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Nr. 372 der Beilagen zum stenographischen Protokoll des Salzburger Landtages
(3. Session der 16. Gesetzgebungsperiode)

Bericht

 

des Ausschusses für Umwelt-, Natur- und Klimaschutz zum Antrag der Abg. Klubobfrau Svazek BA, Dr. Schöppl und Stöllner (Nr. 473 der Beilage 2.S.16.GP) betreffend Rehkitzrettung durch Drohnen und zum Antrag der Abg. Dr.in Dollinger und Dr.in Klausner (Nr. 463 der Beilagen 2.S.16.GP.) betreffend die Nutzung von Drohnen im Land Salzburg

 

Der Ausschusses für Umwelt-, Natur- und Klimaschutz hat sich in der Sitzung vom 6. Mai 2020 mit den beiden Anträgen befasst, diese gemeinsam diskutiert und beschlossen.

 

Klubobfrau Abg. Svazek BA berichtet zu Nr. 473 der Beilage 2.S.16.GP über die Problematik, dass jedes Jahr hunderte Rehkitze durch die erste Mahd getötet würden. Die Rehkitze, die etwa von Mitte Mai bis Mitte Juni gesetzt würden, verbrächten ihre ersten Lebensmonate meist eingerollt in Wiesen und verließen ihren Platz nur zum Trinken oder sich von der Geiß putzen zu lassen. In eben dieser Zeit würden viele Landwirte mit der ersten Mahd beginnen, die für Rehkitze aber auch Niederwild wie etwa Feldhasen oft tödlich ende. Die Kitze hätten in den ersten Lebenswochen noch keine Eigenwitterung und keinen Fluchtinstinkt. Komme das Mähwerk, so ducke sich das Reh in das Gras. Oftmals verende das Tier qualvoll, wenn zB nur der Lauf mitgemäht werde. Die Kitzrettung sei jedes Jahr sowohl seitens der Jäger aber auch der Landwirte ein großes Anliegen, die mit großem Aufwand durch Abgehen und Durchsuchen mit Hunden versuchten, möglichst viele Rehkitze zu retten. Da sie noch keine Eigenwitterung hätten, sei es jedoch sehr schwer, sie mit Hunden aufzufinden. Seit ein paar Jahren versuchten einige Freiwillige, die Problematik mit Drohnen zu mildern. Durch die mit Wärmebildkameras ausgestatteten Drohnen habe man bereits zahlreiche Kitze gerettet. Nach Auffinden eines Kitzes werde dieses dann vorsichtig und ohne, dass es den Geruch des Menschen annehme, entnommen, sicher abgelegt und nach der Mahd wieder an Ort und Stelle zurückgebracht. Die Betriebszeiten für Drohnenflüge würden jedoch ein Problem darstellen, da erst ab acht Uhr Früh geflogen werden dürfe. An heißen Tagen sei es zu dieser Uhrzeit aber bereits zu warm, um Rehkitze per Wärmebildgerät ausfindig zu machen, da der Temperaturunterschied zum Boden dann zu gering sei. Zusätzlich stelle die Anschaffung der Ausrüstung und die nötige Handhabe des Fluggeräts eine erhebliche finanzielle Belastung dar.

 

Abg. Dr.in Klausner ergänzt als Berichterstatterin zu Nr. 463 der Beilagen 2.S.16.GP., dass Experten die Todesquote nach Absuchen durch Drohnen mit nur mehr 22,8 % statt mit 37,4 % durch Vergrämung bezifferten. Aus einer Anfragebeantwortung der Landesregierung vom 10. Juni 2019 gehe hervor, wie vielfältig die Einsatzmöglichkeiten von Drohnen seien und dass die Anwendungsmöglichkeiten sich laufend erweiterten. Es gebe bereits Drohnen im Landesdienst, beispielsweise für Vermessungszwecke und für das Landesmedienzentrum. Wichtig sei es, mit allen in Frage kommenden Dienststellen der Landesverwaltung abzuklären, welche Einsatzmöglichkeiten in den kommenden Jahren zu erwarten seien. Darauf aufbauend könne man ein Konzept entwickeln, welches den Einkauf, die Schulung und die Nutzung der Geräte beinhalte und natürlich auch die Erfassung, Verwendung und Sicherung der Daten. Ebenfalls fordere man dazu auf, ein Konzept für die Durchführung eines Pilotprojekts zur Rehkitzrettung auszuarbeiten und darauf aufbauende weitere Maßnahmen zur landesweiten Sicherung der Rehkitze vor Mähtod bzw. Verletzungen durchzuführen.

 

Klubobfrau Abg. Mag.a Dr.in Humer-Vogl betont, jede Maßnahme, um den vorzeitigen Tod der Tiere zu vermeiden, sei zu begrüßen. Der Anfragebeantwortung vom 3. Juni 2019 sei zu entnehmen, dass es verschiedene Ursachen für die hohe Anzahl der toten abgelegten Rehkitze gebe. In der Praxis habe sich aber gezeigt, dass eine Mischung aus verschiedensten Maßnahmen die günstigste Variante sein dürfte. Natürlich befürworte man, dass das Luftfahrtsgesetz übererarbeitet werde. Wichtig sei aber auch das Mähen von innen nach außen, das Begehen – auch mit Hunden - und das Aufstellen von Wildscheuchen.

