungsperiode)

Bericht

 

des Sozial-, Gesellschafts- und Gesundheitsausschusses zum Antrag der Abg. Dr. Schöppl und Stöllner (Nr. 470 der Beilagen 2.S.16.GP) betreffend eine Studienplatzerhöhung des Studienganges Biomedizinische Analytik an der FH Salzburg

 

 

Der Sozial-, Gesellschafts- und Gesundheitsausschuss hat sich in der Sitzung vom 19. Februar 2020 mit dem Antrag befasst.

 

Abg. Stöllner weist eingangs darauf hin, dass die Fachhochschule Salzburg vor allem in Bezug auf die Ausbildung in Gesundheitsberufen über einen ausgezeichneten Ruf verfüge. Viele junge Leute interessierten sich daher beispielsweise für den Studiengang Biomedizinische Analytik. Auch die Nachfrage nach Absolventinnen und Absolventen dieser Studienrichtung sei sehr hoch. Es benötigten nicht nur die Kliniken des Landes, sondern auch private Labore immer mehr Fachleute in diesem Bereich. Trotzdem stünden jedes Jahr nur 15 Studienplätze in diesem Fach zur Verfügung, obwohl die Anmeldungszahlen seit Jahren im Steigen begriffen seien. Es stehe wohl außer Streit, dass ohne entsprechende Analysen ärztliche Diagnosen oft nur schwierig oder überhaupt nicht zu stellen seien. Man spreche immer nur vom Ärzte- und Pflegekräftemangel. Dabei übersehe man aber, dass auch die Berufsfelder des gehobenen medizinisch-technischen Dienstes eine ganz wichtige Säule des Gesundheitssystems seien. Es gebe Prognosen, die teilweise von einem Mehrbedarf von 15 % in diesen Bereichen bis zum Jahr 2030 ausgingen. Man müsse daher jetzt tätig werden, anstatt zu warten, bis die Mangelsituation tatsächlich eintrete. Ein erster Schritt sei dazu die Erhöhung der Studienplätze in Biomedizinischer Analytik von 15 auf 20. Es müssten Wege gefunden werden, die Finanzierung dieser Ausweitung sicherzustellen, denn die Gesundheit sei ein wichtiges Gut. Wobei die Finanzierung dabei keine große Hürde darstellen dürfe, da für das erste Jahr lediglich € 60.000,-- an zusätzlichen Mitteln notwendig seien. Das Land Salzburg könne mit dieser Studienplatzausweitung unter Beweis stellen, dass auch im eigenen Zuständigkeitsbereich Verantwortung übernommen werde.

 

Abg. Mösl MA findet den Antrag der FPÖ äußerst wichtig und begrüßenswert. Wenn man sich derzeit Stellenanzeigen ansehe, erkenne man, wie häufig Biomedizinische Analytikerinnen und Analytiker gesucht würden. Diese Fachkräfte fänden in einem sehr großen Einsatzgebiet Verwendung. Sie ersucht den Experten der Arbeiterkammer um Ausführung, ob bereits Zahlen zum Gesamtbedarf an Absolventinnen und Absolventen dieser Fachrichtung erhoben worden seien.

 

Abg. Heilig-Hofbauer BA verweist auf die Zwischenergebnisse 2019 der Personalbedarfsprognose in den medizinisch-technischen Diensten. In dieser bundesweiten Untersuchung sei festgestellt worden, dass die Studierendenzahlen in diesen Fächern seit 2011 von 587 auf 2019 auf 711 deutlich gestiegen seien. Es sei hier also bereits zu einer ansehnlichen Angebotsausweitung gekommen. In der Untersuchung sei auch die Beschäftigungssituation mit Schwerpunkt auf den Krankenanstalten genauer unter die Lupe genommen worden. Hier habe sich gezeigt, dass die Anstellungszahlen im untersuchten Zeitraum rückläufig gewesen seien. Bei insgesamt steigenden Ausbildungszahlen und sinkenden Anstellungszahlen in den Krankenhäusern sei daher davon auszugehen, dass genug Fachkräfte für private Einrichtungen und Labore ausgebildet würden. Im Übrigen handle es sich bei den Zahlen nur um Zwischenergebnisse. Man solle daher zunächst einmal das Endergebnis der Studie abwarten, dann könne man das gegebenenfalls nochmals diskutieren. Hinzuweisen sei jedenfalls auch darauf, dass eine große Nachfrage nach einer Ausbildung nicht zwingend eine steigende Nachfrage nach Absolventinnen und Absolventen bedeute. Beschließe man heute eine Erhöhung der Studienplätze, müsse man zudem bedenken, dass dies auch Folgewirkungen in Bezug auf die Infrastruktur nach sich ziehen könne. Es müsse beispielsweise die Frage gestellt werden, ob eine ausreichende Kapazität an Laborplätzen für die Studierenden sichergestellt sei.

