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Nr. 057-ANF der Beilagen zum stenographischen Protokoll des Salzburger Landtages
(4. Session der 16. Gesetzgebungsperiode)

Anfrage

 

der Abg. Landtagspräsidentin Dr.in Pallauf und Mag.a Jöbstl an Landesrätin Mag.a (FH) Klambauer betreffend Cyber-Grooming

 

 

27 % der 11- bis 18-Jährigen sind in Österreich bereits sexueller Belästigung im Internet ausgesetzt gewesen. Mädchen geraten mit einem Anteil von 40 % fast dreimal häufiger in solche Situationen als Burschen - das ergab im Jahr 2018 eine Umfrage des Instituts für Jugendkulturforschung unter 400 Jugendlichen. Häufig erhalten Kinder ungefragt Nacktfotos oder -videos. 20 % der Befragten gaben an, dass ihnen das bereits passiert sei. Etwas mehr als 10 % der Befragten wurden erpresst, zum Beispiel mit intimen Fotos. 4 % gaben an, jemand habe gegen ihren Willen Nacktbilder von ihnen veröffentlicht oder weitergeschickt.

 

Erfahrungen mit Cyber-Grooming, worunter man das gezielte Ansprechen von Kindern im Internet mit der Intention sexuelle Kontakte anzubahnen versteht, haben laut der genannten Umfrage 14 % gemacht. Bei den Mädchen liegt der Anteil sogar bei 22 %. Rechtlich ist die Lage in § 208a StGB eindeutig geregelt. Wer unter 14-Jährige auffordert, pornografische Fotos von sich zu schicken, sich vor der Webcam auszuziehen, oder wer sie mit der Absicht des sexuellen Missbrauchs zu einem Treffen zu überreden versucht, dem drohen bis zu zwei Jahre Haft. 56 % der Befragten wussten jedoch nicht, dass ein solches Verhalten strafbar ist. Folgerichtig gehen nur 8 % zur Polizei, wenn sie im Internet sexuell belästigt wurden. Viele Jugendliche fühlen sich gegenüber Online-Übergriffen ohnmächtig und teilweise auch mitverantwortlich. Das zeigt sich auch daran, dass sich nur 16 % Hilfe bei den Eltern und vier Prozent bei Lehrern oder einer Beratungsstelle holen.

 

Die erschreckenden Zahlen zeigen, dass viele Kinder sowie auch Erziehungsberechtigte die Gefahren im Internet nicht erkennen oder überhaupt nichts davon wissen. In diesem Bereich kann jedoch nicht genug getan werden. Die Kinder brauchen eine gezielte Hilfestellung und der Erwerb von Medienkompetenz muss zum "Leben lernen" einfach dazu gehören. Es ist wichtig, die Kinder aufzuklären und sie auch in ihrem Selbstbewusstsein zu stärken.

 

In diesem Zusammenhang stellen die unterzeichneten Abgeordneten die

 

Anfrage:

 

  1. Gibt es Zahlen, wie sich das Ausmaß von Cyber-Grooming in Salzburg in den vergangenen 10 Jahren entwickelt hat?
     

  2. Welche Maßnahmen sind geplant, um die Präventionsarbeit hinsichtlich Cyber-Grooming zu verbessern?
     

  3. Werden in Jugendzentren Schulungen für Jugendliche und Betreuer angeboten? Wenn ja, wie sieht das Angebot in diesem Bereich aus?
     

  4. Werden Jugendliche im Rahmen des Ferienbetreuungsangebots über diese Themen aufgeklärt und wenn ja, wie?

     

  5. Sind in der Mädchenarbeit Projekte im Jugendbereich zu Cyber-Grooming geplant?

     

  6. Gibt es von Seiten des Landes Informationsangebote oder Veranstaltungen für Eltern?

     

  7. Gibt es beim Forum Familie Prozesse, solche Probleme aufzugreifen und Maßnahmen zu entwickeln?
     

  8. Gibt es EU-Projekte oder Fördermittel zum Schutz vor Gefahren im Internet für Kinder? Wenn ja, was wurde in Salzburg in den vergangenen beiden Jahren diesbezüglich initiiert?
     

  9. Wird angedacht, im Jugendschutzgesetz die bestehenden Regelungen zu Cyber-Grooming nachzuschärfen?

 

 

Salzburg, am 7. Oktober 2020

 

Dr.in Pallauf eh.

 

Mag.a Jöbstl eh.