Bezirkshauptmannschaft St. Johann stellt Bescheid „Entnahme eines Wolfes“ zu

Umfangreiches Behördenverfahren abgeschlossen / Viele Lösungen geprüft
Salzburger Landeskorrespondenz, 17. June 2020

(LK) Vor fast genau einem Jahr hat die Agrargemeinschaft Tofernalm (Großarl) den Antrag auf Entnahme eines Wolfes gestellt. Im Zeitraum zwischen 24. Juni und 15. Juli 2019 wurden insgesamt 24 Schafe getötet, zudem wurden vier verletzte und elf vermisste Schafe auf der Alm festgestellt. Nun hat die Bezirkshauptmannschaft St. Johann im Pongau nach einem umfangreichen Verfahren entschieden, dass dem Antrag auf Entnahme eines Wolfes stattgegeben und hat die jagdrechtliche Bewilligung dazu erteilt wird.

„Es war ein sehr komplexes Verfahren und mit dieser Entscheidung betreten wir Neuland in der Europäischen Union. Der Bescheiderlassung ging ein umfangreiches Ermittlungsverfahren voraus, mit Professor Dr. Klaus Hackländer konnte ein ausgewiesener Experte für Wildbiologie gewonnen werden“, so Bezirkshauptmann Harald Wimmer.

Umfangreiche Fragestellungen

Essentiell für die Entscheidung waren die Fragen, ob sich die Wolfspopulationen in ihrem natürlichen Verbreitungsgebiet befinden, ob es andere Lösungsmöglichkeiten dem Wolf betreffend gibt und ob der im EU-Recht geforderte „günstige Erhaltungszustand“ verhindert wird beziehungsweise ein ungünstiger Erhaltungszustand weiter verschlechtert wird.

Alle Aspekte und Alternativen geprüft

In der Abwägung kommt die Bezirksverwaltungsbehörde zum Schluss, dass der Erhaltungszustand des Wolfes in der betroffenen Region durch Entnahme nicht weiter verschlechtert wird und dass es keine andere zumutbare Lösung für das Problem in Bezug auf den Wolf in der Region gegeben hätte. Natürlich wurde von den weisungsfreien Sachverständigen zusätzlich auch die Zumutbarkeit von Herdenschutzmaßnahmen ebenso wie die sogenannte Vergrämung (Vertreiben des Wolfes von der Alm auf andere Gebiete) geprüft. Die Experten kamen zum Schluss, dass diese Ansätze nicht durchführbar beziehungsweise nur mit „intensiven“ Personaleinsatz vielleicht eine Wirkung zeigen würden.

Wolfsmanagementplan als Grundlage

„Mir war es wichtig die Rahmenbedingungen für ein objektives Verfahren sicherzustellen. Das Rückgrat bildet der mit NGOs, Behördenvertreter aus Landwirtschaft und Naturschutz sowie den jagdlichen und agrarischen Vertretern gemeinsam erarbeitete Wolfsmanagementplan des Landes Salzburg. Das ist einzigartig in Österreich.  Es ist im Sinne alle Beteiligten, dass dieses Verfahren geführt wurde, um rechtliche Klarheit schaffen zu können“, betont Landesrat Josef Schwaiger.

Definition „Problemwolf“

Die Definition des Problemwolfs aus dem Managementplan (Februar 2019): Einzelner Wolf tötet oder verletzt 25 Nutztiere innerhalb eines Monats trotz zumutbarer Schutzmaßnahmen oder in nicht schützbaren Bereichen. Daraus kann man ableiten, dass es sich um ein Tier handelt, das sich auf Töten von Nutztieren spezialisiert hat. In solchen Fällen ist ein Antrag auf Entnahme empfohlen. „Aufgrund dieses gemeinsamen Bekenntnisses zur Vorgehensweise appelliere ich an alle Vertreter des Salzburger Koordinationsgremiums auch zum Plan zu stehen“, so Schwaiger.

So geht es weiter

Sollte es eine Bescheidbeschwerde geben, wird der Akt an das Landesverwaltungsgericht übergeben. Die Einspruchsfrist beträgt ab Zustellung des Bescheides vier Wochen.

Weitere Informationen

LK_200617_70 (fw/mel)

 

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