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Nr. 173-BEA der Beilagen zum stenographischen Protokoll des Salzburger Landtages
(4. Session der 16. Gesetzgebungsperiode)

Beantwortung der dringlichen Anfrage

 

der Abg. Klubobfrau Svazek BA und Dr. Schöppl an Landeshauptmann Dr. Haslauer (Nr. 173-ANF der Beilagen) betreffend Maßnahmenkatalog Jugendarbeitslosigkeit

 

 

Hohes Haus!

 

Zur Beantwortung der dringlichen Anfrage der Abg. Klubobfrau Svazek BA und Dr. Schöppl betreffend Maßnahmenkatalog Jugendarbeitslosigkeit vom 25. März 2021 erlaube ich mir, Folgendes zu berichten:

 

Der Februar brachte grundsätzlich eine leichte Entspannung auf dem Arbeitsmarkt. Die Arbeitslosenzahlen bewegen sich jedoch nach wie vor auf einem sehr hohen Niveau. Im Februar 2021 waren in Salzburg 244.326 Personen unselbstständig beschäftigt. Binnen Jahresfrist entspricht dies einem Rückgang von 9,1 % (–24.372 Personen). Im gleichen Zeitraum stieg die Zahl der Arbeitslosen um 84,5 % (+11.090 Personen) auf 24.222 Personen. Die resultierende Februar-Arbeitslosenrate beträgt 9,0 %. In Kurzarbeit befinden sich derzeit 42.152 Personen.

Österreichweit fiel der prozentuale Rückgang der unselbständig Beschäftigten binnen Jahresfrist mit -3,0 % (–112.580 Personen) geringer aus. Es kamen jedoch 102.995 Arbeitslose hinzu (+30,8 %). Insgesamt waren in Österreich 3.664.047 Personen unselbstständig beschäftigt und 436.982 Personen arbeitslos, was eine Arbeitslosenrate von 10,7 % ergibt.

 

2.746 Jugendliche waren im Februar arbeitslos gemeldet. Das sind 71,4 % (+1.144 Personen) mehr als im Vorjahresmonat. Österreich ist unter den Top 3 der europäischen Länder mit der niedrigsten Jugendarbeitslosigkeit (Deutschland Platz 1 und Spanien letzter Platz). Seit Beginn der Krise konnten durch verschiedene Maßnahmen über 100.000 Jugendliche aus der Arbeitslosigkeit wieder in Beschäftigung vermittelt werden.

 

Zu Frage 1: Welche Prognosen gibt es zur Entwicklung der Jugendarbeitslosigkeit in Salzburg?

 

Die Prognosen zur Arbeitslosenquote bisher sind:

 

WIFO Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung

 

  • 2021: 9,3 %

  • 2022: 8,5 %

     

 

 

IHS, Institut für Höhere Studien

 

  • 2021: 9,7 %

  • 2022: 8,7 %

 

Am Freitag veröffentlichen das WIFO und das IHS die Frühjahrsprognose für Österreich. Für Salzburg gibt es derzeit keine Möglichkeit eine Prognose zu berechnen, weil sehr viel davon abhängt, ob die Tourismussaison wieder in Schwung kommt.

 

Zu Frage 2: Worin sehen Sie die Ursache für die hohe Jugendarbeitslosigkeit?

 

Das Arbeitsministerium hat im Sommer 2020 eine Taskforce für Jugendbeschäftigung eingerichtet, die u. a. folgendes Spannungsfeld sieht:

 

  • Einerseits gibt es Jugendliche, die keine Lehrstelle finden, einhergehend auch oft nicht an Unterstützungsmaßnahmen partizipieren. Andererseits gibt es auch viele Betriebe, die keine Lehrlinge finden.

  • Viele junge Menschen sind durch die Coronakrise von Armut und Ausgrenzung betroffen, besonders häufig Jugendliche mit Behinderungen beziehungsweise Unterstützungsbedarf.