 

Abg. Mag. Scharfetter stimmt seinem Vorredner in Bezug auf die von ihm erläuterten Zahlen zur österreichweiten Entwicklung zu. Er ersucht um eine Einschätzung seitens der Gesundheitsabteilung, ob es tatsächlich einen Mangel an Biomedizinischen Analytikerinnen und Analytikern gebe.

 

Landeshauptmann-Stellvertreter Dr. Stöckl führt aus, dass man sich gerade kürzlich bei der Eröffnung der neuen Unterrichtsräumlichkeiten für Biomedizinische Analytik am Standort der SALK davon überzeugen habe können, wieviel Geld das Land Salzburg in die Hand genommen habe, um bestmögliche Ausbildungsbedingungen zu gewährleisten. Natürlich gebe es immer Luft nach oben. Er ersuche aber schon darum, dass man auch einmal die umfangreichen Anstrengungen des Landes im Gesundheits- und Pflegebereich zur Kenntnis nehme. Derzeit sehe er keine Notwendigkeit, die Studienplätze in Biomedizinischer Analytik zu erhöhen. Das Land habe bisher immer alle offenen Stellen nachbesetzen können. Auch aus der Wirtschaft habe er keine Rückmeldungen bekommen, dass ein Mangel an diesen Fachkräften bestünde und mehr ausgebildet werden müssten. In erster Linie müsse man Anstrengungen zur Bekämpfung des Ärzte- und Pflegekräftemangels unternehmen. Beispielsweise müsse man sich nach der bereits erfolgten Erhöhung der Studienplätze in der Pflege intensiv darum bemühen, dass diese Ausbildungsplätze auch vergeben würden. Er könne das Thema aber gern bei einer der nächsten Landesgesundheitsreferenten-Konferenz besprechen. Sollte sich dabei wirklich ein österreichweiter Bedarf an zusätzlichen Absolventinnen und Absolventen in Biomedizinischer Analytik ergeben, werde er sich in Folge mit den Gesundheitsreferenten der angrenzenden Bundesländer kurzschließen, um eine gemeinsame Lösung zu erarbeiten. Er werde den Landtag dazu jedenfalls auf dem Laufenden halten.

 

Priv.-Doz. Dr.in Oostingh (Fachhochschule Salzburg) informiert darüber, dass einer der Gründe für den Wunsch nach einer Ausweitung der Studienplätze in der Biomedizinischen Analytik die Bewerberlage sei. Auf jährlich 15 Studienplätze kämen 120 bis 150 Bewerberinnen und Bewerber. Die Ausbildung gebe es seit rund 40 Jahren. Daher sei zu bedenken, dass eine Pensionierungswelle bevorstehe, deren Auswirkungen bereits jetzt zu spüren seien. Durch die Akademisierung der Ausbildung habe es außerdem eine Entwicklung dahingehend gegeben, dass nicht sofort alle, die das Grundstudium abgeschlossen hätten, in den Beruf einstiegen. Rund 20 % würden noch ein Doktorats- oder Masterstudium an das Grundstudium anschließen. Auch die Zunahme diagnostischer Laborparameter lasse den Bedarf an entsprechenden Fachkräften steigen. Es würden pro Patient heute weit mehr Analysen durchgeführt, als dies in der Vergangenheit der Fall gewesen sei. Hier müsse man außerdem bedenken, dass die Labordiagnostik für rund 70 % der Diagnosen unverzichtbar sei. Die Drop-Out-Rate sei im Studiengang Biomedizinische Analytik glücklicherweise sehr gering. Es komme gelegentlich vor, dass eine Person aus einem Ausbildungsjahrgang das Studium abbreche, meist um Medizin zu studieren. Sollte es zu einer Erhöhung der Studienplätze von 15 auf 20 kommen, so sei aus ihrer Sicht die derzeitige Infrastruktur dafür sicherlich geeignet und ausreichend. Man habe am Standort SALK, wo 60 % des Unterrichtes stattfinde, gerade neue Räumlichkeiten bezogen, die sich zwar vom Flächenausmaß nicht vergrößert hätten, aber besser ausgenutzt seien. Eine Aufstockung der Studienplätze wäre aus diesem Blickwinkel heraus ohne weiteres möglich und würde keine weiteren Baumaßnahmen bedingen. Aus ihrer Sicht sei der Bedarf an Biomedizinischen Analytikerinnen und Analytikern sehr hoch. Im Jahr 2019 habe sie 26 Anfragen von Laboren bekommen, ob Absolventinnen oder Absolventen verfügbar seien. Beim Land Salzburg seien derzeit sieben entsprechende Stellen ausgeschrieben.

