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Nr. 380 der Beilagen zum stenographischen Protokoll des Salzburger Landtages
(3. Session der 16. Gesetzgebungsperiode)

Bericht

 

des Bildungs-, Sport- und Kulturausschusses zum Antrag der Abg. Zweiter Präsident Dr. Huber, Klubobmann Egger MBA und Weitgasser (Nr. 63 der Beilagen) betreffend digitale Aus- und Fortbildung für Lehrerinnen und Lehrer
 

 

Der Bildungs-, Sport- und Kulturausschuss hat sich in der Sitzung vom 6. Mai 2020 mit dem Antrag befasst.

 

Zweiter Präsident Dr. Huber führt aus, dass die Wichtigkeit des Ausbaus der digitalen Kompetenz aktuell klar belegt und „home-schooling“ ein gängiger Begriff in allen Schulbereichen sei. Nun müsse die digitale Ausbildung sowie der Umgang mit digitalen Medien in der Ausbildung der Lehrkräfte umfassend verankert werden. Aus einer Studie des Österreichischen Austauschdienstes aus dem Jahr 2018 gehe hervor, dass 72 % der befragten Lehrenden den Eindruck hätten, in ihrer Ausbildung schlecht auf die Verwendung von digitalen Lehr- und Lernmedien vorbereitet worden zu sein. Nach Angaben von Agenda Austria läge Österreich im Europaranking hinter den Niederlanden, Finnland und Estland. Auch hier sei eine Verbesserung anzustreben. Der auf Bundesebene gestartete Masterplan einer Digitalisierungsoffensive mit mehreren Projekten sei durch die Ibizakrise unterbrochen worden. Es sei wünschenswert, diesen jetzt konsequent weiter zu verfolgen und auszubauen.

 

Abg. Mösl MA unterstreicht, dass die derzeitige Situation die Dringlichkeit vor Augen geführt habe und der Antrag zu begrüßen sei. Es sei erforderlich, über die weiteren Schritte nachzudenken. Dies betreffe eine Vereinheitlichung, aber auch einen weiteren Ausbau der digitalen Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler und der Berufseinsteiger. Neben den Schulreformgesetzen und der Veränderung von Lehrplänen dürfe auch der Zugang zu Laptops und Internet nicht vergessen werden. Nach wie vor gebe es Haushalte ohne diesen Zugang oder entsprechende Geräte. Abg. Mösl MA bringt für die SPÖ folgenden Zusatzantrag ein:

 

Die Landesregierung wird aufgefordert,

 

  1. umgehend für alle Schülerinnen und Schüler einen Pool an Leihlaptops inklusive Internetzugang aufzubauen und

  2. Lehrpersonen mit dem adäquaten Internetzugang auszustatten, sodass home-schooling vereinfacht möglich gemacht wird,

  3. an die Bundesregierung mit der Forderung heranzutreten, umgehend die Digitalisierungsoffensive an den Schulen zu starten sowie ein umfangreiches Schulreformgesetz auf den Weg zu bringen, mit dem klar definierten Ziel, die digitalen Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler zu stärken.

  4. an die Bundesregierung mit der Forderung heranzutreten, alle Schülerinnen und Schüler bis Ende ihrer Pflichtschulzeit kostenlos mit Tablets oder Laptops auszustatten sowie

  5. an die Bundesregierung heranzutreten, um eine einheitliche für alle Schulen in Österreich nutzbare Plattform einzurichten, die sowohl im Rahmen der Digitalisierung im Unterricht verstärkt genutzt wird, als auch home-schooling ermöglicht, um für etwaige kommende Pandemien gerüstet zu sein.

     

    Abg. Heilig-Hofbauer BA unterstreicht die Wichtigkeit der Verfügbarkeit von entsprechenden Geräten und Internet, jedoch dürfe auch das Thema der Didaktik nicht außer Acht gelassen werden. Man müsse sich der Frage widmen, wie Lehrer und Lehrerinnen auf diese Art des Unterrichts vorbereitet würden. Nun müssten Wege gefunden werden, um die technischen Möglichkeiten für den Unterricht bestmöglich nutzen zu können. Angesichts der großen Herausforderung könne man ein sehr großes Engagement bei den Lehrenden sehen.