     

In Salzburg können zudem die vielen Lehrstellen im Tourismus aufgrund der anhaltenden Pandemie nicht angetreten werden. Insgesamt erschweren derzeit die pandemiebedingt eingeschränkten Kontaktmöglichkeiten den Austausch zwischen Unternehmen, Jugendlichen und Berufsberatung.

 

Zu Frage 3: Welche Maßnahmen wird das Land setzen, um junge Menschen wieder verstärkt in Beschäftigung zu bringen?

 

Bundesinitiativen:

 

  • Lehrlingsbonus: Mit Stand Jänner wurden € 40 Mio. bereits ausbezahlt. Das betrifft 20.500 Lehrlinge und insgesamt 12.128 Unternehmen.

  • Aufstockung der überbetrieblichen Lehrausbildung.

  • Intensivierung der Kernangebote der Ausbildung bis 18, Ausbildungsfit, Jugendcoaching und Berufsbildungsassistenz oder der Ausbau der Ausbildungen für unter 25-Jährige im Rahmen der Corona-Joboffensive.

  • Ein besonderer Stellenwert wird seitens der Taskforce des Bundes auch der Berufsorientierung eingeräumt.

 

 

 

Landesinitiativen:

 

Das Land hat den Zugang gewählt, die Maßnahmen des Bundes nicht zu doppeln, sondern sinnvoll zu ergänzen. Folgende Maßnahmen werden auf Landesebene gemacht, um junge Menschen wieder verstärkt in Beschäftigung zu bringen:

 

  • < >Die Corona-Joboffensive wird vom AMS Salzburg abgewickelt. € 19,7 Mio. stehen in Salzburg dafür zu Verfügung. Außerdem wurde zusätzlich die Salzburger Tourismus-Joboffensive ins Leben gerufen.

     

     

    • Einstieg - Kompass Bildungsberatung Ausbildungsbegleitung GmbH

    Für eine dauerhafte Integration in den Arbeitsmarkt und damit auch die soziale Integration zu erleichtern, fördert das Land im Jahr 2021 die entsprechenden Aktivitäten der Einstieg - Kompass Bildungsberatung Ausbildungsbegleitung GmbH mit einem Betrag von rund € 50.000,--. Die Zielgruppe der sozialpädagogischen Betreuung umfasst Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 15 bis 26 Jahren in der Stadt Salzburg, im Flachgau und Tennengau. Ein besonderes Augenmerk liegt auf Personen mit positivem Asylbescheid, subsidiärem Schutz oder sonstigem Migrationshintergrund. Das Spektrum an Maßnahmen, die im Rahmen dieses Projektes finanziert werden können, reicht von der Unterstützung bei der Arbeitssuche, der Organisation von Unternehmenskontakten und Schnupperpraktika, der Lernbetreuung, der Hilfestellung in finanziellen und rechtlichen Fragen bis zur Zusammenarbeit mit Eltern und anderen Unterstützungssystemen (wie z. B. Jugendamt, Jugendcoaching, Jobcoaching, AMS etc.).

     

    • < >Eine wichtige Säule in der Berufsorientierung ist der Salzburger Talente-Check, der auch während der Pandemie sehr gut angenommen wird. Das Angebot wurde im Jahr 2020 um den Karriere-Check speziell für Maturanten erweitert. Durch die Testungen und den anschließenden Beratungsgesprächen wird eine zusätzliche Berufsorientierungshilfe geboten. Der „Talente-Check Salzburg“ wurde im Vorjahr einer umfassenden Evaluierung durch das öibf – Österreichisches Institut für Berufsbildungsforschung - unterzogen. Die Experten stellten dem „Talente-Check Salzburg“ ein ausgezeichnetes Urteil aus und empfahlen, das Angebot in der bestehenden Struktur (Testverfahren mit anschließender Beratung) fortzuführen. Daher hat die Salzburger Landesregierung im Dezember 2020 beschlossen, die Kooperation mit der Wirtschaftskammer im Zeitraum 2021-2025 fortzuführen und 50 % der laufenden jährlichen Kosten zu übernehmen. Für das Jahr 2021 ist ein Kostenbeitrag von € 600.000,-- veranschlagt.