 

Herr Piberger BSc (Arbeiterkammer Salzburg) verweist ebenfalls auf das Zwischenergebnis der österreichweiten Personalbedarfsstudie für die medizinisch-technischen Dienste. Daraus gehe hervor, dass in den nächsten fünf Jahren allein in den Krankenanstalten der Mehrbedarf bei 5,4 % liegen werde. Diese Prognose berücksichtigte nur die Entwicklungen der Leistungen. Personalfluktuationen aufgrund von Pensionierungen oder Karenzierungen seien dabei gar nicht eingerechnet. Für das Land Salzburg gebe es keine aktuelle Datenerhebung. Nach Ansicht der Arbeiterkammer Salzburg sei aber die Bedarfserhöhung evident. Es komme schon jetzt dazu, dass fachfremde Personen, also beispielsweise Biologinnen und Biologen oder niedrigqualifiziertere Bedienstete, in einem rechtlichen Graubereich beschäftigt würden. Hierzu gebe es laufend Anfragen an die Arbeiterkammer, welche Tätigkeiten durch diese Personen durchgeführt werden dürften und rechtlich noch abgedeckt seien. Dieses Problem kenne man bereits aus anderen Gesundheitsberufen.

 

Hofrätin Mag.a Hofinger (Abteilung 9) erläutert zunächst, dass es für alle Gesundheitsberufe sogenannte Berufsbilder gebe, die gesetzlich definiert seien und das Einsatzfeld beschrieben. Die Biomedizinische Analytik sei eine sehr spezifische Berufsgruppe, die in die Frage der gegenseitigen Substitution in Gesundheitsberufen nicht eingebunden werden könne. Solche Überlegungen dürfe man daher bei der Frage nach der Abdeckung des ansteigenden Gesamtbedarfes an medizinisch-technischen Diensten nicht miteinbeziehen. Zur zitierten Personalbedarfsprognose sei festzuhalten, dass diese auf einer Fortschreibung von Leistungsstrukturen beruhe. Ob diese Annahme zutreffend sein werde, sei fraglich. Dies vor allem deshalb, weil diese Prognose nicht berücksichtige, dass die Biomedizinische Analytik von der Bedarfszunahme in den Gesundheitsberufen aufgrund des Ausbaus der Primärversorgung nicht unmittelbar betroffen sei. Solche Bedarfsprognosen seien daher mit großer Vorsicht zu genießen, noch dazu wo es sich um österreichweite Zahlen handle. Eine Bedarfserhebung für Biomedizinische Analytik alleine für das Bundesland Salzburg sei theoretisch sicher machbar. Die Aussagekraft dieser Zahlen dürfte aber aufgrund der Kleinheit der Berufsgruppe eher fraglich sein, da es in der Statistik bekannt sei, dass sehr kleine Zahlen zu sehr großen Verzerrungen führen könnten. Bisher seien der Gesundheitsabteilung weder aus den Fonds- noch aus den Sonderkrankenanstalten Hinweise auf Personalprobleme aus dem Bereich Biomedizinische Analytik zugegangen. Aus anderen Bereichen passiere dies sehr wohl und in der Regel auch sehr zeitnah. Auch bei den Beratungen der Landesgesundheitsreferenten-Konferenz sei ein Mangel auf dem Gebiet der Biomedizinischen Analytik im Unterschied zu anderen Berufsgruppen bislang nicht thematisiert worden.

 

Zweiter Präsident Dr. Huber zeigt sich erfreut, dass so intensiv und angeregt über Gesundheitsberufe diskutiert werde. Die Biomedizinische Analytik stelle zweifelsohne eine unverzichtbare Grundlage für die ärztliche Arbeit dar. Aus der Diskussion sei für ihn aber nicht zwingend ein Bedarf zur akuten Erhöhung der Studienplätze ableitbar. Auch in seiner täglichen Berufspraxis komme er nicht zur Wahrnehmung, dass es sich um einen Mangelberuf handle. Natürlich werde man die Entwicklung in der Zukunft sehr genau beobachten. Sollte sich die Bedarfssituation entscheidend ändern, stehe einer Neubeurteilung der Frage der Studienplatzerhöhung aus seiner Sicht nichts im Wege.

 

Abg. Mag. Scharfetter bringt folgenden ÖVP-Abänderungsantrag ein:

 

Die Salzburger Landesregierung wird aufgefordert, ein klares Bekenntnis zum weiteren Ausbau der FH-Studienplätze im Rahmen der finanziellen Möglichkeiten abzugeben.

