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Nr. 369 der Beilagen zum stenographischen Protokoll des Salzburger Landtages
(4. Session der 16. Gesetzgebungsperiode)

Antrag

 

der Abg. Klubobmann Mag. Mayer, Mag. Scharfetter und Huber betreffend eine Potentialstudie zur nachhaltigen Umnutzung von Leerstand in Orts- und Stadtkernen in den ländlicher geprägten Räumen

 

 

Unser Alltag ist von einem hohen Mobilitätsaufwand geprägt. Das kilometerlange, tägliche Pendeln in die Arbeit und wieder zurück ist für viele Menschen zur Normalität geworden. Eingekauft wird immer öfter in anderen Ortschaften und in den Stadt- und Ortsrändern und nicht dort, wo man wohnt. Gleichzeitig werden unsere Ortskerne immer leerer und trotzdem werden nach wie vor viele neue Flächen für Wohn- und Gewerbegebiete am Ortsrand ausgewiesen und Boden verbraucht. Hauptaugenmerk sollte in Hinkunft auf die Verwertung und Belebung von Vorhandenem gelegt werden.

 

Grund und Boden sind ein kostbares Gut und ein sparsamer und intelligenter Umgang mit diesen Ressourcen ist gerade auch für den Umgang mit dem Klimawandel von wesentlicher Bedeutung. Die Zukunft liegt daher in einem Wachstum nach innen anstatt einem weiteren Wachstum nach außen. Die COVID-19-Pandemie bietet hier eine besondere Chance für die Rückkehr zu einem intakten Sozialraum für die Menschen im ländlichen Raum. Leerstehende Gebäude und Räume sowie aufgelassene öffentliche Bauten im Zentrum bergen ein großes Entwicklungspotenzial für unsere Gemeinden. Eine klassische Nutzung im Sinne einer Ansiedelung von Handelsunternehmen wird in der ursprünglichen Form nicht mehr in den Ortskern zurückzuholen sein. Daher brauchen die leeren Hüllen experimentelle Ideen für ein gehaltvolles Inneres, die das Leben im Ortskern wieder attraktiv machen, wie bspw. vielfältige Wohnformen, gemeinschaftliche Treffpunkte für den sozialen Zusammenhalt, Nahversorgung mit Gütern und Kultur, Handwerk, Genossenschaftsgründungen und Digitalisierungsprojekte.

 

Gerade auch die Telearbeit bietet hier eine ungemeine Chance. Laut einer Studie finden 90 % der betroffenen Bürger, dass Home-Office funktioniert. Die Mehrheit will auch künftig von zu Hause arbeiten. Aber die Arbeit im Home-Office in den eigenen vier Wänden bringt gewisse Herausforderungen mit sich – einerseits oftmals Platzprobleme und andererseits fehlt der soziale Austausch mit Menschen. Das kann aber durch eine professionelle Infrastruktur in den Gemeinden vor Ort verbessert werden. Aufbauend auf dem Konzept der Coworking Spaces – das vorwiegend für Selbstständige ausgerichtet ist - wäre bei Bereitstellung einer professionellen Infrastruktur in den Gemeinden ein qualitätsvolles Arbeiten in der Nähe des Wohnortes auch für Angestellte möglich (Stichwort Public Home Office). Dadurch könnten die klassischen Arbeitswege verkürzt und eine stärkere Bindung an den eigenen Ort erreicht werden. Auch die Wertschöpfung bleibt im Ort. Aus Wohn- und Schlafgemeinden auf dem Land, wo sich in der Früh die Pendlerkolonnen in die eine und abends in die andere Richtung bewegen, könnten wieder echte Lebensmittelpunkte werden.

 

In diesem Zusammenhang stellen die unterzeichneten Abgeordneten den

 

Antrag,

 

der Salzburger Landtag wolle beschließen:

 

1. Die Salzburger Landesregierung wird aufgefordert, gemeinsam mit der Wirtschaftskammer Salzburg eine Potentialstudie zur nachhaltigen Umnutzung von Leerstand in Orts- und Stadtkernen in den ländlicher geprägten Räumen zu erarbeiten und gegebenenfalls darauf aufbauend in interessierten Gemeinden Pilotprojekte zu starten. 

 

2. Dieser Antrag wird dem Ausschuss für Wirtschaft, Energie und Lebensgrundlagen zur weiteren Beratung, Berichterstattung und Antragstellung zugewiesen.

 

 

Salzburg, am 28. April 2021

 

Mag. Mayer eh.

Mag. Scharfetter eh.

Huber eh.