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Nr. 063 der Beilagen zum stenographischen Protokoll des Salzburger Landtages
(5. Session der 16. Gesetzgebungsperiode)

Antrag

 

der Abg. Klubobfrau Mag.a Dr.in Humer-Vogl, Scheinast und Heilig-Hofbauer BA betreffend die Einrichtung eines Lehrgangs zum Reparaturtechniker bzw. zur Reparaturtechnikerin

 

 

Reparieren statt Wegwerfen - durch die Klimakrise nehmen immer mehr Menschen die Probleme im Zusammenhang mit unserer Konsum- und Wegwerfgesellschaft wahr. Dinge werden viel zu oft einfach weggeworfen, wenn sie nicht mehr funktionieren, und es wirtschaftlicher ist, sie durch Neugeräte zu ersetzen. Bisherige Alternativen, wie Reparatur und Wiederverwendung als kreislaufwirtschaftliche Praktiken, bekommen immer mehr Aufmerksamkeit in Politik und Gesellschaft. Ein Blick auf die Politik und Initiativen der Europäischen Union zeigt, dass es zunehmend politische Unterstützung für ein Wirtschaftsmodell gibt, das Ressourceneinsatz und Abfallproduktion minimiert und die Produzentinnen und Produzenten zur Langlebigkeit und Reparaturfähigkeit verpflichtet. Einen wichtigen Schritt in diese Richtung setzte die EU mit einer neuen Ökodesignrichtlinie (2009/125/EG), die das „Recht auf Reparatur“ festschreibt. Demnach müssen Herstellerinnen und Hersteller, die Kühlschränke, Waschmaschinen, Haartrockner oder Fernseher innerhalb der EU verkaufen, ab dem 1. März 2021 sicherstellen, dass diese Geräte bis zu zehn Jahren nach ihrem Verkauf einfach repariert werden können und Ersatzteile dafür verfügbar sind. Auch in Österreich wurde in diesem Jahr eine wichtige Reparatur-Initiative beschlossen. Am 21. Mai hat der Nationalrat einstimmig den bundesweiten „Reparaturbonus“ verabschiedet, finanziert mit € 130 Mio. aus dem EU Wiederaufbaufonds. Nach den Erfolgen dieser Förderung in einigen Bundesländern – darunter auch Salzburg – sollen nun ab Januar 2022 bundesweit Reparaturen bis € 200,-- zu 50 % gefördert werden.

 

Länger nutzen statt öfter kaufen ist auch die Handlungsmaxime des Wiener Unternehmers Josef Eisenriegler. Als Gründer des Reparatur- und Service-Zentrums R.U.S.Z. in Wien im Jahr 1998 und Vorkämpfer für ein Recht auf Reparatur hat er sich EU-weit einen Namen gemacht. Das R.U.S.Z. verbindet Soziales mit Ökologischem, denn hier werden bevorzugt Langzeitarbeitslose und Menschen mit Behinderungen beschäftigt. Ausgebildete Reparaturtechniker sind noch rar, aber eine Berufsgruppe mit Zukunft. Aus diesem Grund setzt sich Eisenriegler für Lehrlingsausbildungen und Arbeitstrainings für arbeitslose Mechatronikerinnen und Mechatroniker ein. Erst im September startete das sechsmonatige BFI Pilotprojekt „Zukunftsberuf Reparaturtechniker“ beim AMS Wien. Der Lehrgang bildet talentierte Arbeitssuchende stark praxisbezogen zum Reparatur- und Servicetechniker aus und schließt damit eine wichtige Lücke bei Ausbildungen, die künftig immer wichtiger und gefragter sein werden.

 

In diesem Zusammenhang stellen die unterzeichneten Abgeordneten den

 

Antrag,

der Salzburger Landtag wolle beschließen:

 

  1. Die Salzburger Landesregierung wird ersucht, zu prüfen, unter welchen Voraussetzungen das Wiener BFI Pilotprojekt „Zukunftsberuf Reparaturtechniker“ und ähnliche Ausbildungen bzw. Arbeitstrainings auch in Salzburg umgesetzt werden können.

     

  2. Dieser Antrag wird dem Ausschuss für Wirtschaft, Energie und Lebensgrundlagen zur weiteren Beratung, Berichterstattung und Antragstellung zugewiesen.

 

 

Salzburg, am 6. Oktober 2021

 

Mag.a Dr.in  Humer-Vogl eh.

Scheinast eh.

Heilig-Hofbauer BA eh.