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Nr. 163-BEA der Beilagen zum stenographischen Protokoll des Salzburger Landtages
(4. Session der 16. Gesetzgebungsperiode)

Beantwortung der Anfrage

 

der Abg. Thöny MBA und Mösl MA an Landeshauptmann-Stellvertreter Dr. Stöckl (Nr. 163-ANF der Beilagen) betreffend das Krankenanstalten-Arbeitszeitgesetz

 

 

Hohes Haus!

 

Zur Beantwortung der Anfrage der Abg. Thöny MBA und Mösl MA betreffend das Krankenanstalten-Arbeitszeitgesetz vom 8. Juli 2020 erlaube ich mir, Folgendes zu berichten:

 

Zu Frage 1: Haben Sie eine Studie in Auftrag gegeben, aus der hervorgeht, welche Auswirkungen auf des ärztliche Personal die Umsetzung des Krankenanstalten-Arbeitszeitgesetzes hat?

 

Zur konkreten Fragestellung habe ich keine Studie in Auftrag gegeben. Ich darf jedoch anmerken, dass 2016 von mehreren Ländern eine Studie zu Rechtsfragen der Umsetzung der EU-Arbeitszeitrichtlinie im KA-AZG beauftragt wurde, und zwar dazu, ob die zentralen Regelungen des KA-AZG durch diese Richtlinie geboten waren.

 

Zu Frage 1.1.: Wenn ja, wer hat die Studie durchgeführt?

 

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Zu Frage 1.2.: Wenn ja, wie lautet das Ergebnis?

 

-

 

Zu Frage 1.3.: Wenn nein, warum nicht?

 

Eine externe Studie war aufgrund des konkreten Wissenstandes in den Krankenanstalten nicht erforderlich und aufgrund der sehr unterschiedlichen Rahmenbedingungen in den einzelnen Häusern auch nicht sinnvoll.

 

Zu Frage 2:  Wie hoch war, ist und wird der Ärztemangel in Salzburgs Spitälern in den Jahren 2015 - 2022? (Es wird um Auflistung nach Jahren, Gesamtzahl und Ärztemangel in den jeweiligen Fächern ersucht.)

 

Für „Ärztemangel“ gibt es in Österreich keine für statistische Zwecke ausreichend valide Definition und daher auch keine validen Statistiken.

Problematisch erweist sich in diesem Zusammenhang, dass zwischen der allgemeinen Ärztedichte als allgemeine und international verwendete Kennziffer, die in Österreich mit einem Wert von 5,2 pro 1000 Einwohner (OECD, 2018) einen europäischen Spitzenwert aufweist, es trotz dieser hohen Ärztedichte in für die öffentliche Gesundheitsversorgung maßgeblichen Bereichen, insbesondere in der Allgemeinmedizin, in der niedergelassenen Kassenversorgung, in den Krankenanstalten in peripheren Regionen sowie in bestimmten Sonderfächern (insb. Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychiatrie) Besetzungsprobleme gibt, die vor allem auf Verteilungs- und Strukturprobleme hinweisen.

 

Zu Frage 2.1.: Wie bzw. von wem wurde dieser Ärztemangel berechnet?

 

Siehe Beantwortung Frage 2; mangels definitorischer Grundlage für Ärztemangel ist eine Berechnung nicht möglich.

 

Zu Frage 2.2.: Wie hoch ist der Ärztebedarf aufgrund von Pensionierungen im Jahr 2021 und in welchen Fächern?

 

Nach Auskunft der SALK könnten in den Salzburger Landeskrankenanstalten bei einem angenommenen Pensionierungsalter von 63 (Männer) bzw. 60 (Frauen) Jahren bis Ende 2021 bis zu 89 Ärztinnen und Ärzte in Pension gehen (Auswertungsstichtag 31.07.2020). Tatsächlich werden vermutlich aber deutlich weniger Ärztinnen und Ärzte in diesem Zeitraum in Pension gehen (im Jahre 2020 sind es bis zum Stichtag 13 Ärztinnen und Ärzte).

 

Die sonstigen a.ö. Krankenanstalten haben im Jahr 2021 einen Bedarf von zwölf Ärztinnen und Ärzten bekanntgegeben. Zu Detailauswertungen nach Krankenanstalten und Sonderfächern siehe anliegende Tabellen.

 

Zu Frage 2.3.: Wie hoch ist der Ärztebedarf aufgrund des Ärztearbeitszeitgesetzes in welchen Fächern und welchen Krankenhäusern in Salzburg?

 

Der Ärztebedarf aufgrund des KA-AZG beträgt in den a.ö. Krankenanstalten rund 60 Vollzeitäquivalente, zu Detailauswertungen nach Krankenanstalten und Sonderfächern siehe anliegende Tabellen. 

 

Zu Frage 3: In welchen Abteilungen der jeweiligen Salzburger Krankenhäuser besteht ein Ärztemangel?

