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Nr. 057-BEA der Beilagen zum stenographischen Protokoll des Salzburger Landtages
(4. Session der 16. Gesetzgebungsperiode)

Beantwortung der Anfrage

 

der Abg. Landtagspräsidentin Dr.in Pallauf und Mag.a Jöbstl an Landesrätin Mag.a (FH) Klambauer (Nr. 57-ANF der Beilagen) betreffend Cyber-Grooming

 

 

Hohes Haus!

 

Zur Beantwortung der Anfrage der Abg. Landtagspräsidentin Dr.in Pallauf und Mag.a Jöbstl betreffend Cyber-Grooming vom 7. Oktober 2020 erlaube ich mir, Folgendes zu berichten:

 

Zu Frage 1: Gibt es Zahlen, wie sich das Ausmaß von Cyber-Grooming in Salzburg in den vergangenen 10 Jahren entwickelt hat?

 

Dem Referat 2/06 Jugend, Generationen, Integration liegen keine entsprechenden Zahlen für das Bundesland Salzburg vor.

 

Zu Frage 2: Welche Maßnahmen sind geplant, um die Präventionsarbeit hinsichtlich Cyber-Grooming zu verbessern?

 

Der Fachbereich Medien & Gesellschaft/akzente bei Salzburg bietet Workshops für den sicheren Umgang mit digitalen Medien für unterschiedliche Zielgruppen an. Neben vielen anderen Themen – wie z. B. Cybermobbing, Sexting, Datenschutz, Recht am eigenen Bild usw. – wird auch das Thema Cyber-Grooming angesprochen.

 

Cyber-Groomer bauen eine Beziehung zu ihren Opfern auf, in dem sie in einen persönlichen Kontakt treten und versuchen Vertrauen aufzubauen. Häufig geschieht dies in Online-Spielen für Kinder mit Chatfunktion. Kontaktanfragen wirken zunächst echt und authentisch, hinsichtlich persönlicher Angaben wird gelogen (Name, Alter, …). Um Kinder zu schützen wird bereits Volksschulkindern nähergebracht, dass nicht jede Person im Internet die ist, für die sie sich ausgibt. Der Ansatz liegt hier also bei der Schaffung eines Problembewusstseins. Des Weiteren wird mit ihnen erarbeitet, was sie tun können, wenn sie sich nicht sicher sind, ob die Angaben einer Person stimmen bzw. was sie tun können, wenn sie sexuell belästigt werden (z. B. einen Erwachsenen hinzuziehen). Hierbei ist es besonders wichtig, ihr Selbstvertrauen zu stärken und zu betonen, dass sie immer Nein sagen können, wenn sie etwas nicht möchten oder es sich für sie unangenehm anfühlt.

 

Jugendliche im Alter der Sekundarstufe I und II haben häufig schon Erfahrungen mit Cyber-Grooming gemacht. Bei dieser Altersgruppe geht es darum, bereits vorhandene Strategien aufzuzeigen und sie darin zu bestärken bzw. überhaupt Handlungsmöglichkeiten zu erarbeiten. Wichtig ist auch, sie über die rechtliche Lage zu informieren, insbesondere bei Themen wie Sexting, also dem Verschicken von eigenen Nacktbildern. Insbesondere wird darauf hingewiesen, welche strafrechtlichen Konsequenzen das Verschicken solcher Bilder unter Umständen haben könnte (oben im Text erwähnt mit „4 Prozent gaben an, jemand habe gegen ihren Willen Nacktbilder von ihnen veröffentlicht oder weitergeschickt“) und natürlich wird auf die rechtliche Lage hingewiesen (§ 207a StGB Pornografische Darstellung Minderjähriger).

 

Auch in der Elternarbeit geht es grundsätzlich darum, die Eltern aufzuklären und zu sensibilisieren. Gleichzeitig wird mit Eltern thematisiert, wie sie ihre Kinder unterstützen und begleiten können. Zum Beispiel wird aufgezeigt, wie wichtig es ist, dass Kinder lernen „Nein!“ sagen zu dürfen und eigene Grenzen zu setzen. Ein Kind, das im analogen Raum lernt nein zu sagen, kann diese Kompetenz auch auf den virtuellen Raum übertragen. Darüber hinaus wird Eltern bewusstgemacht, wie wichtig es ist, dass sie sich für die Mediennutzung ihrer Kinder interessieren, sich dem Thema zu öffnen und damit auseinanderzusetzen. Eltern werden also hinsichtlich ihrer Medienerziehung geschult.

 

Ebenso wird in Fortbildungen mit Lehrpersonen und MultiplikatorInnen dieses Thema angesprochen, mit dem Ziel ein Problembewusstsein zu schaffen, Präventionsmaßnahmen aufzuzeigen und über Interventionsstrategien zu informieren.

 

Die einleitend erwähnten Zahlen zeigen, dass sich nur 16 Prozent Hilfe bei den Eltern und 4 Prozent bei Lehrerinnen und Lehrer oder einer Beratungsstelle holen. Dies ist auch einem Desinteresse und mangelnder Kompetenz der Erwachsenen geschuldet. Viele Kinder und Jugendliche nehmen Erwachsene aus ihrem Umfeld nicht als geeignete Ansprechpersonen wahr, wenn es um Internetthemen geht und bleiben daher mit ihren Problemen häufig alleine. Daher sind Anlaufstellen wie z. B. der Fachbereich Medien & Gesellschaft/akzente Salzburg, Jugendinformationsstellen, Webseiten wie saferinternet.at oder auch Jugendzentren mit Vertrauenspersonen als Präventionsmaßnahmen wichtig.

 

Zu Frage 3: Werden in Jugendzentren Schulungen für Jugendliche und Betreuer angeboten? Wenn ja, wie sieht das Angebot in diesem Bereich aus?