 

Abg. Mösl MA bringt folgenden SPÖ-Zusatzantrag ein:

 

Die Landesregierung wird aufgefordert, den Personalbedarf aller MTD-Berufe im Bundesland Salzburg bei allen Trägern und unter Berücksichtigung der Altersstruktur der Berufsangehörigen sowie der Fluktuation zu erheben und dem Landtag bis Ende Februar 2021 zu berichten.

 

Die Ausschussmitglieder kommen überein, zunächst über den Zusatzantrag der SPÖ und dann über den Abänderungsantrag der ÖVP abzustimmen.

 

Der Zusatzantrag der SPÖ wird mit den Stimmen von ÖVP, GRÜNEN und NEOS gegen die Stimmen von SPÖ und FPÖ – sohin mehrstimmig – abgelehnt. Der Abänderungsantrag der ÖVP wird mit den Stimmen von ÖVP, GRÜNEN und NEOS gegen die Stimmen von SPÖ und FPÖ – sohin mehrstimmig – angenommen.

 

Gemäß § 49 Abs. 2 Landtags-Geschäftsordnungsgesetz wird Klubobfrau Abg. Mag.a Gutschi als Berichterstatterin namhaft gemacht.

 

Seitens der FPÖ wird die Einbringung eines Minderheitsberichtes angekündigt.

 

 

Der Sozial-, Gesellschafts- und Gesundheitsausschuss stellt mit den Stimmen von ÖVP, GRÜNEN und NEOS gegen die Stimmen von SPÖ und FPÖ – sohin mehrstimmig - den

 

Antrag,

 

der Salzburger Landtag wolle beschließen:

 

Die Salzburger Landesregierung wird aufgefordert, ein klares Bekenntnis zum weiteren Ausbau der FH-Studienplätze im Rahmen der finanziellen Möglichkeiten abzugeben.

 

 

Salzburg, am 19. Februar 2020

 

Die Vorsitzende:

Mag.a Jöbstl eh.

 

 

Die Berichterstatterin:

Mag.a Gutschi eh.

Beschluss des Salzburger Landtages vom 4. März 2020:

Der Antrag wurde mit den Stimmen von ÖVP, GRÜNEN und NEOS gegen die Stimmen von SPÖ und FPÖ – sohin mehrstimmig – zum Beschluss erhoben.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

zu Nr. 291 der Beilagen zum stenographischen Protokoll des Salzburger Landtages

(3. Session der 16. Gesetzgebungsperiode)

 

Minderheitsbericht

 

der Abg. Dr. Schöppl und Stöllner betreffend eine Studienplatzerhöhung des Studienganges Biomedizinische Analytik an der FH-Salzburg

 

 

Der Sozial-, Gesellschafts- und Gesundheitsausschuss hat sich am 19. Februar 2020 mit dem Antrag Nr. 470 der Beilagen 2.S.16 GP zum stenographischen Protokoll des Salzburger Landtages betreffend eine Studienplatzerhöhung des Studienganges Biomedizinische Analytik an der FH-Salzburg befasst.

 

Der FH-Salzburg ist es seit einigen Jahren ein Anliegen, die Studienplätze des Studienganges Biomedizinische Analytik von derzeit 15 auf 20 p. a. zu erhöhen, was von Seiten der Landesregierung aber bisher immer mit der Begründung abgelehnt wurde, dass im Land Salzburg die Versorgung mit Biomedizinischen Analytikern ausreichend gegeben ist.

 

Laut Auskunft der FH-Salzburg gibt es momentan viele offene Stellenangebote für Biomedizinische Analytiker und die Tendenz für die kommenden Jahre scheint zu steigen. Dieser hohe Bedarf an Biomedizinischen Analytikern kann im Moment mit der aktuellen Zahl der Absolventen nicht gedeckt werden. Außerdem soll die Überführung der Ausbildung zum Bachelorstudium dazu geführt haben, dass sich ungefähr 30 % der Absolventen für ein weiterführendes Masterstudium entscheiden, womit diese den diagnostischen Laboratorien nicht als berufstätige Biomedizinische Analytiker zur Verfügung stehen.

 

Aus diesem Grund stellen die unterfertigten Abgeordneten den

 

Antrag,

 

der Salzburger Landtag wolle beschließen:

 

Die Landesregierung wird aufgefordert, sich dafür einzusetzen, dass die Studienplatzanzahl des Studienganges Biomedizinische Analytik der FH-Salzburg GmbH von derzeit 15 auf 20 jährlich erhöht wird.

Salzburg, am 19. Februar 2020

 

Stöllner eh.

Dr. Schöppl eh.

 

Beschluss des Salzburger Landtages vom 4. März 2020:

Der Minderheitsbericht wurde mit den Stimmen von ÖVP, GRÜNEN und NEOS gegen die Stimmen von SPÖ und FPÖ – sohin mehrstimmig – abgelehnt.