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Nr. 329 der Beilagen zum stenographischen Protokoll des Salzburger Landtages
(4. Session der 16. Gesetzgebungsperiode)

Antrag

 

der Abg. Zweiter Präsident Dr. Huber, Klubobmann Egger MBA und Weitgasser betreffend Wandgemälde der Festung in der bayerischen Stadt Cham

 

 

Die erste überlieferte Ansicht Salzburgs und der Festung findet sich in der „Schedelschen Weltchronik“ aus dem Jahr 1493. Der Holzschnitt gibt den Horizontalblick aus Richtung Mülln wieder, also jene Hauptansicht, in der sich die Gesamtgestalt der Stadt am vollkommensten offenbart. Rund 40 Jahre nach der Schedelschen Weltchronik gibt es drei Stadtansichten von Salzburg bzw. der Festung, die innerhalb von zwei Jahrzehnten entstanden sind:

 

  • Um 1530: „Der romanische Dom von Süden“ (unbekannter Zeichner der Donauschule).

  • Um 1530: „Salzburg von Norden“ (vermutlich Hans Bocksberger – Landshut)

  • Um 1543: „Salzburg von Norden“ (vermutlich Hans Bocksberger – Falkenturm in Trient).

 

Bei Sanierungsarbeiten am östlichen Trakt im Chamer Rathaus machten Arbeiter Ende Oktober 1994 einen möglicherweise sensationellen Fund. Im Erdgeschoß des Gebäudes, dem sogenannten Tonnengewölbe, stieß man auf eine farbige Darstellung einer Stadt. Die Farben waren auf den trockenen Putz der ursprünglichen Innenwand aufgetragen worden. Datiert war das Bild mit „Salzburg, das Schloß 1531“.

 

Das Rathaus von Cham - erster Nachweis 1385 - setzt sich aus zwei Gebäudeteilen zusammen. Im oberen Teil erstreckt sich der Langhaussaal, in welchem Versammlungen und Festivitäten stattgefunden haben. Im Gegensatz dazu dienten die Räumlichkeiten im Erdgeschoß, in denen später die gotischen Wandmalereien aufgefunden wurden, als „Brothaus“ bzw. als Kaufhalle. Abgebildet wurden mehrere Stadtsilhouetten, gesichert ist lediglich die Abbildung der Stadt Salzburg, da man oberhalb dieses Bildes die Inschrift entziffern kann.

 

Welchen Grund gab es nun, eine Stadt wie Salzburg in der Oberpfalz abzubilden? Der Archivar von Cham, Herr Timo Bullemer, hat dazu folgende Erklärung: wahrscheinlich wurden Städte abgebildet, mit denen Cham rege Handelsbeziehungen unterhielt. Als Beleg für diese Vermutung soll eine Erläuterung der Krämer, Fragner und anderer Handelstreibenden aus der Stadt Cham an die Regierung in Straubing dienen. Aus dieser Auflistung von 1664 lässt sich der Warenverkehr mit anderen Städten und Ortschaften ablesen. Neben den Orten für den regionalen Handel erscheinen in dieser Aufstellung auch relativ weit entfernte Städte wie Straubing, Landshut, Regensburg, Nürnberg, Linz und Salzburg. Interessanterweise bezogen die Chamer Händler zum Beispiel aus Produktionsstätten im Land Salzburg Messingdraht, während Salz vor allem über Straubing nach Cham gelangte. Aus Sicht von Timo Bullemer belegten das die Handelsbeziehungen zwischen den beiden Städten und dies könnte die Darstellung Salzburgs im Rathaus von Cham begründen. Aufgrund von verheerenden Stadtbränden in den Jahren 1657 und 1742 wurden in Cham wichtige historische Quellen vernichtet und damit große Überlieferungslücken im Stadtarchiv verursacht.

 

Salzburger Historikerinnen und Historiker sind sich uneins, ob das Wandgemälde in Cham eine Ansicht der Festung Hohen Salzburg ist. Ein starkes Indiz ist jedoch der runde Turm auf der linken Seite des Bildes, der als Bürgermeisterturm identifiziert werden könnte, sowie der schematisch gehaltene Aufgang zur Festung. 

 

In diesem Zusammenhang stellen die unterzeichneten Abgeordneten den

 

Antrag,

 

der Salzburger Landtag wolle beschließen:

 

  1. < > Landesregierung wird ersucht, unter Führung des Landesarchives einen Arbeitskreis mit unterschiedlichen Expertinnen und Experten einzuberufen. Von diesem Gremium soll eine Expertin bzw. ein Experte beauftragt werden, das Wandgemälde in Cham wissenschaftlich zu untersuchen, um die Frage eines möglichen Zusammenhangs zu Salzburg zu klären.

    Dieser Antrag wird dem zur weiteren Beratung, Berichterstattung und Antragstellungzugewiesen.

 

 

Salzburg, am 24. März 2021

 

Dr. Huber eh.

Egger MBA eh.

Weitgasser eh.