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Nr. 210 der Beilagen zum stenographischen Protokoll des Salzburger Landtages
(4. Session der 16. Gesetzgebungsperiode)

Bericht

 

des Sozial-, Gesellschafts- und Gesundheitsausschusses zum Antrag der Abg. Zweiter Präsident Dr. Huber, Klubobmann Egger MBA und Weitgasser (Nr. 120 der Beilagen) betreffend „Therapie Aktiv – Diabetes im Griff“
 

 

Der Sozial-, Gesellschafts- und Gesundheitsausschuss hat sich in der Sitzung vom 13. Jänner 2021 mit dem Antrag befasst.

 

Zweiter Präsident Dr. Huber berichtet, dass die Zahl der an Diabetes Erkrankten in den letzten Jahren ständig angestiegen sei. In der Stadt Salzburg sei zB jeder Dritte davon betroffen. Die Krankheit werde oft nicht gleich diagnostiziert, sie gehe aber mit gravierenden Spätfolgen einher. Um diese abwehren zu können, sei das Pilotprogramm Disease Management Programm (DMP) zur Prävention ins Leben gerufen worden. Bei diesem Programm stehe der Teamgedanke im Vordergrund und Ärzte und Patienten würden gemeinsam erreichbare Ziele festsetzen. Ein wesentlicher Schwerpunkt liege in den Themenfeldern Bewegung, Ernährung und Medikamente. Eine Evaluierung des Programms 2019 habe gezeigt, dass die Mortalität auf 9,4 % sinke, im Vergleich zu 15,9 % in der Kontrollgruppe. Auch ein geringerer Kostenfaktor sei erwähnenswert. Im Bundesland Salzburg nähmen ca. 6.000 Patienten und Patientinnen und 144 Ärztinnen und Ärzte am Programm teil. Allgemeinmediziner seien die vorrangigen Ansprechpartner, da sie im direkten Kontakt mit den Patientinnen und Patienten stünden und die erforderlichen Therapien durchführten. Gegenüber einer Verpflichtung im Rahmen der Ausbildung von Ärztinnen und Ärzten sei Motivation und Aufklärung über das Programm ein zielführenderer Weg.

 

Klubvorsitzender Abg. Wanner bekräftigt die Wichtigkeit von Informationen und die Bedeutung einer ordentlichen Behandlung. Er konstatiert, dass die Teilnehmerquote am Programm von anfänglich 10 % im Laufe der Jahre erheblich abgesunken sei. Auch im Vergleich mit anderen Ländern befinde sich Österreich am Ende des Feldes, weshalb dringend Handlungsbedarf bestehe. Er denke etwa an den Bau eines Diabeteszentrums nach dänischem Modell, mit dem neben der Betreuung durch die niedergelassenen Ärzte zusätzlich einmal jährlich eine klinische Betreuung erfolge.

 

Klubobfrau Abg. Mag.a Dr.in Humer-Vogl weist auf die Bedeutung von Bewegung und Ernährung für die Gesundheit hin. Beim Experten erkundigt sie sich, ob eine engmaschigere Kontrolle oder das Hinarbeiten auf eine Lebensstiländerung den Erfolg des Programms ausmache.

 

Abg. Rieder erkundigt sich, ob die Patientinnen und Patienten auf Diabetes fördernde Medikamente oder Nahrungsmittel hingewiesen würden.

 

Dr. Grüner MBA (ÖGK Landesstelle Salzburg) informiert, dass sich gezeigt habe, dass sich bei Teilnehmerinnen und Teilnehmern am Disease Management Programm (DMP) die selbstkompetente Krankheitsbewältigung um 10 % steigere. Das Interesse an Bewegung verdopple sich, die Raucherquote sinke um 23 %, Lebensstil und Diabeteseinstellung würden verbessert. Damit steige auch die Lebensqualität und die Patientinnen und Patienten seien weniger im Spital, womit wiederum die Kosten sinken würden. Das Programm sei jedoch zu wenig bekannt. Ziel des Programms sei es, gemeinsam mit den Patientinnen und Patienten realistische Ziele zu setzen und langfristig Veränderungen zu erreichen. Auf die Frage von Abg. Rieder erläutert der Experte, dass bei den Medikamenten eine Risiko-Nutzen-Abwägung erfolgen müsse. Die Betreuung solle wohnortnah und bestmöglich erfolgen. Andere Disease Management Programme (DMP) seien in Österreich noch nicht installiert.

 

Klubvorsitzender Abg. Wanner bringt folgenden SPÖ-Zusatzantrag ein

 

  1. Die Salzburger Landesregierung wird aufgefordert, an die Bundesregierung mit der Forderung heranzutreten, gemeinsam mit der Österreichischen Gesundheitskasse und der Ärztekammer eine Vertragslösung zu finden, sodass das Disease-Mangagement-Programm „Diabetes (Therapie Aktiv)“ ein verpflichtender Bestandteil der Gesamtverträge wird und somit diese Behandlung für Diabetiker für alle Ärztinnen und Ärzte verbindlich macht.

     

  2. Weiters wird die Salzburger Landesregierung aufgefordert, gemeinsam mit der ÖGK ein Diabeteszentrum, nach dem Beispiel der Diabeteszentren in Dänemark, in Salzburg aufzubauen.

     

Die Ausschussmitglieder kommen auf Vorschlag von Klubobfrau Abg. Mag.a Gutschi überein, den Zusatzantrag zu einem Prüfauftrag zu modifizieren.

 

Der Antrag wird um den modifizierten Zusatzantrag ergänzt, sodann zur Abstimmung gebracht und einstimmig angenommen.

 

 

Der Sozial-, Gesellschafts- und Gesundheitsausschuss stellt einstimmig den

 

Antrag,

 

der Salzburger Landtag wolle beschließen:

 

1.      Die Salzburger Landesregierung wird ersucht, an die Bundesregierung mit dem Ersuchen heranzutreten,

 

1.1.   dass seitens der Österreichischen Gesundheitskasse das Disease-Management-Programm „Therapie Aktiv – Diabetes im Griff“ weiter ausgebaut wird und intensiv bei Patentinnen und Patienten, aber auch Ärztinnen und Ärzten beworben wird.

 

1.2.   zu prüfen, ob gemeinsam mit der Österreichischen Gesundheitskasse und der Ärztekammer eine Vertragslösung gefunden werden kann, sodass das Disease-Mangagement-Programm „Diabetes (Therapie Aktiv)“ ein verpflichtender Bestandteil der Gesamtverträge wird und somit diese Behandlung für Diabetiker für alle Ärztinnen und Ärzte verbindlich macht.

 

2.      Weiters wird die Salzburger Landesregierung aufgefordert, zu prüfen, ob gemeinsam mit der ÖGK ein Diabeteszentrum, nach dem Beispiel der Diabeteszentren in Dänemark, in Salzburg aufgebaut werden kann.

 

 

Salzburg, am 13. Jänner 2020

 

Der Vorsitzende-Stellvertreter:

Schnitzhofer eh.

 

 

Der Berichterstatter:

Dr. Huber eh.

 

 

 

Beschluss des Salzburger Landtages vom 3. Februar 2021:

Der Antrag wurde einstimmig zum Beschluss erhoben.