     

    Abg. Mag.a Jöbstl bekräftigt, dass der derzeitige Digitalisierungsschritt ohne Krise in den nächsten zehn Jahren nicht geschafft worden wäre. Alle Seiten hätten daran gearbeitet und besonderer Dank gelte allen Lehrpersonen. Sie ersuche Landeshauptmann Dr. Haslauer um Ausführung der Programme, die gemeinsam mit Pädagogischer Hochschule und Bildungsdirektion in diesem Bereich geplant seien.

     

    Landesrätin Hutter BEd bestätigt, dass die Digitalisierung auch in der Schule präsent sei. Die Coronakrise habe sowohl die Möglichkeiten als auch den Nachholbedarf aufgezeigt. In den letzten paar Wochen sei man um Jahre nach vorne gekommen. Es seien Lizenzen und Laptops gekauft worden. Alle Geräte seien simkartenfähig und mit ausreichendem Datenguthaben ausgestattet, damit allen Schülerinnen und Schülern ein Internetzugang gewährleistet sei. Die Pädagogische Hochschule habe gemeinsam mit der Bildungsdirektion bereits ein sehr gutes Angebot an Fortbildung und Ausbildung für die Pädagoginnen und Pädagogen geschaffen. Das Anliegen, diesen Bereich der Ausbildung zu forcieren, sei zu unterstützen. Diesbezüglich sei sie auch mit dem Bildungsministerium in ständigem Kontakt. Der Masterplan Digitalisierung, der durch die aktuellen Entwicklungen mehrmals verzögert worden sei, werde jedoch ständig weiterbearbeitet und sei auf einem guten Weg.

     

Landeshauptmann Dr. Haslauer berichtet, dass vor dem Hintergrund einer Studie zur Entwicklung der benötigten Fähigkeiten in der Wirtschaft im August des letzten Jahres eine Studie in Auftrag gegeben worden sei, mit der Fragestellung, ob die Entwicklung Salzburgs zu einem „EdTech-Hub“ (Education Technology) lohnenswert sei. Diese bedeute die Erarbeitung eines Schwerpunktes für Firmen für die Entwicklung, Erprobung und Ausbildung in diesem Bereich. Laut Studie sinke der Bedarf an physischen und manuellen Tätigkeiten im Arbeitsleben bis 2030 merklich. Hohe kognitive, soziale und technologische Fähigkeiten seien in Zukunft mehr gefragt. Das Ausbildungsangebot liege aber weit unter dem Bedarf, was zu dramatischen Situationen für die Wirtschaft führen könne. Aus der Studie sei hervorgegangen, dass teamorientiertes Arbeiten und hohe Geschwindigkeit an Innovation mit lebenslangem Lernen gefordert seien. Es gehe daher um digitale Technologien beim Lernen und Lehren, aber auch um die betriebliche Fortbildung, um die Inbetriebnahme von Maschinen und dergleichen mehr. Daher sei es auch ein wirtschaftspolitisches Thema, Salzburg als einen Schwerpunkt als „EdTech-Hub“ für Startups und IT-Unternehmen anbieten zu können. Österreich habe großen Nachholbedarf. Es gebe in Summe nur 57 Unternehmen, die in Österreich in diesem Bereich tätig seien, zehn davon in Salzburg. Salzburg habe einen bildungspolitischen Vorteil, um diese Produkte nicht nur zu entwickeln, sondern auch im Unterreicht ausprobieren zu können. Daher sei ein Projekt erarbeitet worden, mit dem Ziel, Salzburg als regionales und nationales Zentrum für digitale EdTech-Lösungen im Bildungs-, Ausbildungs- und Weiterbildungsbereich zu etablieren. Man wolle in Vernetzung mit der Bildungsdirektion, der Pädagogischen Hochschule und der Universität Betriebsgründungen forcieren und Kongresse veranlassen. Dies hätte positive Auswirkungen auf den Standort und die Entwicklung am Arbeitsmarkt. In diese Strategie passe der vorliegende Antrag hervorragend und könne daher nur unterstützt werden.