 

Abg. Weitgasser führt aus, dass sie dem Einsatz von Drohnen sehr positiv gegenüber stehe und dass diese Technik zum Schutz der Rehkitze und dem Niederwild genutzt werden solle. Sie interessiere sich für den Ablauf nach Auffinden des Rehkitzes.

 

Abg. Huber bestätigt, dass durch die neuen Mähtechniken ein Rehkitz kaum noch eine Überlebenschance habe. Es sei ein wunderschönes Erlebnis, ein Rehkitz zu retten. Wichtig sei, dass es hier eine Kombination aus mehreren Maßnahmen gebe, um mehr Rehkitze und Niederwild zu retten. Zu bedenken sei, dass das Mähen bei den Landwirten an die Schönwetterperioden gebunden sei. Es werde schwer sein, hier gleichzeitig ausreichend Drohnen im Einsatz haben zu können. Aus diesem Grund bringe sie einen ÖVP-Abänderungsantrag ein.

 

Landesrat DI Dr. Schwaiger erklärt, dass man jährlich ca. 2/3 der toten Rehkitze auf das Mähen zurückführen könne. Er bemühe sich seit Jahren gemeinsam mit der Abteilung 4, den Einsatz von Drohnen im Land Salzburg zu etablieren. Die Gesamtinvestition bei der Anschaffung der ersten Drohne sei bei ungefähr € 40.000,-- gelegen, inklusive Zusatzgeräten und Einschulung. Eingesetzt werde diese derzeit zB in der Landesforstdirektion, bei Bestandsaufnahmen von Fuchsbauten, für Aufklärungsflüge und in der Vermessung. Die Gerätschaft und der Pilot dazu stellten eine Einheit dar, die nur gemeinsam Sinn mache. Die Bauern würden jährlich aufgeklärt, was sie tun könnten. Viele Landwirte würden die Ablegeplätze bereits kennen, somit müssten nicht sämtliche Flächen abgesucht werden. Erfreulich sei auch, dass sich jährlich viele Freiwillige bei der Suche beteiligten. Gebraucht würden im Landesdienst sehr leistungsstarke Drohnen mit einer möglichen Lufthöhe von 100 m, die auch ohne Sichtverbindungen geflogen werden könnten. Hier koste ein Gerät inklusive Aufsatz mit Wärmebildkamera ca. € 16.000,--. Diese professionellen Geräte hätten dann vielfältige Einsatzmöglichkeiten. Es bräuchte aber jemanden, der damit wirklich gut umgehen könne. Derzeit befände sich eine Drohne im Landesdienst. In naher Zukunft solle ein zweites Gerät mit einem geeigneten Piloten für das Land in Einsatz sein.

 

Ing. Mag. Bachmaier (Referat 4/01) erläutert den derzeitigen Stand. In dieser Sache seien die Gespräche mit der Jägerschaft und den Grundeigentümern bereits weit fortgeschritten. Es gebe Praxisbeispiele aus anderen Bundesländern. So gebe es in Tirol eine Plattform, welche die Möglichkeit biete, dass sich interessierte Grundeigentümer mit der Jägerschaft oder mit registrierten Drohnen-Piloten in Verbindung setzen könnten, um eine Absuche durchzuführen. In Salzburg habe man eine sehr kleinstrukturierte Landwirtschaft, die zeitgleiche Mahd und die hohen Kosten bei der Absuche blieben immer ein Problem. Eine Kombination aus den in der Diskussion erwähnten Maßnahmen und Konzepten und zB ein Informationsfolder seien sicher eine gute Möglichkeit, die hohe Zahl der toten Rehkitze zu senken.

 

Die Abgeordneten kommen überein, dass der Abänderungsantrag der ÖVP sowohl für Nr. 473 der Beilage 2.S.16.GP und Nr. 463 der Beilage 2.S.16.GP gelten solle. Der ÖVP-Abänderungsantrag wird in weiterer Folge als Fünf-Parteien-Antrag abgestimmt und einstimmig angenommen. Als Berichterstatterin wird Klubobfrau Abg. Svazek BA namhaft gemacht.

 

 

Der Ausschuss für Umwelt-, Natur- und Klimaschutz stellt einstimmig den

 

Antrag,

 

der Salzburger Landtag wolle beschließen:

 

Die Landesregierung wird ersucht,

 

  1. mit der Bundesregierung in Kontakt zu treten, um Luftfahrtbewilligungen, die den Zweck des Fluges mit Wärmebildkameras zur Rettung von Rehkitzen und Niederwild haben – beginnend mit dem Morgengrauen - zu erteilen, und

     

  2. ein Konzept zur landesweiten Sicherung von Rehkitzen vor Mähtod bzw. -verletzungen auszuarbeiten und dabei auch den Einsatz von Drohnen zu berücksichtigen

 

 

Salzburg, am 6. Mai 2020

 

Der Vorsitzende:

Heilig-Hofbauer BA eh.

 

 

Die Berichterstatterin:

Svazek BA eh.

Beschluss des Salzburger Landtages vom 27. Mai 2020:

Der Antrag wurde einstimmig zum Beschluss erhoben.