       

       

      • Einstieg - Kompass Bildungsberatung Ausbildungsbegleitung GmbH

      Das Land unterstützt auch Maßnahmen, um Mädchen und junge Frauen bei einer stärkenorientierten Berufs- und Lebenswegplanung - unabhängig von stereotypen Rollenklischees - zu unterstützen. Deshalb werden im Jahr 2021 entsprechende Aktivitäten der Einstieg - Kompass Bildungsberatung Ausbildungsbegleitung GmbH mit rund € 260.000,-- gefördert. Die Beratungsstelle Kompass widmet sich der Berufsorientierung und Ausbildungsplanung für Mädchen und junge Frauen im Alter zwischen 12 und 24 Jahren im Bundesland Salzburg und setzt auch eine Reihe von Maßnahmen, um die Zielgruppe der Eltern zu erreichen und die Lehrer für geschlechterreflektierende Berufsorientierung zu sensibilisieren. Übergeordnetes Ziel ist die Erhöhung des Frauenanteils in MINT-Berufen und MINT-Ausbildungsrichtungen im Bundesland Salzburg.

       

      • Verein „FairMatching“

      Die Corona-Krise trifft die Zielgruppe der Personen mit Migrationshintergrund besonders hart und gestaltet die Arbeitsvermittlung schwierig. Daher ist es speziell in dieser Zeit umso wichtiger, diesem Personenkreis Hilfestellung anzubieten. Dabei gilt es neue, insbesondere niederschwellige, Angebote zu entwickeln, um diese Personen bei Arbeitssuche und Integration zu begleiten und die Unternehmen an die Themen Diversity und Zusammenleben heranzuführen. Aus Mitteln der Arbeitsmarktförderung unterstützt das Land Salzburg im Jahr 2021 den Verein „FairMatching“ in der Umsetzung entsprechender Maßnahmen mit einem Betrag von € 36.000,--.

       

      • < >Eine weitere wichtige Orientierungshilfe stellt die Berufs-Info-Messe (BIM) dar. Jugendliche und Eltern erhalten hier einen guten Einblick in die zahlreichen Ausbildungsangebote in Unternehmen und Schulen. Aufgrund der Covid-19-Pandemie wurde die BIM im Jahr 2020 auf einer eigens eingerichteten Online-Plattform und in Form der sogenannten „Zukunftsgesprächen“ digital durchgeführt. Auch für 2021 wird die BIM als Hybridveranstaltung konzipiert. In der eigens dafür geschaffenen Applikation soll vermehrt auf Gamification und Regionalität gesetzt werden, um die Jugendlichen abzuholen. Das Land beteiligt sich heuer mit einem Betrag von bis € 92.410,-- an den Kosten der BIM.

         

         

        Zu Frage 4: Welche Maßnahmen wird das Land setzen, um als lehrlingsfreundlichstes Bundesland vor allem die Lehre in Zeiten der Rekordarbeitslosigkeit zu attraktiveren?

         

        Unser Ziel ist, Salzburg zum lehrlingsfreundlichsten Bundesland zu machen. Die Salzburger Allianz für Wachstum und Beschäftigung hat im November 2019 die Arbeitsgruppe „Salzburg – lehrlingsfreundlichstes Bundesland“ damit beauftragt, im Zeitraum 2020 bis 2023 ein Bündel von Maßnahmen umzusetzen, das dazu beitragen soll, die Rahmenbedingungen für die Lehre in Salzburg nachhaltig zu verbessern. In Salzburg ist das Verhältnis von offenen Lehrstellen zu Lehrstellensuchenden immer noch 2,5 (Österreichweit liegt das Verhältnis bei 0,8).