 

Definiert man den Begriff „Ärztemangel“ als längerfristig bestehende unzureichende Stellenbewerbungen, sind aus der Sicht der SALK die bundesweit/europaweit bekannten Fachgebiete zu nennen: insbesondere Chirurgie, Labormedizin, Pathologie, Frauenheilkunde, Rheumatologie, Infektiologie, Psychiatrie und Traumatologie. In weiteren bundesweiten Mangelfächern wie Hygiene oder Mikrobiologie besteht aktuell in den Salzburger Landeskliniken kein Mangel. Definiert man Ärztemangel als nicht besetzte Arztstellen, hat die SALK aktuell von den 423,9 Planstellen im Personalplan für das heurige Jahr 37,6 Arztstellen (≥ 0,5 VZÄ) nicht besetzt. Zur Detailauswertung nach Abteilungen gelistet siehe anliegende Tabelle (IST 31.07.2020).

 

Im Tauernklinikum wird derzeit ein Ärztemangel in den Abteilungen für Anästhesie und In-tensivmedizin, Gynäkologie und Geburtshilfe, Hals- Nasen- und Ohrenheilkunde, Innere Medizin und Radiologie wahrgenommen, im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder ein Ärztemangel in Bezug auf Ausbildungsärzte, insbesondere in der Inneren Medizin, da sich hier die Besetzung der Stellen von Jahr zu Jahr schwieriger gestaltet. Im KH Oberndorf besteht derzeit kein Mangel.

 

Zu Frage 4: Welche Maßnahmen haben Sie seit 2015 gesetzt, um dem Ärztemangel allgemein und im speziellen aufgrund der im Krankenanstalten-Arbeitszeitgesetz festgelegten Arbeitszeitverkürzung notwendigen zusätzlichen Ärztemangel entgegenzuwirken?

 

Wesentlicher Faktor bei der Bekämpfung des Ärztemangels ist die Förderung des ärztlichen Nachwuchses: Durch die Vielzahl an Ausbildungsstellen und die Ausbildungsverbünde der Krankenanstalten werden den Turnusärztinnen und -ärzten höchst attraktive Ausbildungsmöglichkeiten auf allen Versorgungstufen geboten.

 

Ein besonderer Schwerpunkt stellt dabei die Ausbildung der Allgemeinmedizinerinnen und Allgemeinmediziner dar: Die zur Attraktivierung des Berufsbildes des Arztes für Allgemeinmedizin geschaffene verpflichtende Lehrpraxis wird in Salzburg in einem für Lehrpraktikanten und Lehrpraxen attraktiven Fördermodell, bei dem die Lehrpraktikanten in den Krankenanstalten angestellt bleiben, umgesetzt.

 

Österreichweit einzigartig ist die Begleitung der Ausbildung der Allgemeinmediziner mit einem Mentoring-Programm durch erfahrene Allgemeinmediziner während der gesamten Ausbildung und einem Begleitlehrgang zu Praxisfragen, der vom Lehrstuhl für Allgemeinmedizin der PMU organisiert wird. Darüber hinaus werden bereits Medizinstudentinnen und –studenten gezielt zur Absolvierung des Klinisch-Praktischen Jahres (KPJ) in Salzburg angesprochen, für die Absolvierung eines Teils des KPJ in einer allgemeinmedizinischen Lehrpraxis wurde ein Fördermodell entwickelt und in Zusammenarbeit mit der Salzburger Gesellschaft für Allgemeinmedizin und der PMU eine Summerschool für Allgemeinmedizin etabliert.

 

In den besonderen Mangelfächern Kinder- und Jugendpsychiatrie sowei Psychiatrie wird auf die Ausnützung der Mangelfachregelung im Ärztegesetz besonderes Augenmerk gelegt, die im RSG 2025 festgelegte Schaffung einer eigenen Abteilung für Kinder- und Jugendpsychiatrie am Kardinal-Schwarzenberg-Klinikum wird die Ausbildung in der Versorgungsregion 52 substanziell verbessern.

 

Darüber hinaus wurde mit der Sozialversicherung als Partner die vertragliche Grundlage für den Aufbau der Primärversorgung geschaffen, die sowohl für Ärztinnen und Ärzte als auch Patientinnen und Patienten ein sehr attraktives Modell darstellt, zumal junge Ärzte und vor allem Ärztinnen kaum mehr bereit sind, die mit der Führung einer Einzelpraxis verbundene hohe zeitliche Belastung, die mit den persönlichen/familiären Verhältnissen nicht vereinbar erscheint, die komplexen Aufgaben, die hohe Verantwortung und die finanziellen Risiken zu tragen. In den Krankenanstalten wurden durch flexible Arbeitszeiten, neue Gehaltssysteme und Karrieremodelle die Rahmenbedingungen für die Ärztinnen und Ärzte wesentlich attraktiver gestaltet.

 

Ich ersuche das Hohe Haus um Kenntnisnahme dieser Anfragebeantwortung.

 

 

Salzburg, am 17. August 2020

 

 Dr. Stöckl eh.