 

Abg. Rieder weist darauf hin, dass die digitale Kompetenz nur einen Teilbereich darstelle. Beim Erwerb und der Vermittlung von Wissen dürfe die pädagogische Freiheit des Lehrers nicht übersehen werden. Ziel sei es, mit pädagogischer Kompetenz teamfähig zu agieren. Bei der Ausstattung mit kostenintensiver Infrastruktur stelle sich die Frage der entsprechenden Budgets. Dies betreffe vor allem für den Bereich der Pflichtschulen die Gemeinden, aber auch die Bezahlung von erforderlichen Fortbildungen für Lehrpersonen.

 

Herr Germann BEd (Volksschullehrer) gibt Auskunft auf die Frage der digitalen Kompetenz während seiner Ausbildung. Bis zur Beendigung des Masterstudiums habe er 5 ECTS, das entspreche 150 Arbeitsstunden, absolviert. Grundsätzlich hänge die Thematik sehr stark von den Leiterinnen und Leitern der Lehrveranstaltungen und den fachspezifischen Voraussetzungen ab. Daraus ergäben sich wiederum große Differenzen zwischen den Fächern mit deren Umsetzung. Jetzt sei ein deutlicher Schub gekommen, der weitere Chancen, besonders auch für periphere Regionen, biete. 

 

Die Ausschussmitglieder kommen überein, den um den Zusatzantrag erweiterten ursprünglichen Antrag punkteweise abzustimmen.

 

Unter Hinweis auf die Ausführungen von Landesrätin Hutter BEd schlägt Abg. Mag.a Jöbstl vor, Punkt 2. mit Beschluss zur Kenntnis zu nehmen sowie Punkt 4. leicht zu modifizieren. Dieser Vorschlag findet nur in Bezug auf Punkt 4. Zustimmung, Punkt 2. wird hingegen zurückgezogen. Aufgrund der Zurückziehung von Punkt 2. kommen nur die Punkte 1. sowie 3. bis 6. zur Abstimmung.

 

Die Punkte 1., 4. und 6. des zusammengeführten Antrags werden einstimmig angenommen. Die Punkte 3. und 5. werden mit den Stimmen von ÖVP, GRÜNEN und NEOS gegen die Stimmen von SPÖ und FPÖ – sohin mehrstimmig – abgelehnt, sodass der Antragstext in der endgültigen Fassung nur mehr drei Punkte umfasst.

 

 

Der Bildungs-, Sport- und Kulturausschuss stellt einstimmig den

 

Antrag,

 

Die Landesregierung wird ersucht,

 

  1. die Bundesregierung aufzufordern, ehestmöglich alle notwendigen Schritte einzuleiten, um digitale Kompetenzen und den Umgang mit digitalen Medien umfassend in der Lehrerinnen- und Lehrerausbildung sowie in der Lehrerinnen- und Lehrerfortbildung zu verankern,

  2. an die Bundesregierung mit der Forderung heranzutreten, den Masterplan für die Digitalisierungsoffensive an den Schulen voran zu treiben sowie ein umfangreiches Schulreformgesetz auf den Weg zu bringen, mit dem klar definierten Ziel, die digitalen Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler zu stärken,

  3. an die Bundesregierung heranzutreten, um eine einheitliche, für alle Schulen in Österreich nutzbare Plattform einzurichten, die sowohl im Rahmen der Digitalisierung im Unterricht verstärkt genutzt wird, als auch home-schooling ermöglicht, um für etwaige kommende Pandemien gerüstet zu sein.

     

     

Salzburg, am 6. Mai 2020

 

Der Vorsitzende-Stellvertrer:

Heilig-Hofbauer BA eh.

 

 

Der Berichterstatter:

Dr. Huber eh.

 

 

 




 

Beschluss des Salzburger Landtages vom 27. Mai 2020:

Der Antrag wurde einstimmig zum Beschluss erhoben.