         

        Eine zentrale Maßnahme besteht in der Einrichtung einer Koordinationsstelle. Die Allianzpartner betrauten die ITG-Innovationsservice für Salzburg mit dieser Funktion und damit, für eine koordinierte Information und Kommunikation der Allianzpartner nach innen und nach außen zu sorgen, das Berufsorientierungsangebot in Salzburg besser sichtbar zu machen und zu optimieren, Imagekampagnen durchzuführen und eine Website als zentrale Informationsdrehscheibe für Lehrlinge, Eltern und Ausbildungsbetriebe zu entwickeln. Die Website https://www.lehre-salzburg.at/ ist seit Dezember 2020 online.

         

        In einem nächsten Schritt gilt es nun, eine umfassende Imagekampagne durchzuführen, die sich an Jugendliche, Eltern, Unternehmen, Berufsorientierungslehrer richten und vor allem die Jugendlichen abholen und für eine Lehre begeistern soll. Die zu entwickelnden Services und Tools sollen den Jugendlichen Unterstützung in der Berufsorientierung geben und insbesondere auch für BO-Lehrer attraktiv sein, um einen Anknüpfungspunkt für den Ausbildungsweg Lehre und die damit verbundenen unterschiedlichen Möglichkeiten zu bieten. Für die Umsetzung der Kampagne ist im Jahr 2021 ein Betrag von rund € 250.000,-- vorgesehen.

         

        Zu Frage 5: Welche Maßnahmen wird das Land setzen, um jungen Menschen nach Beendigung der Pflichtschule bzw. allgemein nach Schulabgang Perspektiven für den Eintritt in den Arbeitsmarkt zu bieten?

         

        • „AQUA – arbeitsplatznahe Qualifizierung“

        Von der Zielgruppe der 18 bis 25-jährigen Personen haben in Salzburg rund 2.000 nur einen Pflichtschulabschluss. AQUA eröffnet Unternehmen die Option, gesuchte Fachkräfte gezielt für den entsprechenden Beruf und Bedarf ausbilden zu lassen. Ausbildungen im Rahmen des Programms sind für maximal 24 Monate möglich. Das Unternehmen gibt dem AMS seinen Fachkräftebedarf bekannt, woraufhin das AMS die in Frage kommenden Personen aus dem Kreis der vorgemerkten Personen auswählt. Danach entwickeln die Kooperationspartner des AMS einen Bildungsplan. Die theoretische Qualifizierung der Teilnehmer erfolgt bei externen Bildungsanbietern, die praktische Ausbildung im Unternehmen.

        Das Land Salzburg gewährt allen AQUA-Teilnehmern, die per 1. Jänner 2020 im Programm waren bzw. bis Ende September 2020 in das Programm eingetreten sind, einen Qualifizierungsbonus von € 100,-- pro Monat bis zum Ende der Ausbildung.

        Seit Oktober 2020 leistet das AMS den AQUA-Teilnehmern einen Bildungsbonus von € 120,-- pro Monat. Personen, die nur einen Beitrag zur Deckung der Lebenshaltungskosten beziehen, kommen nicht in den Genuss des Bildungsbonus des Bundes. Um eine Gleichbehandlung mit den Beziehern des Bildungsbonus des Bundes sicherzustellen, wird all diesen Personen seitens des Landes ein Betrag von € 120,-- pro Monat geleistet.

         

        • ÜBA – überbetriebliche Lehrausbildung

        Immer mehr Jugendliche benötigen nicht nur beim Einstieg in den Arbeitsmarkt Unterstützung, sondern auch bei der weiterführenden Ausbildung. Die Gründe dafür liegen nicht nur in den Auswirkungen der Covid-19-Pandemie, sondern meist im schulischen, sprachlichen oder sozialen Bereich. Eine bewährte Maßnahme stellt hier die überbetriebliche Lehrausbildung dar. Im Jahr 2021 beteiligt sich das Land Salzburg mit € 500.000,-- an den Kosten des AMS zur Umsetzung der überbetrieblichen Lehrausbildung.

        Ich ersuche das Hohe Haus um Kenntnisnahme dieser Anfragebeantwortung.

         

         

        Salzburg, am 25. März 2021

         

        Dr. Haslauer eh.