 

Jugendeinrichtungen können beim Fachbereich Medien & Gesellschaft/akzente Salzburg Medien-Workshops für ihre MitarbeiterInnen bzw. für die Jugendlichen buchen. Bei Bedarf wird auch das Thema Cyber-Grooming (bzw. sexuelle Belästigung, Sexting) im Detail besprochen.

Zudem werden im Rahmen des Grundkurses für Jugendarbeit Angebote gesetzt.

 

Zu Frage 4: Werden Jugendliche im Rahmen des Ferienbetreuungsangebots über diese Themen aufgeklärt und wenn ja, wie?

 

Ja, beispielsweise bot A1 Internet vom 20. bis 24. Juli 2020 für Kinder von Mitarbeitenden das Medien Labor „The Social me!“ an. An fünf Tagen wurden die Themen Datenschutz &        

Privatsphäre, Onlinerecherche & Quellenkritik, Sicherheit & Technik, Cybermobbing & Cyber-grooming sowie Digitale Spiele erarbeitet.

 

Vom 27. bis 29. Juli 2020 fand das Pro Juventute Mediencamp für fremduntergebrachte Jugendliche zwischen 14 und 17 Jahren statt. Das Camp wurde von Sonja Messner (Fachbereich Medien & Gesellschaft/akzente Salzburg) und Christoph Schwarz (Kinderschutzzentrum) durchgeführt.

 

Zu Frage 5: Sind in der Mädchenarbeit Projekte im Jugendbereich zu Cyber-Grooming geplant?

 

Eine verstärkte Zusammenarbeit des Fachbereichs Medien & Gesellschaft bei akzente Salzburg mit dem Projekt „Kick mit!“ - Fußballtraining von Mädchen für Mädchen an Salzburgs Schulen ist gerade im Aufbau. Unter anderem wird daran gearbeitet, eine Fortbildung für die Trainerinnen anzubieten mit dem Ziel der Sensibilisierung für dieses Phänomen und Entwicklung von Strategien für den Umgang, falls Mädchen betroffen sind.

 

Zu Frage 6: Gibt es von Seiten des Landes Informationsangebote oder Veranstaltungen für Eltern?

 

Im Rahmen der Elternangebote von akzente Salzburg werden auch die Themen Cyber-Groo-ming, sexuelle Belästigung und Sexting thematisiert. Zudem wird auf Beratungsstellen wie z. B. Selbstbewusst - Sexuelle Bildung & Prävention von sexuellem Missbrauch (www.selbstbewusst.at), die Angebote für alle Menschen, die mit Kindern und Jugendlichen zu tun haben, verwiesen.

 

Zu Frage 7: Gibt es beim Forum Familie Prozesse, solche Probleme aufzugreifen und Maßnahmen zu entwickeln?

 

Forum Familie ist die Elternservicestelle des Landes Salzburgs in den Bezirken, eine niederschwellige kostenlose Anlaufstelle für sämtliche Elternanfragen. Das Team vom Forum Familie weiß, „was es wo gibt“ und wenn sich Eltern oder Elternvereine melden, geben sie entsprechend fachliche Auskunft über Unterstützungsangebote.

 

Eine der Mitarbeiterinnen/Mitarbeiter von Forum Familie arbeitet freiberuflich als Saferinternet.at-Trainerin i. A. und bringt die Medienkompetenz in die Arbeit beim Forum Familie ein.

 

In den Bezirken finden diverse Arbeitsgruppen zu Gewaltprävention oder Suchtprävention statt, alle Kolleginnen/Kollegen sind dort Teilnehmerinnen/Teilnehmer und bringen ihre Anregungen ein.

Gemeinsam mit z. B. der Kinder- und Jugendanwaltschaft, akzente Salzburg, Präventionscops der Polizei und dem Kinderschutzzentrum werden aktuelle Themen aufgegriffen und Maßnahmen entwickelt. Forum Familie ist oftmals auch Organisatorin bzw. Mitveranstalterin von Elternbildungsveranstaltungen. Zusätzlich bewirbt Forum Familie in Bezirks-Newslettern und auf der Forum Familie Facebook-Seite regelmäßig diverse Themen der Medienbildung und Veranstaltungen.

Fachliche Cybergrooming-Maßnahmen entwickeln sie jedoch nicht, sind aber bei Bedarf immer im Austausch mit den Einrichtungen.

 

Zu Frage 8: Gibt es EU-Projekte oder Fördermittel zum Schutz vor Gefahren im Internet für Kinder? Wenn ja, was wurde in Salzburg in den vergangenen beiden Jahren diesbezüglich initiiert?

 

Die Initiative Saferinternet.at wird durch Mittel der EU und vom Bund (BMAFJ, BMBWF und BMDW) finanziert. Der Fachbereich Medien & Gesellschaft/akzente Salzburg ist seit September 2018 die Saferinternet.at-Koordinationsstelle für das Bundesland Salzburg.

 

Zu Frage 9: Wird angedacht, im Jugendschutzgesetz die bestehenden Regelungen zu Cyber-Grooming nachzuschärfen?

 

Grooming und Cyber-Grooming sind seit 1. Jänner 2012 in Österreich strafbar. § 208a StGB (Anbahnung von Sexualkontakten zu Unmündigen) verbietet Cyber-Grooming, aber auch die Kontaktaufnahme allein mit sexuellen Absichten im realen Raum bei Personen unter 14 Jahren und wird mit einer Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren bestraft. Ein Nachschärfen des Jugendschutzgesetzes ist daher nicht vorgesehen.

 

Ich ersuche das Hohe Haus um Kenntnisnahme dieser Anfragebeantwortung

 

 

Salzburg, am 18. November 2020

 

Mag.a (FH) Klambauer eh.